37-jähriger Ahauser verkaufte Marihuana vor der Haustür

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In Enschede kaufte ein 37-jähriger Ahauser monatelang Drogen ein, in Ahaus verkaufte er sie weiter – und wurde am Gewinn beteiligt. Erst nach einer Hausdurchsuchung war damit Schluss.

Ahaus

, 12.05.2020, 16:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Fast wöchentlich fuhr ein 37 Jahre alter Ahauser zwischen Dezember 2018 und Juni 2019 nach Enschede. Das Ziel: die Wohnung eines Niederländers. Dort kaufte der Ahauser in insgesamt 23 Fällen Betäubungsmittel – jeweils bis zu 100 Gramm Marihuana für 800 Euro.

In Ahaus verkaufte der 37-Jährige die Drogen abgepackt in kleinen Beuteln zu jeweils ein bis fünf Gramm. Schluss damit war erst nach einer Hausdurchsuchung im Juni vergangenen Jahres. Bei dem Ahauser stellte die Polizei 168,9 Gramm Marihuana sicher, zusätzlich noch eine Feinwaage und zwei Mobiltelefone.

Vor dem Ahauser Schöffengericht musste sich der 37-Jährige wegen der Einfuhr und des Handelns mit Drogen verantworten. Laut Anklageschrift erlangte der Mann insgesamt 1,76 Kilogramm Marihuana im Gesamtwert von 17.600 Euro.

Seit Jahren Drogenkonsument

„Das ist im Grunde so richtig, bis auf Kleinigkeiten“, sagte der Angeklagte, nachdem der Staatsanwalt die Anklageschrift vorgetragen hatte. Die 17.600 Euro habe ich nicht gesehen, das wäre schön gewesen.“

Der Ahauser gab zu, seit etlichen Jahren Drogen zu konsumieren. Früher habe er monatlich 300 Euro für Marihuana ausgegeben. „Dann kam man auf mich zu, ob ich nicht den Job eines anderen übernehmen wolle“, begann der Ahauser, ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Sein Vorgänger als Drogenverkäufer in Ahaus habe eine Gefängnisstrafe antreten müssen. „Da hat mich dann der Holländer angesprochen, ob ich nicht am Gewinn partizipieren möchte.“ Mehr über seinen Vorgänger und den Hintermann wollte der Ahauser vor Gericht allerdings nicht preisgeben. „Ich weiß nicht, ob das so gut für mich wäre.“

Der Angeklagte schilderte, dass er jedes Mal in der Wohnung des Holländers in Enschede die Ware in Empfang genommen habe. „Ich durfte von 100 Gramm jeweils 20 Gramm als Eigenbedarf behalten und pro verkauften 100 Gramm gingen 50 Euro an mich. Den Rest bekam der Holländer.“

In Ahaus verkaufte der 37-Jährige demnach jeweils 80 Gramm zum Grammpreis von zehn Euro. „750 Euro gingen also an Ihren Lieferanten, 50 Euro behielten Sie ein“, rechnete der Staatsanwalt dem Angeklagten vor.

Zum Kundenkreis in Ahaus hielt sich der 37-Jährige bedeckt. „Das waren teilweise Bekannte.“ Seine Kunden habe er von seinem Vorgänger übernommen. „Ich bekam eine Handykarte mit Kontakten. Die Käufer kannten die Nummer.“ Wer denn nun sein Geschäft in Ahaus übernommen habe, wollte der Richter wissen. Die Antwort des 37-Jährigen: „Ich weiß nicht, wer jetzt in Ahaus rumrennt.“

Keine Ausbildung, keinen Job

Es kümmere ihn auch nicht – denn vor allem müsse er sich tagtäglich um die Pflege eines Familienmitgliedes kümmern, in dessen Haus er wohne. Eine Ausbildung oder einen Job konnte der 37-Jährige dem Gericht auf Nachfrage nicht vorweisen.

Sehr zum Ärger des Staatsanwaltes erklärte der Angeklagte: „Ich kann sowieso nicht verstehen, dass der Konsum von weichen Drogen in Deutschland so negativ bewertet wird.“

Bei solchen Aussagen sei es schwierig, noch zu einer Bewährungsstrafe zu kommen, sagte der Richter. „Gehen Sie zur Drogenberatung, damit es aufhört.“ Zuvor hatte der Ahauser freimütig zugegeben, auch nach der Hausdurchsuchung und trotz des Verfahrens weiter Drogen zu konsumieren.

„Sie hatten einen illegalen Vollzeitjob, sind nach Holland gefahren und haben die Drogen in Ahaus verkauft“, sprach der Staatsanwalt die „berufliche“ Seite im Leben des Angeklagten an. „Auf der anderen Seite sagen Sie, sie können nicht Vollzeit arbeiten, weil sie einen Familienangehörigen pflegen müssen. Würden Sie Vollzeit arbeiten, kämen Sie gar nicht mehr auf den Gedanken, Drogen zu verkaufen. Sie reden sich hier um Kopf und Kragen.“

Vollzeit sei das keineswegs gewesen, blieb der Angeklagte keine Antwort schuldig. „Ich bin für die Drogenübergabe immer nur kurz raus aus dem Haus. Das haben wir mehr oder weniger vor der Haustür gemacht.“

„Professionelles Vorgehen“

Danach gab es keine weiteren Fragen mehr. Der Staatsanwalt sagte in seinem Plädoyer, für den Angeklagten spreche, dass er nicht vorbestraft sei und es sich um weiche Drogen gehandelt habe. „Für ihn spricht auch, dass er sich um einen Familienangehörigen kümmert. Gegen ihn spricht sein professionelles Vorgehen.“

Der 37-Jährige habe ein Geschäft und eine Kundenkartei in Form eines Handys übernommen. „Sie haben eine gewisse kriminelle Energie an den Tag gelegt“, sagte der Staatsanwalt zum Angeklagten „Und Sie haben keinerlei Angaben zum Hintermann gemacht, der Ihnen die Drogen verkauft hat.“

Bewährungsstrafe

Alles in allem könne er mit Bauchschmerzen noch so gerade eine Freiheitsstrafe zur Bewährung in Betracht ziehen, erklärte der Staatsanwalt. Er forderte für den Ahauser eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Das letzte Wort vor dem Urteilsspruch hatte der Angeklagte: „Ich wusste, worauf ich mich einlasse. Ich werde annehmen, was hier beschlossen wird.“ Nach kurzer Beratung mit den Schöffen folgte der Richter in seinem Urteil dem vom Staatsanwalt geforderten Strafmaß.

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