15-Jährige am Joint ziehen lassen – Ahauser muss Geldstrafe zahlen

mlzAmtsgericht Ahaus

Ein reumütiger Angeklagter, ein „Gnadenantrag“ und ein Urteil, das „milder nicht geht“: Ein Ahauser, der seine 15-jährige Nichte einen Joint hat probieren lassen, muss eine Geldstrafe zahlen.

Ahaus

, 12.06.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ging um die unerlaubte Einfuhr von Drogen und – der Vorwurf wog schwerer – darum, einer Minderjährigen Drogen zum Konsum überlassen zu haben: Ein 34-jähriger Ahauser stand am Dienstag vor dem Schöffengericht am Ahauser Amtsgericht. Er hatte eine 15-Jährige an einem Joint ziehen lassen – eine Straftat, die mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr belegt werden kann.

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Doch so hart kam es nicht für den 34-Jährigen, der gleich zu Beginn der Verhandlung seinen Fehler einräumte: „Das ist nicht zu rechtfertigen. Aber ich war überfordert.“ Er bezog sich darauf, dass er sich mit der Tochter seines Cousins am Bahnhof in Münster getroffen hatte. Bei dem Treffen im Auto des Ahausers habe er einen Joint gedreht und seine Nichte ziehen lassen.

Der Angeklagte holte weit aus: Die 15-Jährige habe Probleme mit ihrem Vater gehabt, seinem Eindruck nach habe ihre Familie kein Verständnis für sie gezeigt, erzählte er. So sei er nach und nach zur Vertrauensperson für den Teenie geworden, den es öfter von zuhause wegzog.

Einmal am Joint ziehen lassen – kein Interesse an einem zweiten Zug

So teilte sie ihm per Whatsapp auch schon mal mit, dass sie in Münster unterwegs sei und sich mit Typen treffe, die Drogen dabeihätten. Er selbst habe zu der Zeit Marihuana und Haschisch konsumiert, räumte der Angeklagte ein und erklärte, warum: Es sei ihm psychisch schlecht gegangen, wegen psychosomatischer Beschwerden sei er auch schon ein Jahr krankgeschrieben. „Meine Nichte hatte noch nicht geraucht. Das sollte sie aber auch nicht mit Fremden, dann kam das so“, äußerte sich der Angeklagte zum Tatvorwurf.

Auf Nachfrage des Richters sagte der 34-Jährige, er habe gehofft, dass nach dem einmaligen Ziehen „die Neugier weg“ sei bei seiner Nichte. „Und sie hat auch nur einmal gezogen.“ Ein zweites Mal habe sie mit einem „Nee, nee“ abgewehrt.

Seine Nichte hatte auch anderes zu tun: Sie hatte das Drehen des Joints mit ihrem Smartphone als Video aufgenommen. Monate später kam dieses ans Licht, und ihre Familie zeigte den Angeklagten an. „Haben Sie das Video überhaupt gesehen?“, fragte der Richter. „Nein, warum? Das war ja so“, sagte der Angeklagte.

Damit überzeugte er das Gericht, dass er ehrlich reumütig war. Denn: „Auf dem Video ist nur ein Bein zu sehen“, bemerkte der Richter. Kein Gesicht. Das sei egal, sagte der Ahauser. Als die Familie seines Cousins die Vorwürfe gegen ihn erhoben habe, sei er direkt zur Polizei gegangen und habe aussagen wollen. Dort habe er alles, auch seinen Schmuggel von drei Gramm Marihuana und Haschisch, zugegeben.

Staatsanwald milde, aber: „Trotzdem ist das kein Kavaliersdelikt“

Soviel Ehrlichkeit hatte dem 34-Jährigen schon einen „minderschweren Fall“ in der Anklageschrift beschert. Aber auch diese hätte ein Urteil nach sich ziehen können, das im Führungszeugnis auftauchen würde. Hier ließ der Staatsanwalt aber Gnade walten. Im Gesamtkontext und im Vergleich zu anderen Fällen würde ein solches Strafmaß nicht passen, befand er und schlug vor, das Verfahren wegen Drogenschmuggels einzustellen. Er beantragte für den „Zug am Joint“ der Nichte eine Geldstrafe von 1800 Euro. „Trotzdem ist das kein Kavaliersdelikt“, betonte er.

Ahauser muss Geldstrafe in Höhe von 1800 Euro zahlen

Richter und Schöffen folgten dem „absoluten Gnadenantrag“, wie es der Richter formulierte. „Man kann es vertreten, die Mindeststrafe zu verhängen“, befand er aber, auch mit Blick auf viele strafmildernde Aspekte. Diese Strafe tauche nicht im Führungszeugnis, wohl aber im Bundeszentralregister auf, gab er dem Angeklagten mit auf den Weg. Doch dieser versicherte, keine Drogen mehr zu nehmen. Er wurde zu 90 Tagessätzen von je 20 Euro verurteilt und muss die Kosten des Verfahrens tragen. „Milder geht es nicht“, sagte der Richter.

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