24-jähriger Exhibitionist versucht dem eigenen Kindheitstrauma zu entfliehen

mlzAmtsgericht Ahaus

Dreimal hat sich ein 24-jähriger Mann aus Ahaus im vergangenen März vor Frauen in Ahaus entblößt und onaniert. Deswegen stand er am Dienstag vor dem Amtsgericht.

Ahaus

, 16.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Schlossgarten und an der der Ostlandstraße hatte der Mann im vergangenen März die Hose runtergelassen und vor insgesamt fünf Frauen onaniert. Nicht zum ersten Mal.

„Ich weiß von dem Tag selbst kaum noch etwas“, sagte der 24-Jährige. Weil er selbst als Elfjähriger vergewaltigt worden sei, leide er unter einem Posttraumatischen Stresssyndrom. Einen Platz in einer Therapie habe er bisher nicht bekommen. Deswegen greife er immer wieder zu Alkohol und Drogen. So wohl auch an diesem Tag im März.

Pauschales Geständnis reicht dem Richter nicht

„Es tut mir leid, ich gebe das alles zu.“ So pauschal mochte der Richter das Geständnis aber nicht annehmen. „Wenn Sie nichts dazu sagen, muss ich die fünf Frauen vernehmen“, erklärte der Richter. Er wollte die einzelnen Vorwürfe separat erläutern. Der Angeklagte nickte und räumte dann die einzelnen Taten ein. Die fünf Frauen mussten nicht aussagen.

Kein Therapieplatz zu bekommen

Mit einer Therapie sei er natürlich einverstanden, erklärte der Angeklagte dem Richter. Um die habe er sich selbst auch schon gekümmert. Nur bisher habe er schlicht keinen Platz erhalten. In der kommenden Woche lasse er sich erst ins Krankenhaus einweisen und wolle von dort eine Traumatherapie beginnen.

Das ging auch aus dem Bericht der Bewährungshelferin des einschlägig Vorbestraften hervor. Dreimal war er zu Geldstrafen wegen exhibitionistischer Handlungen verurteilt worden. Einige weitere Male wegen Besitz von Betäubungsmitteln. „Ich habe immer diese Tat, die mir als Kind passiert ist, im Kopf. Dann knalle ich mich mit Drogen weg und dann mache ich das“, erklärte der 24-Jährige sein Verhalten. Auch drei Ausbildungen habe er wegen seines psychischen Zustands abgebrochen. Eine Arbeit als angelernter Metallbauer habe er verloren. Seit eineinhalb Jahren sei er nun arbeitslos.

Drogenentwöhnung bringt Trauma ans Licht

Trotz allem sah die Bewährungshelferin in ihrem schriftlichen Bericht eine positive Prognose für den jungen Mann – vorausgesetzt er bekommt einen Therapieplatz zur Bewältigung seines Traumas. Seine Vorgeschichte sei erst in einer Drogenentwöhnungstherapie ans Licht gekommen. Zu der war er zuvor verurteilt worden. Inzwischen sei er jedoch wieder rückfällig.

Das alles zog der Richter bei eseinem Urteil mit ins Kalkül. Am Ende stand eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung. Außerdem muss der Mann 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten und sich in ambulante oder stationäre Behandlung begegeben. „Das alles funktioniert aber nur, wenn Sie zukünftig keine Straftaten mehr begehen“, schärfte der Richter ihm zum Schluss der Verhandlung noch ein. Der 24-Jährige nickte da nur noch.

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