16-monatige Haftstrafe: Parfümdieb wurde in Handschellen abgeführt

mlzGerichtsprozess

Drogenmissbrauch, Diebstahlkarriere, Gewaltbereitschaft – am Ende brauchte es nur zwei Fläschchen Parfüm und eine Provokation, um einen 31-jährigen Mann ins Gefängnis zu bringen.

Ahaus

, 10.07.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Fläschchen Parfüm im Wert von 169 Euro hat ein 31 Jahre alter Mann am 20. Januar 2020 aus einer Parfümerie in Ahaus gestohlen. Am Abend des gleichen Tages zettelte er in Schöppingen eine Schlägerei an. Am Freitag musste er sich für diese beiden Taten und einen weiteren Diebstahl vor dem Amtsgericht in Ahaus verantworten.

Der Mann wurde in Handschellen in den Gerichtssaal geführt, weil er schon seit Januar wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft in Münster sitzt. Vor fünf Jahren war er aus Algerien nach Deutschland eingereist und hatte dabei gegenüber Behörden verschiedene Namen und Geburtsdaten angegeben. Sein Asylantrag wurde zwischenzeitlich abgelehnt.

16 Monate Haft ohne Bewährung

Für den Parfüm-Diebstahl in Ahaus verhängte der Richter eine Einzelstrafe von sechs Monaten Haft und für die Körperverletzung in Schöppingen zwei Monate. Mit bereits vorangegangen und noch nicht verbüßten Strafen verrechnete der Richter die Einzelstrafen zu Gesamtstrafen von insgesamt 16 Monaten Haft ohne Bewährung.

Während der Angeklagte in U-Haft saß, wurde vor drei Monaten sein Kind geboren, das er bis zu Gerichtsverhandlung am Freitag noch nicht gesehen hatte. Aber auch im Gerichtssaal wollte der Mann sein Kind nicht sehen – zur Enttäuschung der Mutter, die als Zeugin aussagte und das Baby in einer Trage mitgebracht hatte.

Sie selbst hatte sich als Verlobte des Angeklagten bezeichnet. Davon wollte der Angeklagte aber nichts wissen. Ja, er wolle mit ihr zusammenleben, aber von Heiratsplänen könne keine Rede sein. Er sei ja ein Muslim und sie Christin.

Leerer Kühlschrank als Tatmotiv

Die Taten räumte der Angeklagte im Wesentlichen ein. Das gestohlene Parfüm habe er verkaufen wollen. „Weil der Kühlschrank leer war, musste ich was klauen, um Geld zu bekommen“, so der Angeklagte.

Nach dem Diebstahl und einem Streit mit seiner Freundin randalierte der Mann auf der Hauptstraße in Schöppingen, stoppte Autos und einen 43 Jahre alten Rollerfahrer, der offenbar selbst in Rauflaune war. Mit einem Kopfstoß schlug er dem Angeklagten die Nase blutig. Darauf entbrannte eine wilde Schlägerei, nach der der Angeklagte festgenommen wurde.

Der 43-jährige Zeuge, der eine klaffende Platzwunde am Kopf erlitten hatte, legte aber nach eigenem Bekunden keinen Wert auf eine Strafverfolgung des Provokateurs. „Ich hätte ihn nicht angezeigt“, sagte der 46-Jährige. Dann wandte er sich direkt an den Angeklagten: „Bleib bei deiner Freundin, zieh dein Kind groß und lass die Finger von den Drogen.“

„Ich nehme alle Drogen, die mir gefallen“

„Haben Sie ein Problem mit Drogen?“, wollte der Richter vom Angeklagten wissen. Der Angeklagte: „Ich nehme Drogen. Aber ich habe kein Problem.“ Richter: „Welche Drogen nehmen Sie denn?“ Angeklagter: „Alle die mir gefallen und die ich kriegen kann.“ Richter: „Dann haben Sie ein Problem.“

Seit fünf Jahren lebt der mutmaßlich 31-jährige Angeklagte in Deutschland. Sieben Mal ist er seither strafrechtlich in Erscheinung getreten: wegen Diebstahls, wegen schwerer Körperverletzung und wegen Raubes.

Angesichts der vielen Vorstrafen und der hohen Rückfallgeschwindigkeit unter laufender Bewährung zeichnete der Richter ein düsteres Bild: „Wenn Sie rauskommen, dann wird es weiter gehen. Ich habe heute nicht die geringste Spur von Einsicht wahrnehmen können.“

Ob der Angeklagte in Deutschland noch wieder auf freien Fuß kommen wird, ist aber fraglich. Der Richter verlängerte noch im Gerichtssaal den Haftbefehl wegen Fluchtgefahr. Nach Verbüßung der verhängten 16-monatigen Haftstrafe droht dem Angeklagten die direkte Abschiebung nach Algerien.

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