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Der „Kaiser von Hundewick“ könnte bald in eine neue Bleibe umziehen

mlzObdachloser in Südlohn

Seit Jahren schon lebt ein Obachloser in der Radfahrer-Schutzhütte in der Bauerschaft Eschlohn. Nun scheint eine Lösung in Sicht: Der selbst ernannte „Kaiser von Hundewick“ könnte umziehen.

Südlohn

, 09.02.2019 / Lesedauer: 4 min

Vor drei, vier Jahren musste Jürgen Rensinghoff seine Wohnung räumen. Seitdem hat er die Brookhütte in der Bauerschaft Eschlohn als sein Zuhause gewählt. Oder besser gesagt als Kern seines Kaiserreichs: Der 68-Jährige lebt in seiner eigenen Welt, hat sich selbst zum „Kaiser von Hundewick“ ernannt. Seit die Gemeinde vor rund zehn Monaten die Radschutzhütte nach Beschwerden aus der Bevölkerung abgesperrt, Jürgen Rensinghoff die Sperre aber eigenhändig wieder abgebrochen hatte und seitdem weiter in der Hütte haust, besteht Handlungsbedarf für die Gemeindeverwaltung. Zuletzt hatte unsere Redaktion im November bei Bürgermeister Christian Vedder nachgefragt. Sein damals formuliertes Ziel, eine „Komplettlösung“ zu finden, scheint nun zumindest in Sicht: „Da ist was in Bewegung, wir sind auf der Zielgeraden,“ sagte der Bürgermeister im Telefonat mit der Redaktion.

Gebäude im Außenbereich könnte sich anbieten

Die Gemeindeverwaltung hat ein Gebäude im Auge – im Außenbereich. „Eine richtige Wohnung mit Sanitäranlagen“, soweit kann Christian Vedder sich äußern. Dort könne Jürgen Rensinghoff weiter autark, frei und selbstbestimmt leben, ist seine Einschätzung. Nun stehe aber noch ein wichtiger Schritt an: Ein Gespräch mit dem Eigentümer, mit dem rechtlichen Betreuer des Obdachlosen und nicht zuletzt Jürgen Rensinghoff selbst. Ordnungsamtsleiter Matthias Lüke sei nun dabei, das zu organisieren. Auch wenn es nun noch immer dauere: „Lieber eine nachhaltige und einvernehmliche Lösung als eine konfrontative“, sagt der Bürgermeister, er ziehe es vor, am Ende mit Augenmaß am Ziel zu sein.

Parallel werde gleichwohl an einer Ordnungsverfügung gearbeitet. Das wäre dann die konfrontative Lösung. In diesem Fall würde die Gemeinde auf ihr Recht bestehen, die Hütte voll und ganz und jederzeit der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen zu können. Denn die Radschutzhütte ist ein öffentliches Gebäude und (natürlich) nicht zur Wohnnutzung vorgesehen. Aus diesem Grund war die Gemeindeverwaltung im April 2018 zur Brookhütte ausgerückt und hatte sie mit einem hohen Zaun abgesperrt – und den Obdachlosen damit ausgesperrt.

„Die Frage ist ja, geht er hin oder bleibt er?“

Seinerzeit hatten sich Passanten im Rathaus beschwert, dass die Hütte in einem verdreckten und schlechten Zustand gewesen sei, und der Bauhof war auf Weisung aus dem Rathaus tätig geworden. Ein Ordnungsverfahren sei trotz allem „nicht so einfach“, sagte Christian Vedder jetzt. So hofft er auf ein baldiges Treffen der Beteiligten und darauf, dass Jürgen Rensinghoff dann auch umzieht. „Die Frage ist ja, geht er hin oder bleibt er?“ fragt sich der Bürgermeister. Er setzt darauf, dass spätestens zu Beginn der Radfahrsaison im Frühjahr ein Ergebnis erreicht wird. So oder so.

Der rechtliche Betreuer des Obdachlosen ist Werner Drießen. Er äußert sich im Telefonat mit der Redaktion nur grundsätzlich zu dem Thema: „Ich muss dafür sorgen, dass es ihm gut geht“, erläutert er die Aufgabe, die er – beruflich – für Jürgen Rensinghoff übernommen hat. Er sei mit dem Ordnungsamt Südlohn in Verbindung und werde alles Nötige organisieren, so der Betreuer weiter. Alles andere, so betont er, falle unter seine Schweigepflicht. So viel noch: „Mir ist wichtig, dass ihm geholfen wird.“

Warmer Schlafsack für den Winter

Werner Drießen steht auch in Verbindung mit Helmut Seifer aus Gescher, der rein privat einen Draht zu Jürgen Rensinghoff gefunden hat und sich seit Jahren ehrenamtlich um ihn kümmert. Helmut Seifer ist der Fürsprecher des Obdachlosen. Er sei auf jeden Fall bereit, mit ihm zu der ins Auge gefassten Unterkunft zu fahren und sie ihm schon einmal zu zeigen, sagt Seifer im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Gescheraner ist der Überzeugung, dass ein Zimmer in einer Einrichtung wie etwa dem Antoniusheim in Vreden von Jürgen Rensinghoff nicht angenommen würde. Er hat dem Obdachlosen für den Winter mit einem Schlafsack ausgestattet, der ihn bei bis zu minus 20 Grad wärmen soll.

Die in sozialen Netzwerken oft geäußerten Befürchtungen oder auch Erlebnisberichte, dass der „Kaiser“ Passanten beschimpft und bedroht habe, kann er nicht glauben. Er habe vielmehr bei seinen Besuchen durchaus festgestellt, dass sich Passanten mit Jürgen Rensinghoff unterhielten. Er gibt zu, dass der Obdachlose mit Menschen, die er nicht näher kenne, keine „normalen“ Gespräche führe. Mit ihm aber sehr wohl, betont Helmut Seifer im Telefonat mit der Redaktion. Und die bis zu zwei Meter langen Holzstöcke, die an der Wand der Hütte aufgereiht sind und die schon bei Passanten zu wilden Mutmaßungen führten, seien nicht angespitzt sondern Wanderstöcke, die Jürgen Rensinghoff selbst nutze oder auch an Passanten verschenke. Der „Kaiser“ sei in der Regel von morgens bis abends zu Fuß in Gescher, Stadtlohn und Südlohn unterwegs und habe immer einen Wanderstab dabei. „Er tut keiner Maus was zuleide“, ist sich Helmut Seifer sicher.

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Den großen Unmut über die Verschmutzung der Hütte kann er auch nicht teilen: Die sechs großen Müllsäcke, die monatelang an der Hütte gestanden hatten, seien nicht von Jürgen Rensinghoff gewesen. „Da waren holländische Bierdosen drin und Schnapsflaschen.“ Der Obdachlose aber trinke keinen Tropfen und rauche auch nicht. Helmut Seifer mutmaßte, dass die Abfallsäcke von der Hüttentour stammten. Das hält Bürgermeister Christian Vedder auf Nachfrage für „definitiv ausgeschlossen“. „Nach der Tour fährt der Bauhof eine Runde und nimmt den Müll mit.“ Was er nicht ausschließen könne ist, dass jemand seinen Müll dort hingestellt oder zurückgelassen habe. Die Gemeinde wurde von Helmut Seifer informiert, der Bauhof habe die Säcke schließlich abgeholt. Vielleicht in diesem Ausnahmefall, sagt der Bürgermeister. „Aber sonst ist die Gemeinde sicher nicht für die Entsorgung von Herrn Rensinghoffs Müll zuständig.

Gerade in dieser Woche habe er noch den Unmut von Bürgern mitbekommen. Eine Gruppe habe sich beschwert, dass die Hütte nicht nutzbar gewesen sei, man habe sich belästigt gefühlt.

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