„Veggie-Fest“ statt Schlachtfest – Peta will Heimatverein zum Umdenken bewegen

mlzSchlachtfest in Alstätte

Der Heimatverein Alstätte feiert am Samstag ein „Schlachtfest“. Dabei wird eine Sau zerlegt. Die Tierrechtsorganisation Peta hatte den Verein angeschrieben und ein Angebot gemacht.

Ahaus

, 08.02.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Fleischige hat im Münsterland eine lange Tradition. Hier sind Wurste- und Leberbrot zu Hause. Hier ist die Heimat von köstlichen Liedern wie „Da wird die Sau geschlacht“. In Alstätte lässt der Heimatverein alle zwei Jahre die Messer für ein Schlachtfest wetzen. Dort wird am Samstag, 9. Februar, vor einer ganzen Schar Neugieriger ein Schwein zerlegt. In diese Bastion des deftigen Genusses wagte die Tierrechtsorganisation Peta jetzt einen veganen Vorstoß. Erfolglos.

Pflanzliche Ernährung

„Töten kann nie ein Fest sein“, sagen die Aktivisten von Peta mit Sitz in Stuttgart. Die Organisation kontaktierte darum den Heimatverein Alstätte im Sinne des Tierschutzes, der Nachhaltigkeit und einer gesunden, rein pflanzlichen Ernährung. „Wir haben am 31. Januar per E-Mail Kontakt zum Heimatverein aufgenommen“, erklärt René Schärling, bei Peta Fachreferent für Ernährung und Umwelt, am Freitag im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Mail sei an Heinrich Holters geschickt worden, den Vorsitzenden des Heimatvereins Alstätte. „Wir haben auch eine Lesebestätigung erhalten. Allerdings keine weitere Antwort“, berichtet René Schärling.

500 vegane Würstchen

Das mag am Vorschlag gelegen haben, den Peta Deutschland dem Heimatverein unterbreitete: Feiern die Bürger von Alstätte künftig ein Veggie-Fest unter dem Motto „Tiere achten statt schlachten“ spendiert die Tierrechtsorganisation 500 vegane Würstchen und unterstützt den Verein außerdem mit tierfreundlichen und veganen Vorschlägen. „Wurst muss nicht aus Tieren sein“, erklärt René Schärling, in einer dazu verschickten Pressemitteilung. Mit dem neuen Verpflegungskonzept könnten die Alstätter ein klares Zeichen für einen Wertewandel hin zu mehr Mitgefühl für alle Tiere setzen. René Schärling: „Tradition rechtfertigt niemals Tierquälerei.“ Ein Fest mit einer großen Vielfalt pflanzlicher Köstlichkeiten wäre zudem nachhaltig und umweltfreundlich. Peta vertritt die Ansicht, dass Tiere nicht dazu da sind, für die menschliche Ernährung ausgebeutet zu werden. Dabei würden allein in deutschen Schlachthäusern jedes Jahr etwa 800 Millionen fühlende Lebewesen für die Fleischproduktion getötet, erklärt Peta.

Vor Ort verwurstet

In Alstätte geht es am Samstag um 11 Uhr um ein einziges, zuvor geschlachtetes Schwein. Die 80 Kilogramm schwere Sau hängt am Heimathaus, Högerstraße 5, an einer Leiter. Das Tier wird ausgelöst und von Knochen befreit. Interessierte können sehen, wo die einzelnen Fleischstücke sitzen. Verwurstet, zubereitet und verzehrt wird direkt vor Ort. Von der Sau bleibt am Ende nichts mehr übrig. So war es die vergangenen Male.

„Wir wollen nicht das aktuelle Fest umgestalten“, sagt René Schärling. Das wäre denn doch zu kurzfristig. Der Heimatverein Alstätte plane ja auch schon länger.

René Schärling: „Unser Angebot gilt für die Zukunft.“ Sollte der Verein den Namen der Veranstaltung und das Konzept beim nächsten Mal ändern, „dann stehen wir weiter zu unserem Angebot.“

„Tiere sind keine Menschen“

Ein Angebot, das der Heimatverein Alstätte dankend ablehnt. Das sagt Vorsitzender Heinrich Holters am Freitag auf Anfrage. Dabei kann er der Aktion von Peta durchaus etwas Positives abgewinnen. „Es ist doch gut, dass Leute sich für Dinge einsetzen, die ihnen wichtig sind.“ Andererseits, sagt Heinrich Holters, komme er selbst vom Bauernhof und kenne die Zeit, als man Tieren noch einen Namen gab. „Ich bin aber auch damit aufgewachsen, dass Tiere Nutztiere sind.“ Angst mache ihm, dass die Tierrechtler von Peta manches zu stark ideologisieren würden. „Pflanzen sind keine Tiere. Tiere sind keine Menschen“, sagt Heinrich Holters.

E-Mail von Peta

Die E-Mail von Peta sei in der vergangenen Woche bei ihm gelandet, sagt der Heimatvereinsvorsitzende. Allerdings habe sich Peta unaufgefordert bei ihm gemeldet. „Ich kann nicht auf alles antworten.“ Vielleicht werde er in den nächsten Tagen den Tierrechtlern in Stuttgart per Mail antworten. „Vielleicht hänge ich auch am Samstag beim Schlachtfest die Mail von Peta aus. Dann kann sich jeder selbst ein Bild davon machen.“

Die 500 veganen Würstchen bleiben also erst mal bei den Tierrechtlern in Stuttgart. Seit 2017 habe man über 100 Veranstalter von Festivitäten wie der in Alstätte angeschrieben, berichtet René Schärling. Peta werde nicht immer ignoriert. „Einige Vereine sind mit uns in Planungen eingestiegen.“

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