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Die geplante Bergung des Flugzeugs und des Toten am Ottenstapler Weg bekommt eine juristische Dimension. Ein Anwalt bereitet eine Klage vor.

Oeding

, 24.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Markus Menzendorff ist Rechtsanwalt aus Frankfurt am Main. In den vergangenen Jahren hat sich der Jurist auf Denkmalrecht spezialisiert: „Ich mache seit zehn Jahren nichts anderes mehr“, sagt er.

Anwalt kämpft für die Bergung von Funker Albrecht Riesop

Bordfunker Albrecht Risop starb 1942 bei einem Flugzeugabsturz in Oeding. Foto: Gemeindearchiv Südlohn; Quelle: Richard Kroshoff und Ulrich Söbbing: Erinnerungen an eine schwere Zeit - Oeding von 1933 bis 1948. Hrsg. Heimatverein Oeding. © Repro: Haget

In dieser Zeit hat er eine Beobachtung gemacht: „Hauptamtliche Archäologen werden immer mehr zu einer extremistischen Bewegung“, sagt er. Bis vor 30 Jahren habe niemand gewusst, was die Archäologen überhaupt tun.

„Inzwischen sind die Keller voll mit Fundstücken, gleichzeitig werden aber die Mittel zurückgeschraubt“, sagt er. Die Archäologen würden nun insgesamt versuchen zu verhindern, dass jemand in der Erde „buddelt“. Besonders Sondengänger seien davon betroffen. Sie sähen sich immer häufiger Klagen gegenüber.

Soldatenleichnam bergen

Ein Fall, wie der in Oeding, ist aber auch für Markus Menzendorff neu: „Es gibt kein Gesetz, das verbietet, einen Soldatenleichnam aus einem Feld zu bergen“, sagt er. „Außerdem kann man einen Leichnam nicht zu einem Denkmal erklären. Das geht einfach nicht“, sagt er und holt dann zu einer Erklärung aus.

Anwalt kämpft für die Bergung von Funker Albrecht Riesop

In diesem Feld (Bildmitte) am Ottenstapler Weg liegt das abgeschossene Flugzeug mit den Überresten des Fliegers Albrecht Riesop. © Bernd Schlusemann

Zwar sei eine Leiche – juristisch gesehen – tatsächlich eine Sache. So lange jedoch zum Beispiel lebende Verwandte existieren, wiege deren Pietätsinteresse höher als zum Beispiel der Wunsch, einen Toten in einem Museum auszustellen. „Bei Tutenchamun aus dem Alten Ägypten ist das natürlich etwas anderes“, sagt er.

In seinen Augen ist das Wrack im Acker auch kein würdiges Grab. „Bei einem gesunkenen U-Boot in 4000 Metern Tiefe mag das etwas anderes sein, ein Flieger in einem Acker auf dem noch gearbeitet wird, ist sicherlich alles, aber nicht würdevoll“, sagt er.

Alles aus Akten bekannt

Und die Sache mit dem Denkmal? „Über so ein Flugzeug weiß man von der Fahrgestellnummer bis zum Einsatzbefehl – Entschuldigung – jeden Furz aus den Akten. Das braucht man nicht erst auszugraben, um festzustellen, Donnerwetter, ein Flugzeug. Deswegen kann es auch kein Denkmal sein. Es ist ganz einfach nichts Besonderes.“

Mit seiner Klage vertritt er sowohl Uwe Benkel, der sich mit seiner Arbeitsgruppe Vermisstenforschung für die Bergung des toten Fliegers einsetzt, als auch Winfried Leusbrock, der das Flugzeug bei einer Bodenuntersuchung wiederentdeckt und vermessen hat.

Anwalt kämpft für die Bergung von Funker Albrecht Riesop

Eine Messerschmitt vom Typ ME 110 stürzte 1942 in Oeding ab. Foto: Werner Held, Quelle: Richard Kroshoff und Ulrich Söbbing: Erinnerungen an eine schwere Zeit - Oeding von 1933 bis 1948. Hrsg. Heimatverein Oeding. © Repro: Haget

Dazu baut der Jurist aus Frankfurt auch seine Klage in zwei Stufen auf: „Erstens klagen wir auf die Feststellung, dass die Stelle überhaupt schon einmal kein Denkmal ist.“ Gleichzeitig geht es darum, dass für eine Bergung in jedem Fall eine Genehmigung zu erteilen ist. „Alleine schon, weil ja alle sonstigen Beteiligten inklusive des Grundstückseigentümers auf eine Bergung drängen“, so Markus Menzendorff.

Anwalt kämpft für die Bergung von Funker Albrecht Riesop

Anwalt Markus Menzendorff ist auf Denkmalrecht spezialisiert und schaltet sich jetzt in den Clinch um die Bergung des Weltkriegsflugszeugs in Oeding ein. Foto: Anwaltskanzlei

Dr. Christoph Grünewald, der Leiter der LWL-Archäologie aus Münster hatte eine Bergung des im Zweiten Weltkrieg abgestürzten Flugzeugs und der darin befindlichen sterblichen Überreste des Funkers Albrecht Risop abgelehnt. Seiner Meinung nach soll die Fundstelle zu einem Bodendenkmal erklärt werden, um den Fund zu schützen.

Anwalt kämpft für die Bergung von Funker Albrecht Riesop

Der Gedenkstein am Ottenstapler Weg in Oeding. © Foto: Robert Wojtasik

Die Klage will Markus Menzendorff in den nächsten Tagen am Verwaltungsgericht in Münster einreichen. Eine Prognose, wie lange es dann noch bis zu einer Entscheidung dauert, kann er natürlich nicht abgegeben.

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