200 Betonmischer-Ladungen fließen in die größte Baugrube in Ahaus

mlzAnbau an Krankenhaus

Im Fünf-Minuten-Takt rollen am Freitag die Betonmischer zur Baugrube am St.-Marien-Krankenhaus. Dort wird eine gewaltige Betonsohle gegossen, für die Material aus 200 Betonmischern fließt.

Ahaus

, 04.05.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zuerst ein paar nackte Zahlen: 1740 Kubikmeter Beton, 200 Fahrten mit insgesamt 25 Betonmischfahrzeugen, 22 Bauarbeiter, über 20 Stunden Arbeit. Dahinter steckt am Freitag das Tagwerk in der derzeit größten Ahauser Baugrube am St.-Marien-Krankenhaus.

Kurz nach 5 Uhr rollt am Freitagmorgen der erste Fahrmischer mit Beton auf der Baustelle am Krankenhaus an. Das Klinikum Westmünsterland investiert rund 12,5 Millionen Euro in einen fünfgeschossigen Anbau mit 5000 Quadratmetern Nutzfläche. Doch bevor es in die Höhe geht, muss erst einmal das Fundament gelegt werden, in diesem Fall die Sohle. „Das Besondere an dieser Baustelle ist, dass außergewöhnlich viel Beton in die Sohle gepumpt werden muss“, sagt Stefan Einck am Freitagmittag. Der 50-Jährige ist Oberbauleiter der Firma Temmink aus Vreden. Die große Menge Beton sei notwendig, um aufgrund der Bodenbeschaffenheit die Tragfähigkeit für das mehrstöckige Gebäude sicherzustellen.

200 Betonmischer-Ladungen fließen in die größte Baugrube in Ahaus

140 Tonnen Bewehrung liegen in der Baugrube. Am Freitag fließen 1740 Kubikmeter Beton darüber. © Christian Bödding

Die 1740 Quadratmeter große und einen Meter dicke Betonsohle zu gießen, das ist eine Kunst für sich. Stefan Einck erklärt, dass der Beton vorgezogen wird. Das bedeutet: Zuerst wird die unterste Schicht auf einer Länge von zehn Metern und in einer Stärke von 30 Zentimetern angelegt. Dann kommt die zweite Lage obendrauf: 7,50 Meter lang und ebenfalls 30 Zentimeter stark, dann die dritte Lage, noch fünf Meter lang und 30 Zentimeter stark. „Zum Schluss kommt die oberste Lage“, sagt Stefan Einck, dann ist die Betonsohle insgesamt einen Meter dick.

Herausforderung

Die Herausforderung: Bei dieser Arbeitsweise darf der Beton nicht älter als eineinhalb Stunden sein. Warum? „Weil sie darauf achten müssen, dass sie innerhalb von 90 Minuten den untersten Beton immer wieder ein Stück vorbetonieren, damit sich der frische Beton mit dem alten verbindet.“

Doch woher bekommt man in so kurzer Zeit so viel Beton? „Von uns“, sagt Ingo Brügging. Der 47-Jährige ist Vertriebsmitarbeiter der Firma Potthoff aus Rosendahl-Osterwick. Am Freitag begleitet er auf der Baustelle die Betonanlieferung. Schließlich ist es auch für das Unternehmen eine außergewöhnliche Baustelle. Die Firmengruppe Potthoff verfügt über mehrere Betonwerke. Am Freitag produzieren die Werke in Ramsdorf und Osterwick ausschließlich für die Krankenhaus-Baustelle.

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Besuch auf der aktuell größten Baustelle in Ahaus

Um 4.15 Uhr begannen dort am Freitagmorgen die Arbeiten. Mitarbeiter der Firma Temmink beleuchteten die Baustelle und bauten zwei Betonpumpen auf. „Der erste Beton lief um 5.15 Uhr“, berichtet Stefan Einck. Etwa acht Kubikmeter Beton passen im Durchschnitt in die von der Firma Potthoff genutzten Betonmischer. „Wir haben uns vorgenommen, pro Stunde etwa 100 Kubikmeter Beton zu verarbeiten“, sagt Stefan Einck. Die ersten vier, fünf Stunden klappt das hervorragend. Es sind sogar gut 120 Kubikmeter pro Stunde. „Aber jetzt machen die Fahrer allmählich ihre Pausen“, berichtet Einck am Mittag. „Wir werden wohl heute Nacht bis 1 oder 2 Uhr arbeiten.“ 22 Mitarbeiter sind am Freitag für das Legen der Sohle verantwortlich, gearbeitet wird in zwei Schichten. Stefan Einck ist als Oberbauleiter den ganzen Tag vor Ort.

200 Betonmischer-Ladungen fließen in die größte Baugrube in Ahaus

Im Fünf-Minuten-Takt rollt der Beton an und fließt zur Betonpumpe. © Christian Bödding

Fahrmischer um Fahrmischer rollt am Freitag hinter dem Krankenhaus zur Baustelle. Schon 200 Meter vorher geben die Fahrer an einem Kontrollpunkt die Lieferscheine ab und erhalten dafür eine Nummer: 1 oder 2. Gemeint sind die zwei Betonpumpen, zu denen sie ihre Fracht bringen.

„Die Taktung muss stimmen“, sagt Ingo Brügging. Hat der eine Mischer die Baustelle verlassen, rollt innerhalb von fünf Minuten schon der nächste rückwärts an die Pumpe. Nicht jede Firma im Münsterland habe sich an den Auftrag getraut, berichtet Stefan Einck. Schließlich gehe es um eine enorme logistische Herausforderung – für alle Beteiligten.

An Ersatz gedacht

„Die Betonfirma muss die passenden Mengen haben. Die Betonwerke dürfen nicht ausfallen und unsere Pumpen auch nicht“, nennt Stefan Einck einige wesentliche Punkte. „Sollte der Betonfluss in einem der Werke in Osterwick oder Rosendahl versiegen, steht ein drittes Werk in Rheine zur Verfügung“, erklärt Ingo Brügging. Ebenso wie die Firma Potthoff hat auch die Firma Temmink für den Fall der Fälle vorgesorgt. Stefan Einck: „Sollte eine der beiden Betonpumpen ausfallen, steht hier eine dritte als Ersatz bereit.“ Einsatzbereit ist sie innerhalb von 15 Minuten. „Der Beton darf sich nicht ausruhen. Es muss frisch in frisch weitergehen.“ Selbst ein Stromausfall ist einkalkuliert, dann werden die Maschinen per Notstromaggregat versorgt.

200 Betonmischer-Ladungen fließen in die größte Baugrube in Ahaus

Rechts ist der Beton am Freitagmittag schon glatt, links muss noch einiges verarbeitet werden. © Christian Bödding

Danach sieht es am Freitagmittag nicht aus. „Wir kommen gut voran“, sagt Stefan Einck. Gegen 14 Uhr ist die Hälfte der Sohle geschafft. Mit 25 eigenen Betonmischfahrzeugen sorgt die Firma Potthoff für einen nicht endenden Strom an Material, das sich über rund 140 Tonnen Eisenbewehrung legt. „Die Logistik war nicht ohne“, kommentiert Ingo Brügging den Aufwand. Schließlich musste all das, was es braucht, um so viel Beton herzustellen, erst einmal in die Werke geschafft werden. Sand und Kies, Splitt in verschiedenen Größen, Zement und Flugasche. „Just-in-time“ auch am Freitag; insgesamt sind gut 40 Lastwagen der Firma Potthoff an diesem Tag unterwegs.

Übers Wochenende darf der Beton ruhen; doch wird es dabei ziemlich warm, erklärt Stefan Einck und spricht von „Hydrationswärme“, die den Beton auf etwa 80 bis 90 Grad Celsius bringen. „Der Beton verliert viel Wasser und muss deshalb gewässert werden“, sagt der Experte. Bis dahin werden die Mitarbeiter wohl noch einige Schweißtropfen vergießen.

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