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Während eine US-Organisation in Reken ein Flugzeugwrack aus dem Zweiten Weltkrieg samt Pilot bergen darf, gibt es in Oeding dafür weiter keine Freigabe.

Oeding

, 24.07.2018 / Lesedauer: 3 min

Während der Kriegstote Albrecht Risop weiter in dem Acker am Ottenstapler Weg liegt, geht nur 20 Kilometer weiter südöstlich in diesen Tagen die Bergung eines Fliegers aus dem Zweiten Weltkrieg völlig problemlos über die Bühne: Die Defenese POW/MIA Accounting Agency (DPAA) der US-Regierung birgt in Reken einen Gefallenen, der als Besatzungsmitglied in einem US-Bomber abgeschossen wurde. „Die machen das einfach. Die kümmern sich nicht um Regularien“, schimpft Karl Peters von der Reservistenkameradschaft im Kreis Borken.

Genehmigung liegt vor

Das stimmt nicht ganz: Denn die Amerikaner haben die denkmalschutzrechtliche Genehmigung der LWL-Archäologie für Westfalen problemlos bekommen, die für die Bergung von Albrecht Risop bisher ausgeschlossen ist. Die Absturzstelle dort wurde durch dieselben Archäologen nicht wie in Oeding als Bodendenkmal klassifiziert.

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Bordfunker Albrecht Risop starb 1942 bei einem Flugzeugabsturz in Oeding. © Repro: Haget, Foto: Gemeindearchiv Südlohn

Darauf angesprochen, findet der zuständige Archäologe wortreiche Erklärungen: „Die Rechtslage ist da eine ganz andere“, sagt Dr. Christoph Grünewald Leiter der Außenstelle Münster der LWL-Archäologie für Westfalen. Unter dem Strich: Die Absturzstelle in Oeding ist ein Bodendenkmal. Wo der Unterschied liegt, wird auch auf Nachfrage nicht klarer.

Stattdessen spricht er über unterschiedliche Philosophien: „Die Amerikaner verfolgen die Philosophie „Leave no man behind („Keinen Mann zurücklassen“, Anm. der Redaktion)“, sagt er. Mit enormem Aufwand würden weltweit Gefallene geborgen, in die USA überführt und dort bestattet. So einen Ansatz gebe es in Deutschland nicht.

25.000 Bergungen im Jahr

Stimmt so nicht: Bis heute birgt der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge etwa jedes Jahr bis zu 25.000 Gefallene verschiedender Nationen in ganz Europa. Sie werden zwar nicht in ihre Heimatländer zurückgebracht aber dennoch bestattet.

Mit dem Oedinger Fall konfrontiert, atmet Maurice Bonkat hörbar durch. „Das ist eine rein juristische Argumentation. Die verbietet sich schon aus Humanität und Pietät“, sagt der Mann von der Pressestelle beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Er begrüßt zwar, dass in Oeding eine Gedenkstelle errichtet wurde. Ein Ersatz für ein ordentliches Grab sei das aber nicht. „Es geht auch nicht nur um persönliche Trauer, sondern um einen gesellschaftlichen Auftrag“, sagt er. Bestürzt reagiert er, als er hört, dass oberhalb der Fundstelle noch Ackerbau betrieben wird. „Der Tote muss sofort geborgen werden und ein vernünftiges Grab bekommen.“

Denkmal eintragen lassen

Während sich eine überwältigende Mehrheit weiter für die Bergung des Wracks und des Toten einsetzt, will Dr. Christoph Grünewald Fakten schaffen: Er hat bei der Gemeinde Südlohn beantragt, die Absturzstelle in die Liste der Bodendenkmäler aufzunehmen. „Aus gegebenem Anlass“, wie er gegenüber der Münsterland Zeitung betont. Den Antrag bestätigt Bürgermeister Christian Vedder. Der Antrag – ein reiner Verwaltungsakt – müsse nun aber erst einmal gründlich geprüft werden. Außerdem sei ja auch Urlaubszeit. Das könne also dauern. Auch er möchte, dass der Tote geborgen wird.

Expertise in zwei Wochen

Binnen zwei Wochen will Grünewald seine Expertise abgeben. Ihm sei klar, dass der Fall in der Öffentlichkeit „schräg ankommt“ und kontrovers diskutiert werde. Dennoch bleibt er bei seiner Expertise. „Es handelt sich um ein Bodendenkmal. Wir werden einer Bergung nicht zustimmen“, sagt er.

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Ein Flugzeug vom Typ Messerschmitt Bf 110. In diesem Flugzeugtyp wurde Albrecht Risop über Oeding abgeschossen. © picture-alliance/ dpa/dpaweb

Dann ist der Kreis Borken am Zug: Dort liegt der Antrag zur Bergung vor. Der Kreis trifft als Obere Denkmalbehörde die Entscheidung. Der Rat der LWL-Archäologen ist nur eine fachliche Einschätzung. Kreispressesprecher Karlheinz Gördes bestätigt am Dienstag, dass der Antrag vorliegt. Eine Prognose über Ausgang oder Zeitrahmen des Verfahrens gibt er nicht.

Uwe Benkel von der Arbeitsgruppe Vermisstenforschung möchte den Flieger bergen. Er bleibt hartnäckig: Parallel zum Antrag prüft er andere – auch juristische – Wege.

Bordfunker Albrecht Risop starb 1942 bei einem Flugzeugabsturz in Oeding.

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Der Acker, in dem das abgeschossene Flugzeug samt den sterblichen Überresten von Flieger Albrecht Risop liegt – aufgenommen aus rund 150 Metern Höhe. Ob der Tote geborgen werden kann ist im Moment noch offen. Geht es nach den LWL-Archäologen, handelt es sich bei der Absturzstelle um ein Bodendenkmal. © Bernd Schlusemann

  • Die Bergung von Kriegstoten ist eine der Hauptaufgaben, die sich der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gesetzt hat.
  • Seit 1991 richtete der Volksbund 331 Friedhöfe des Zweiten Weltkrieges und 188 Anlagen aus dem Ersten Weltkrieg in Ost-, Mittel- und Südosteuropa wieder her oder legte sie neu an. 910.293 Kriegstote wurden auf 83 Kriegsgräberstätten umgebettet.
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