18-Jähriger schlägt 20-Jährigen in Ahaus mit Leitpfosten grün und blau

mlzAmtsgericht

Nach einer Silvesterparty drosch ein 18-jähriger Ahauser am Neujahrsmorgen mit einem Leitpfosten auf einen 20-Jährigen ein. Die Quittung dafür bekam er am Montag im Amtsgericht.

Ahaus

, 20.05.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war wohl ganz einfach nur Pech und der 20-jährige Ahauser zur falschen Zeit am falschen Ort: Nach einer Silvesterparty in Graes wurde der junge Mann am 1. Januar dieses Jahres von einem 18-jährigen Ahauser mit einem Leitpfosten grün und blau geschlagen. Sechs oder sieben Mal soll der 18-Jährige eingedroschen haben, auch als das Opfer schon auf dem Boden gelegen haben soll. Der 20-jährige Ahauser erlitt eine Gehirnerschütterung, ein blaues Auge und mehrere Blutergüsse.

Es war gegen 6 Uhr, als der 18-Jährige am Neujahrsmorgen nach der Party von mehreren Gästen „verjagt“ wurde. Der junge Mann hatte zu viel getrunken und Stress gemacht, war der Anklageschrift zu entnehmen, aus der der Staatsanwalt am Montag in der Verhandlung im Amtsgericht vortrug. „Über den Rauswurf geriet er derart in Rage, dass er an der Straße einen Begrenzungspfosten herausriss und damit zuschlug.“

Er habe in der Partyhütte „gut einen gehabt“, sagte der 18-Jährige. „Dann hatte ich Streit mit zwei Gästen.“ Die lautstarke Unterhaltung wurde vor der Tür fortgesetzt. „Die beiden kamen mit einer Eisenstange hinter mir her. Ich versteckte mich hinter einem Holzstapel, bis sie wieder weg waren.“ Den Pfahl habe er zum Selbstschutz mitgenommen.

„Blöd gelaufen“

„Als die Eisenstangen-Jungs nicht mehr zu sehen waren, haben sie an dem Geschädigten mehr oder weniger ihren Frust abgelassen“, stellte der Richter fest. „Der bekam es stellvertretend ab?“ Auf diese Frage des Richters hob der Angeklagte die Schultern und antwortete: „Blöd gelaufen.“ Trotz der damals auf der Party konsumierten 15 Becher Cola-Korn und diverser Biere hatte der 18-Jährige keinen Filmriss. „Ich kann mich an alles erinnern.“ Zum Beispiel daran, dass er sich nach der Tat in eine Taxi setzte, nach Hause fuhr und sich ins Bett legte. Mit dem Opfer unterhielt er sich einige Wochen später auf einer Party. „Ich habe mich bei ihm entschuldigt.“

Im Zeugenstand berichtete der 20-Jährige, wie er zu später Stunde nach draußen gegangen sei. „Da hatten sich einige Partygäste auf der Kreuzung versammelt und diskutierten.“ Ohne Vorwarnung sei der 18-Jährige auf ihn zugekommen und habe mehrfach mit dem Leitpfosten auf ihn eingeschlagen.

Alkoholproblem

Dass der Angeklagte kein unbeschriebenes Blatt ist, wurde dadurch deutlich, dass noch ein Berufungsverfahren gegen ihn läuft. Der 18-Jährige soll im vergangenen Jahr bei einem Schützenfest mit einem Bierkrug auf eine andere Person eingeschlagen haben. Der Angeklagte sei „ein bisschen auf der Suche nach dem, was er im Leben machen will“, erklärte der Bewährungshelfer in seinem Bericht über das Sozialverhalten des 18-Jährigen. „Das ist alles noch ein bisschen wackelig.“

Der Angeklagte habe ein Alkoholproblem, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer – so sah es auch der Richter. Das Urteil: Der 18-Jährige muss wegen gefährlicher Körperverletzung an den Geschädigten 800 Euro Geldbuße zahlen, ein Anti-Gewalt-Training absolvieren und einen Kurs besuchen, in dem er den vernünftigen Umgang mit Alkohol lernt.

Das Urteil erging nach dem Jugendstrafrecht, weil der Angeklagte zur Tatzeit gerade erst das 18. Lebensjahr vollendet hatte und noch „unreif“ sei. „Nach Erwachsenenstrafrecht würden Sie mit einem Bein im Knast stehen. Dann reden wir von mindestens sechs Monate Freiheitsstrafe“, hatte der Staatsanwalt vor der Urteilsverkündung den 18-Jährigen deutlich ins Gebet genommen.

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