22-Jährige Ahauserin berichtet von Gleichgültigkeit in Jakarta

Nach den Anschlägen

Terroristen haben in der indonesischen Hauptstadt Jakarta am Donnerstag ein Einkaufszentrum und ein Café mit Sprengsätzen und Schusswaffen angegriffen. Mindestens sieben Menschen sind dabei ums Leben gekommen. Die 22-jährige Ahauserin Denise Althaus absolviert gerade ein Auslandssemester in der indonesischen Hauptstadt. Sie erzählt, dass die Menschen in der Stadt sich von der Tat kaum beeinflussen lassen.

AHAUS/JAKARTA

, 14.01.2016, 15:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
22-Jährige Ahauserin berichtet von Gleichgültigkeit in Jakarta

Denise Althaus (r.) mit Kommilitonen in Jakarta: Nach dem Anschlag von Donnerstagmorgen macht sie sich zwar Sorgen, möchte aber ihr Auslandsemester bis Ende Januar noch zu Ende führen.

Wo waren Sie, als die Anschläge passiert sind? Ich war in der Uni, die ist sieben Kilometer vom Ort der Attacken entfernt. Ich war gerade beim Lernen als ein anderer Austauschschüler zu mir kam und mich gefragt hat, ob ich das von den Bomben gehört habe. Wir haben eine Whatsapp-Gruppe, in der alle Austauschschüler sind, dort wurde viel davon erzählt. Aber man war sich nie sicher, was wahr ist oder nicht. Wir mussten in der Uni bleiben und uns von den Fenstern und dem ersten Stock fernhalten wegen den Schießereien.

Können Sie die Situation in der Uni nach den Anschlägen beschreiben? Wir saßen im Flur in der Uni und hörten eine Gruppe indonesische Mädchen lachen und quatschen, als ob sie nur denken würden: „Geil, wir haben heute keine Nachmittagskurse“. Draußen haben die Leute auch ganz normal weiter gemacht, als ob nichts gewesen wäre, die haben ganz normal weiter versucht, ihre Sachen zu verkaufen. Und manche haben nur gesagt, bitte benutzt auf Twitter nicht „#prayforjakarta“, das könnte für Angst Sorgen und die Wirtschaft von Indonesien negativ beeinflussen. Wir haben alle gedacht: Ist das jetzt wirklich deren größtes Problem? Natürlich gab’s auch Indonesier, die besorgt und traurig waren. Wie zum Beispiel meine Lehrerin, die Familie in amerikanischen Firmen hat.

Haben Sie denn schon mitbekommen, dass sich die Stimmung in der Stadt irgendwie verändert hat oder sind Sie dafür zu sehr unter sich? Ja, ich habe natürlich nur gesehen, wie es in der Uni ist, aber viele schienen unberührt zu sein. Das war wohl mit das Verstörendste für mich.

Wo sind Sie jetzt? Um 14.30 Uhr wurden alle Austauschschüler wieder zurück zu ihren Appartements gefahren.

Konnten Sie sich denn direkt zuhause melden? Und wie hat Ihre Familie reagiert? Ich habe direkt Familie und Freunden geschrieben, dass es mir gut geht, viele haben zu dem Zeitpunkt noch geschlafen oder hatten es noch nicht mitbekommen, deswegen brauchten sie sich keine Sorgen zu machen. Meine Mutter ist besorgt, vertraut aber den Antiterroreinheiten, dass alles sicher ist.

Sie werden also nicht vorzeitig abreisen? Ich werde ja schon in zwei Wochen gehen, wenn keine weiteren Attacken folgen, bleibt das auch so. Ansonsten muss ich die Situation nochmal neu abschätzen, aber ich muss hier das Semester ja auch bestehen.

Was genau machen Sie eigentlich gerade in Jakarta? Ich studiere in Enschede international Business Administration und bin seit September in Jakarta und werde am Ende des Monats nach Ahaus zurückkommen. Das ist Teil meines Studiums, ins Ausland zu gehen für ein Semester.

Haben Sie jetzt Angst vor weiteren Anschlägen? Alle meine Freunde und ich haben hier Angst vor mehr Attacken. Wir werden die nächsten Tage Einkaufszentren und öffentliche Plätze meiden. Ich habe aber besonders Angst, dass unsere Universität ein Ziel sein könnte.

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