Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

1000 Kilometer an der Grenze entlang

Grenzsteintrophy

Robert Mensing aus Ahaus hat eine Grenzerfahrung gemacht. Nein, viele Grenzerfahrungen. In nur acht Tagen hat er fast 1000 Kilometer auf dem Mountainbike zurückgelegt, von der tschechischen Grenze bis zur Ostsee. Dabei hat der 54-Jährige Rechtsanwalt nicht nur die frühere deutsch-deutsche Grenze „erfahren“, sondern auch die Grenze der Leistungsfähigkeit, die Grenze der Zivilisation und nicht zuletzt die Grenze der Einsamkeit.

AHAUS

, 09.07.2014 / Lesedauer: 3 min

Robert Mensing schläft unter freiem Himmel – oder mit viel Glück in einer offenen Hütte. „In den ersten zwei Tagen bin ich noch in einer kleinen Gruppe gefahren“, berichtet der Ahauser. Doch dann muss jeder sein eigenes Tempo finden, um die Strapazen zu überstehen. Endlos und einsam Gefahren wird von früh morgens bis spät abends. Durch das Saaletal, den gesamten 170 Kilometer langen Rennsteig, Werratal, Harz, Wendland, Elbe, Lüneburger Heide… auf dem schier endlos scheinenden Kolonnenweg, auf dem bis 1989 die DDR-Grenzer patroullierten, wird es einsam. Sehr einsam. Oft gibt es nicht einmal ein Handynetz.

Die Betonlochplatten sind eine einzige Holperstrecke – wenn sie nicht gar ganz zugewachsen sind. Hier fährt kein normaler Radtourist. Und oft genug muss auch Robert Mensing absteigen. Bei schwierigem Gelände braucht der durchtrainierte Radler schon mal mehr als vier Stunden für eine Strecke von nur 20 Kilometern. Doch an körperlichen Strapazen gewöhnt man sich, sagt Mensing. Er findet seinen Rhythmus im Pedalentakt. Und dann öffnet sich der Blick: für Wildblumen in jeder Variante, Salamander, Fuchs, Marder, Dachs, Waschbären, Wildschweine, Rehe, Hirsche, Damwild, Kraniche, Neuntöter, Pirol und Kolkrabe – „geradezu unbeschreibliche Naturlebnisse“, sagt Mensing, „und das in Kombination mit alten Wachtürmen und ehemaligen Grenzeinrichtungen – großes Kino“.

Die Nächte unterm Sternenzelt verändern die Beziehung zur Natur – und auch zur Zivilisation. Mensing: „Man wird aufmerksamer, wacher, bekommt mehr mit.“ Und plötzlich zählt der Sonnenaufgang zu den Höhepunkten des Tages. Auch der Blick auf die Zivilisation ändert sich. „Ein Lebensmittelmarkt war für mich wie ein Schlaraffenland“. Schließlich lassen die Strapazen die Gedanken oft ums Essen kreisen. Mensing: „Das drei- bis vierfache des üblichen Kalorienverbrauchs dürfte es schon gewesen sein.“ Nur 17 der 35 Teilnehmer erreichen die Ostsee auf dem Fahrrad. Robert Mensing gehört zu ihnen.

Nach acht Tagen in einer anderen Welt. Mitten in Deutschland. Die Grenzsteintrophy (kurz GST) ist kein Rennen, aber auch keine gemütliche Radeltour: Sie ist eine „Selbstversorgerfahrt“: keine Begleitfahrzeuge, keine fremde Hilfe, keine Vorausplanung Das „Grüne Band“ genießt eine Ausnahmestellung als eine Kette besonders wertvoller Biotope. Über ein Viertel des Grünen Bandes ist als Naturschutzgebiete ausgewiesen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt