Mitten durch die Ahauser Innenstadt führte die Demonstration „Tour de Natur" gleich zwei Mal. Sie führt in den nächsten zwei Wochen bis nach Jüchen. Rund 100 Radfahrerinnen und -fahrer wollen so für eine alternative Verkehrs- und Energiepolitik demonstrieren. © Stephan Rape
Energie- und Klimapolitik

100 Radfahrer demonstrieren auch in Ahaus für den Verkehr der Zukunft

14 Tage sind sie unterwegs – mit dem Rad: 100 Aktivisten der „Tour de Natur“ haben am Montag und Dienstag in Ahaus demonstriert. Ein bunter Zug, der aber nur wenig Aufmerksamkeit hervorrief.

Auf zwei oder drei Rädern, mit oder ohne Akku, im Sitzen oder Liegen, mit oder ohne Anhänger, schwer bepackt oder spartanisch ausgerüstet – die Gruppe, die am Montag und Dienstag auf Fahrrädern durch Ahaus gefahren ist, hätte nicht viel bunter gemischt sein können: 100 Radfahrerinnen und Radfahrer wollten damit ein Zeichen für Verkehrs- und Energiewende setzen. Zum ersten Mal war Ahaus Station auf der „Tour de Natur“. Die führt schon seit 1991 über unterschiedliche Routen einmal im Jahr durch Deutschland – als Demonstration.

Mit dabei ist Wolfgang Schuch (56) aus Marburg. Seit 22 Jahren fährt er bei der Tour mit. Anfangs als Mitorganisator, inzwischen nur noch als Teilnehmer, erzählt er am Montagabend im Lager der Gruppe an der Hockeyhalle der Maidy Dogs. In Münster hatten sie sich am Morgen auf den Weg gemacht.

14 Tage zwischen Münster und Jüchen

Von dort führt in diesem Jahr von Münster über Ahaus, Kleve, Duisburg bis nach Jüchen. Dort endet die Tour mit der Teilnahme an der Menschenkette gegen den Braunkohleabbau. Zwischen 50 und 80 Kilometer legen sie am Tag zurück. Unterbrochen von Kundgebungen.

Am Abend folgt dann gemeinsames Essen und Programm am jeweiligen Übernachtungsort, in der Regel Turnhallen. Die Touren sollen aber mehr sein als gemeinsame Ausflüge.

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100 Radfahrer demonstrieren bei der „Tour de Natur“ in Ahaus

Einerseits machen sich die Teilnehmer für die Verkehrswende stark. Ihre Ziele: neue Autobahnen stoppen, Bahnstrecken erhalten und ausbauen, umweltfreundliche Mobilität für jeden ermöglichen.

Bei Kundgebungen vor dem Zwischenlager und auf dem Oldenkottplatz wollten die Teilnehmer der
Bei Kundgebungen vor dem Zwischenlager und auf dem Oldenkottplatz wollten die Teilnehmer der „Tour de Natur“ und die BI „Kein Atommüll in Ahaus“ auf ihre Ziele aufmerksam machen. © Stephan Rape © Stephan Rape

Gleichzeitig fordern sie den Wechsel von fossiler und Kernenergie hin zu regenerativer Energie. Und damit ist der Bogen nach Ahaus geschlagen: Die Gruppe stoppt für eine Kundgebung am Montagnachmittag erst einmal vor dem Zwischenlager in Ahaus.

Daneben geht es um weitere Ziele, die über die Jahre dazugekommen sind. „Insgesamt ein nachhaltigeres Leben“, sagt Wolfgang Schuch. So ist auch das selbst gekochte Abendessen vegan.

Selbstorganisation steht über allem

Insgesamt sei die komplette Tour und das Zusammenleben selbst-organisiert. Es gebe weder Chef noch Organisationskomitee. Dadurch erhalte die Gruppe eine ganz eigene Dynamik und könne ihren Zielen eine lautere Stimme verleihen, erklärt der Tour-Veteran.

Wolfgang
Wolfgang „Wolli“ Schuch aus Marburg ist seit 22 Jahren bei der Tour de Natur dabei. © Stephan Rape © Stephan Rape

Hartmut Liebermann, einer der Sprecher der BI „Kein Atommüll in Ahaus“, erzählt ihnen von der Geschichte des Lagers, der Proteste und auch der laufenden Klagen von Stadt und Privatpersonen gegen die Verlängerung der Einlagerungsgenehmigung. Nach etwas mehr als 45 Minuten geht es – begleitet von der Polizei – mitten durch die Ahauser Innenstadt. An der Halle der Maidy Dogs schlagen die Aktivisten schließlich ihre Zelte auf.

Am Dienstagmorgen dann die Weiterfahrt: Nach einer weiteren Kundgebung – dieses Mal auf dem Oldenkottplatz – soll es weitergehen. Auch hier spricht wieder Hartmut Liebermann. Er macht deutlich, dass die Kernenergie auch mit Blick auf Klimawandel und Einsparung von Kohlendioxid keine Alternative sei.

Wie erwartet: Wenig Öffentlichkeitswirkung in Ahaus

Passanten und Autofahrer nehmen die beiden Kundgebung und die Sperrung der Straße nach Schöppingen zur Kenntnis, bleiben aber kaum stehen oder reagieren. „Dass die Öffentlichkeitswirkung in Ahaus relativ gering geblieben ist, haben wir nicht anders erwartet“, sagt Hartmut Liebermann später. An einem Werktag-Vormittag sei in der Ahauser Innenstadt eben nicht viel los. Dennoch sei es der BI wichtig gewesen, die Tour zu unterstützen. „Und uns war wichtig, unseren Standpunkt deutlich zu machen“, erklärt er.

Die Fahrrad-Demonstranten sind schon wieder auf dem Weg. In Kolonne mit der Polizei geht es zunächst in Richtung Stadtlohn. Von ihrer weiteren Tour berichten die Aktivisten online auf www.tourdenatur.net.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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