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Medientechnik für 132.000 Euro soll die Grundschulen in Südlohn und Oeding auf einen aktuellen Stand bringen. Ein dringend nötiger Schritt.

Südlohn

, 11.10.2018 / Lesedauer: 3 min

Sebastian Terhart schaltet am Donnerstagmittag im Klassenraum ein Laptop an. Und dann wartet er erst einmal. Bis das Gerät aus dem Jahr 2011 hochgefahren ist, dauert es eine ganze Weile. Jeden Tag geht das so, wenn er in der von-Galen-Grundschule den Laptopwagen benutzen möchte.

Wertvolle Unterrichtszeit geht dabei verloren. Verglichen mit der St.-Vitus-Grundschule ist diese Situation aber sogar noch komfortabel: Einen Laptopwagen gibt es dort nicht. Die Internetverbindung ist instabil, die neun vorhandenen Schülercomputer im Förderraum laufen noch mit Windows XP, einem Betriebssystem, das seit 2014 nicht mehr aktualisiert wird. In der digitalen Welt ein ganzes Zeitalter.

Unbedingt notwendig

Brauchen die Grundschulen denn überhaupt moderne Medien für den Unterricht? „Ja, auf jeden Fall“, sagt Sebastian Terhart (34), Medienbeauftragter und Lehrer an der Oedinger Grundschule. Denn moderne Technik gehört für die Schüler längst zum Alltag der Grundschüler.

Ein Drittel aller Drittklässler in der Gemeinde hat sogar schon ein eigenes Smartphone oder Tablet. Alle Kinder haben Zugang zu einem Gerät. Das hat eine Umfrage ergeben, die er vor kurzem an den Grundschulen durchgeführt hat.

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Sebastian Terhart ist Lehrer und Medienbeauftragter an der von-Galen-Grundschule. Die Technik dort muss dringend ersetzt werden. Der Schulausschuss hat dafür gestimmt, rund 132.000 Euro in neue interaktive Tafeln und Laptops für die beiden Grundschulen in der Gemeinde zu investieren. Der Rat muss die Entscheidung noch bestätigen. © Stephan Teine

Im Schulalltag sieht das anders aus, denn die Schulen hinken der Entwicklung meilenweit hinterher. Es geht den Schulen dabei aber nicht um den Selbstzweck: „Die Digitalisierung ist dabei eine sinnvolle Ergänzung, kein Ersatz“, sagt Sebastian Terhart.

Auch in Zukunft werden die Kinder an den Grundschulen Handschrift lernen. „Aber der Einsatz von digitaler Technik lohnt sich in jedem Fach“, erklärt Sebastian Terhart. Und er lieferte Beispiele: Ob in Deutsch mit Video- oder Tonaufnahmen gearbeitet wird oder in Mathe geometrische Zeichenprogramme den Unterricht erleichtern – die Rechner sind ständig im Einsatz. „Und könnten es noch öfter sein, wenn sie schneller reagieren würden“, sagt Sebastian Terhart. Und auch interaktive Tafeln bieten im Vergleich zu den angestaubten Kreidevorgängern für modernen Unterricht fast ungeahnte Möglichkeiten.

Schulausschuss stimmt für Investitionen

Im Schulausschuss hatten die Südlohner Politiker am Mittwochabend über das Problem gesprochen. Dort hatte der Medienbeauftragte mit einem Vortrag für die Anschaffung neuer Technik geworben. Einhellige Meinung dort: Es muss dringend etwas getan werden.

Nicht nur, weil aktuelle Technik im Unterricht wünschenswert, sondern weil sie laut Rahmenplan Medienkompetenz in NRW gesetzlich vorgeschrieben ist. „Der Umgang mit moderner Technik ist genauso wichtig wie Lesen, Schreiben und Rechnen“, erklärte Dr. Joachim Musholt (SPD). Die Grundausstattung der Schulen mit der entsprechenden Technik sei Aufgabe der Gemeinde.

Ausgaben steigen

Auch Werner Stödtke vom Schulamt der Gemeinde machte den Politikern keine Hoffnung, dass Ausgaben für neue Technik in Zukunft sinken werden: „Wir sind gerade mal im Einstieg, der Prozess begleitet uns die nächsten Jahre“, erklärte er. Die Ansätze im Haushalt und der Personalaufwand werde in den kommenden Jahren steigen.

Einstimmig hat der Ausschuss für ein Investitionspaket von 132.000 Euro gestimmt. Dafür sollen je acht interaktive Tafeln für die Grundschulen und je 18 neue Laptops angeschafft werden. Die Abstimmung quittierten rund 30 anwesende Eltern und Lehrer im Ratssaal mit tosendem Applaus.

„Gottseidank“, sagte ein Vater, als er nach der Diskussion über den Tagesordnungspunkt den Ratssaal verließ. Das letzte Wort für die Entscheidung behält der Rat.

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Sabrina Späker (37), Vorsitzende der Elternpflegschaft der von-Galen-Grundschule

Nachgefragt bei Sabrina Späker (37), Vorsitzende der Elternpflegschaft der von-Galen-Grundschule“
  • Wie bewerten Sie die Entscheidung des Schulausschusses?
Wir sind ziemlich glücklich, dass es einen einstimmigen Beschluss gegeben hat. Wir als Eltern sehen, dass etwas gemacht wird.
  • Empfinden Sie Technik im Unterricht als Ersatz für althergebrachte Methoden?
Nein, natürlich nicht. Aber es ist eine gute Ergänzung, die dringend nötig war.
  • Sie haben selbst einen achtjährigen Sohn an der von-Galen-Grundschule. Wie geht der mit Smartphone und Co. um?
Zuhause gehört das natürlich zum Alltag. Das ist ein völlig normaler Umgang. Bisher beschränkt der sich allerdings in erster Linie auf spielerische Anwendungen. Aber es gehört heute zum Lernen einfach dazu, dass auch solche Medien im Schulalltag eingesetzt werden müssen.
  • Kommt die Einführung elektronischer Medien zu spät?
Natürlich wird man neidisch, wenn man in Richtung Niederlande blickt. Dort sind sie ja schon viel weiter. Aber ich bin froh, dass wir in Südlohn und Oeding da jetzt rankommen. Natürlich wäre es schön gewesen, wenn das früher geklappt hätte. Aber ich glaube nicht, dass wir wirklich zu spät sind. Eltern von Viertklässlern haben aber auch gesagt, dass sie es schade finden, dass diese Entwicklung erst jetzt kommt.
  • Ist der Knoten jetzt durchschlagen?
Wir hoffen natürlich, dass dieser Vorschlag auch durch den Rat geht. Der entscheidet ja. Aber davon gehe ich eigentlich aus und mache mir keine Sorgen. Die Politik in Südlohn und Oeding muss da jetzt aber auch dauerhaft dran bleiben und die Geräte dann aktuell halten.
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