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29 Interessierte für das Wohnen im Tiny House gibt es in Ahaus

mlzTiny House

In Ahaus dominiert das Einfamilienhaus. Doch es gibt Alternativen, eine davon ist das Tiny House, ein Kleinhaus. 29 Interessierte für diese Art des Wohnens in Ahaus gibt es.

Ahaus

, 10.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Die Not ist groß in Sachen Wohnen in Ahaus. Vor allem für Singles und untere Einkommensschichten fehlt bezahlbarer Wohnraum. Das ist immer wieder Credo in den lokalpolitischen Debatten, das merkten auch etliche Teilnehmer unseres Ortsteil-Checks in Ahaus an. Am Donnerstag soll nun im Ausschuss für Stadtentwicklung (19 Uhr im Rathaus) ein erster Schritt gegangen werden, die Wohnungsnot in Ahaus zu lindern.

Zurück geht das auf einen Antrag der UWG-Fraktion vom Dezember 2018. Sie regte damals an, in Ahaus eine neue Form des Wohnens zu ermöglichen: Tiny Houses. Das sind sogenannte Klein(st)häuser in Größen zwischen 30 und 60 Quadratmetern. Es gibt sie als mobile Variante, ähnlich einem Wohnwagen, und fest mit dem Erdboden verbunden. Beide Varianten sind mit allem ausgestattet, was auch in einem herkömmlichen Wohnhaus zu finden ist: Bereiche zum Wohnen und zum Schlafen, eine Küche, ein voll ausgestattetes Bad und ausreichend Stauraum.

Tiny Houses in Steinfurt und Warendorf

In verschiedenen Städten im Münsterland gibt es schon Bestrebungen, solche Tiny Houses zu ermöglichen. In der Kreisstadt Steinfurt will Landwirt Dirk Köninck auf seinem Hof, auf dem schon das Campen möglich ist, Tiny Houses aufstellen. In Warendorf haben die Freien Wähler Ende 2018 einen Antrag gestellt, eine Mini-Haus-Siedlung anzulegen. Noch weiter ist die Stadt Dortmund. Dort hat die Lokalpolitik Mitte März ein Pilotprojekt gestartet: Der Wohnausschuss beauftragte die Stadtverwaltung, auf einem geplanten Neubaugebiet – 16.000 Quadratmeter groß – Flächen für „Tiny Einfamilienhäuser“ zu planen. Die Stadtverwaltung Dortmund rechnet, dass für ein Tiny House insgesamt etwa 150 Quadratmeter Fläche benötigt werden.

29 Interessensbekundungen

Als „durchaus interessanten Gedanken“ sieht Walter Fleige, Stadtplaner in Ahaus, die Wohnform Tiny Houses. Die Stadtverwaltung fragte vor Kurzem das Interesse an solchen Wohnmöglichkeiten in Ahaus per Internet ab. Das Ergebnis: bis zum 2. April gab es 29 Interessensbekundungen. „Das heißt aber nicht, dass es tatsächlich einen Bedarf gibt“, schränkt der Stadtplaner im Gespräch mit unserer Redaktion ein. Interessant sein könnten solche Kleinhäuser aber zum Beispiel für ältere Menschen, die bereit seien, ihre Wohnung aufzugeben, weil sie sie in dieser Größe nicht mehr benötigen.

Zu groß ist das eine, zu teuer das andere. Können sich Durchschnittsverdiener das Wohnen in Ahaus noch leisten? „Als Mittelzentrum sind wir teurer als Heek“, antwortet Walter Fleige. Die Haus- und Wohnungspreise seien ein Spiegelbild der Attraktivität einer Stadt. „In attraktiven Städten ist das Wohnen teurer.“ Das kenne man aus den Großstädten. Es sei nun einmal so, dass die Menschen gerne „etwas städtischer“ wohnen möchten. Möglich ist das in Ahaus in absehbarer Zeit auch im Baugebiet Hoher Kamp West (2. Abschnitt), das gerade erschlossen wird. Dort entstehen 170 Baugrundstücke, davon 112 Grundstücke für die in Ahaus vorherrschende Wohnform: das Einfamilienhaus. Hinzu kommen Doppelhaushälften (36) und Reihenhäuser (22).

Sozialer Wohnungsbau

„Aber daneben gibt es auch noch andere Wohnformen, die bedient werden müssen“, erläutert Walter Fleige. „In diesem Bereich haben wir nur bedingt Einfluss.“ Der Stadtplaner berichtet, dass die Stadt zwei Grundstücke für den Sozialen Wohnungsbau auf den Markt geworfen habe. „In Graes hat kein Investor angebissen. In Ahaus, an der Parallelstraße, ist der Investor wieder abgesprungen.“ Sozial geförderter Wohnungsbau, das scheint in Ahaus kein Thema zu sein. Das mag auch daran liegen, dass die Renditeaussichten aufgrund der Mietpreisbindung längst nicht denen der frei finanzierten Wohnungen entsprechen.

„Allerdings habe ich schon den Eindruck, dass wir bei den Mieten, die verlangt werden, an Sättigungsgrenzen stoßen.“
Walter Fleige, Stadtplaner

„Es ist schwierig, zurzeit unter den gegebenen Marktbedingungen Investoren für den Sozialen Wohnungsbau zu begeistern.“ Das sei in der Tat ein Problem. „Und das liegt vielleicht auch daran, dass ich im frei finanzierten Wohnungsbau vieles noch am Markt platzieren kann“, erklärt Walter Fleige. „Allerdings habe ich schon den Eindruck, dass wir bei den Mieten, die verlangt werden, an Sättigungsgrenzen stoßen.“ Ob demnächst vergleichsweise überteuerte Wohnungen in Ahaus leer stehen? „Ich weiß es nicht“, antwortet der Stadtplaner.

Flächenbedarf

Ebenso ungewiss ist die Zukunft der Tiny Houses in Ahaus. Die Verwaltung schlägt dem Ausschuss für Stadtentwicklung erst einmal vor, in den anstehenden oder laufenden Planungen für neue Einfamilienhausgebiete eine Fläche für Klein(st)häuser an geeigneter Stelle auszuweisen. Sollte sich herausstellen, dass die bislang 29 Interessensbekundungen über diesen Status nicht hinausgehen, könnte die Fläche durch geänderte Parzellierung auch mit Ein- und Zweifamilienhäusern bebaut werden.

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