30-jähriger Ahauser mit langer Vorstrafenliste will es noch mal mit Therapie versuchen

mlzAmtsgericht Ahaus

Mit 1,29 Gramm Amphetamin hat die Polizei einen 30-jährigen Ahauser im Auto angehalten. Der Drogenfund ist dabei aber bestenfalls die Spitze des Eisbergs.

Ahaus

, 28.01.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit 1,29 Gramm Amphetamin in der Tasche wurde ein 30-jähriger Ahauser im Juni 2019 von der Polizei angehalten. Eigentlich eher eine Lappalie, doch gleichzeitig auch nur die letzte Station in einem Leben voller Straftaten. Die brachte den Mann am Montag erneut vor das Amtsgericht Ahaus.

Seit 2003 gerät er immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt: Neun Mal stand er seither vor Gericht, unter anderem wegen Körperverletzung, Betäubungsmitteln und illegalem Waffenbesitz. Mehrfach wurde er auch bereits zu Haftstrafen verurteilt. Aktuell steht noch eine viermonatige Haftstrafe zur Bewährung aus.

Schwere Handverletzung nach Autounfall

Bei einem Autounfall 2016 hatte er sich als Beifahrer eine schwere Handverletzung zugezogen. Davon habe er sich bis heute nicht erholt, leide immer noch unter starken Schmerzen. „Morphium wirkt bei mir einfach nicht“, erklärte er vor Gericht. Deswegen greife er zu illegalen Drogen. Für drei Monate sei ihm auch schon THC-Öl verschrieben worden. Der Cannabis-Wirkstoff wird Schmerzpatienten in seltenen Ausnahmefällen auch in Deutschland verschrieben.

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Das Öl wurde ihm aber wieder gestrichen. Wohl wegen seiner bisherigen Drogenkarriere: In der Vergangenheit habe er massive Probleme mit Alkohol und härteren Drogen gehabt. In Spitzenzeiten habe er bis zu sechs Flaschen Schnaps am Tag getrunken. „Ich hab einen Knall weg“, räumte er vor Gericht ein.

Amtsarzt bestätigt Arbeitsunfähigkeit

Auch psychisch habe er massive Probleme, komme mit Druck oder Stress nicht klar. Seit dem Autounfall sei er außerdem nicht arbeitsfähig. Das wurde ihm auch von einem Amtsarzt so bestätigt.

Richter, Vertreter der Staatsanwaltschaft und Verteidiger waren am Montag sichtlich bemüht, eine Lösung für den Mann zu finden. „Es bringt ja nichts, wenn wir hier Bewährungsstrafe auf Bewährungsstrafe summieren“, erklärte der Vertreter der Staatsanwaltschaft.

Auch die Bewährungshelferin des Mannes sagte, dass er sich trotz allem weiterentwickelt habe. Allerdings sei er für eine Therapie immer noch nicht ausreichend motiviert. Auch das führe zu seiner Arbeitsunfähigkeit.

Geldstrafe und Therapie statt Haft

Für den Drogenbesitz verurteilte ihn der Richter zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je zehn Euro. Die Auflage der vorherigen Bewährungsstrafe wird umgewandelt: Statt Arbeitsstunden soll er sich erneut in Therapie begeben. „Uns soll es recht sein, wenn Sie auf Dauer mit den richtigen Medikamenten eingestellt sind, und so keine Straftaten begehen“, erklärte der Richter.

„Eine Therapie bringt mir nicht viel“, erklärte der Angeklagte und winkte ab. Doch er werde es gern nochmal versuchen. Das rieten ihm Richter und der Vertreter der Staatsanwaltschaft eindringlich.

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