14-jährige AHG-Schülerinnen rufen Mitschüler in Ahaus zum Klimaprotest vor dem Rathaus auf

mlzFridays for future

Cilia Gesing und Ina Elpers organisieren den Protest für Klimaschutz in Ahaus. Die beiden 14-Jährigen stoßen auf riesige Resonanz und selbst ihr Schulleiter ist stolz auf sie.

Ahaus

, 03.04.2019, 13:33 Uhr / Lesedauer: 3 min

Cilia Gesing und Ina Elpers reicht es. Sie wollen nicht mehr nur vom Protest gegen die Klimapolitik in den Nachrichten hören und lesen. Sie wollen selbst etwas bewegen. Die beiden 14-jährigen Schülerinnen des Alexander-Hegius-Gymnasiums in Ahaus haben am Dienstagmittag den weltweiten Protest „Fridays for future“ nach Ahaus geholt.

Schülerinnen haben klare Forderungen und wollen aufmerksam machen

Ihre Forderungen sind deutlich: „Wir erwarten von den Politikern, dass sie unter anderem die EU-Klimaziele erreichen“, erklärt Cilia Gesing. Aber es geht auch eine Nummer kleiner: „Wir wollen aber nicht nur die Politiker zum Handeln bringen, sondern darauf aufmerksam machen, dass jeder etwas für das Klima tun muss. Dabei geht es nicht darum, der perfekte Klimaschützer zu sein, sondern darum, so gut man kann auf das Klima zu achten.“

Die Idee für die Aktion hatten sie schon eine ganze Zeit: „Wir haben im Unterricht über die Fridays-for-Future-Demonstrationen gesprochen“, sagt Cilia Gesing unserer Redaktion. Da sei ihnen die Idee gekommen, die Kundgebungen auch „endlich“ nach Ahaus zu holen. Erste Überlegungen dazu hatte es wohl zuvor schon einmal gegeben. „Wir haben das wirklich schon öfter in den vergangenen Wochen überlegt. Doch es ist nie etwas geworden“, erzählt Cilia Gesing. Es habe sich schlicht niemand gefunden, der es organisieren wollte. Das ist an diesem Dienstag anders.

Beginn der Demonstration „Fridays for Future – Ahaus“ ist am Freitag, 5. April, um 11.30 Uhr auf dem Rathausplatz in Ahaus. Dazu aufgerufen sind nicht nur Schüler sondern auch Erwachsene. Die Demonstration soll bis 13 Uhr dauern.

In einer kurzen E-Mail teilt Cilia Gesing unserer Redaktion mit, dass sie mit ihren Mitschülern am Freitag auf die Straße gehen will. Da ist sie gerade von der Schule nach Hause gekommen. Und war schon bei der Polizei. Dort hat sie die Demonstration ganz ordnungsgemäß angemeldet. „Die Polizisten haben uns gesagt, dass wir das machen dürfen. Wir sollen nur sagen, wie viele Demonstranten ungefähr kommen werden“, erzählt die Neuntklässlerin. Mit ihren Lehrern haben sie sich nicht abgestimmt. Nur von ihren Eltern holen sie sich noch schnell „grünes Licht“, um ihre Demonstration auf die Beine zu stellen.

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Wenig später geht der Protest bei Instagram und Whatsapp online. Dort sollen alle Infomationen zur geplanten Demonstration zusammenlaufen. „Bringt möglichst viele Leute und ganz viele bunte und große Plakate mit! Lautstärke erwünscht, man soll uns und unser Anliegen hören können!“, schreiben die beiden Gründerinnen dort. „Traut euch! Das Klima dankt euch!“

Schulleiter Michael Hilbk ist stolz auf das Engagement seiner Schülerinnen

Bei Michael Hilbk, Schulleiter des Alexander-Hegius-Gymnasiums, rennen die beiden Schülerinnen offene Türen ein: „Ich freue über das Engagement meiner Schüler und bin stolz darauf.“ Eigentlich habe er schon viel früher damit gerechnet, schiebt er dann noch hinterher. Doch so ein Engagement müsse eben von den Schülerinnen und Schülern selbst kommen und dürfe nicht von den Lehrern vorgegeben werden. Er geht nicht davon aus, dass es den Teilnehmern der Demonstration in erster Linie darum gehe, die Schule zu schwänzen: „Wir müssen es sehr ernst nehmen, dass Jugendliche sich zu Wort melden“, sagt er. Gerade weil ja immer wieder kritisiert werde, dass die Jugend nicht politisch sei oder keine Meinung habe. „Das stimmt einfach nicht“, erklärt Michael Hilbk.

Schulpflicht? Teilnehmer können fürs Leben lernen.

Auch zur Frage der Schulpflicht hat Michael Hilbk eine ganz klare Meinung. „Ich kann natürlich die Schüler nicht jeden Freitag vom Unterricht befreien. Das geht einfach nicht“, sagt er. Die Demonstration am Freitag sieht er aber als Unterricht in einer anderen Form: „Da können die Schüler fürs Leben lernen“, erklärt er. Sanktionen hätten die Teilnehmer nicht zu erwarten. Sollten ganze Klassen oder Lerngruppen daran teilnehmen, werden Lehrer sie begleiten. „Die Aufsichtspflicht können wir ja nicht einfach aufheben“, erklärt er. Diese Sichtweise sei auch durch dienstliche Post vom Staatssekretär gedeckt.

Ob er als Schulleiter selbst an der Demonstration teilnehmen wird, kann er am Mittwochmittag noch nicht sagen. Das müsse er sich noch überlegen. Schließlich sei es ja eine Veranstaltung von Schülern für Schüler und da wolle er eigentlich nichts vermischen.

Gruppen in sozialen Medien wachsen rasant

Wie groß der Protest wird, mag Cilia Gesing zunächst nicht abschätzen. „Wenn wir nur zu zweit dort stehen, dann haben wir es zumindest versucht“, sagt Cilia Gesing. Dass es tatsächlich so kommen wird, scheint allerdings sehr unwahrscheinlich. Denn die Gruppen in den sozialen Netzwerken wachsen rasant. Die Schwelle der ersten 100 Mitglieder überschreiten sie noch am Dienstagnachmittag. Bis Mittwochmittag haben sich 257 Mitglieder in der Whatsapp-Gruppe angemeldet.

Auf erneute Nachfrage reagieren die Organisatorinnen völlig überrascht auf die enorme Resonanz. „Wir hatten gehofft, etwa 30 Leute zusammen zu kriegen. Jetzt haben sich schon mehrere ganze Klassen angekündigt“, schreibt Cilia Gesing via Whatsapp.

Weltweiter Protest polarisiert

Fridays for Future ist inzwischen eine globale Bewegung von Schülerinnen und Schülern, die für eine nachhaltigere Klimapolitik demonstrieren wollen. Die Proteste gehen auf die Initiative der Schwedin Greta Thunberg zurück, die am 20. August 2018 in den Schulstreik trat und vor dem schwedischen Parlament protestierte. Greta Thunberg und der Protest der Schüler polarisieren. Auf der einen Seite die Befürworter, die den Einsatz der Schüler für das Klima und ihre Zukunft positiv sehen. Für ihr Engagement wurde die mittlerweile 16-jährige Great Thunberg beispielsweise mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet oder durfte auf dem Weltklimagipfel in UN-Klimakonferenz in Kattowitz sprechen und ist für den Friedensnobelpreis nominiert. Auf der anderen Seite die Gegner, die zum Einen auf die Einhaltung der Schulpflicht pochen und der Initiative unterstellen, von Lobbyisten gesteuert zu sein.
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