75-Jährige soll 7000 Euro für Teppichreinigung zahlen – Bank schickt sie zur Polizei

mlzWucher-Prozess

Wegen Wuchers musste sich ein 23-Jähriger vor dem Ahauser Amtsgericht verantworten. 7000 Euro wollte er für die Reinigung von Teppichen haben – dabei hat er sie nicht mal selbst gereinigt.

Ahaus

, 17.09.2019, 03:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rund 7000 Euro sollte eine 75-jährige Ahauserin für die Reinigung und Reparatur von zwei Teppichen bezahlen. Weil diese Summe fast viermal so hoch ist wie der marktübliche Preis, musste sich ein 23-Jähriger jetzt vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: Wucher.

Ohne Schulabschluss und ohne Berufserfahrung hatte sich der junge Bochumer Anfang 2018 selbstständig gemacht. „Seine Angehörigen haben ihm dazu geraten, Teppiche zu reinigen“, erklärte der Anwalt des Angeklagten. Ahnung davon hatte er jedoch nicht. „Er wusste auch nicht, wie viel man für so etwas nehmen kann“, so der Anwalt. Der 23-Jährige selbst blieb während der kompletten Verhandlung quasi stumm.

Angeklagter hat die Teppiche in eine Großwäscherei gebracht

Im April 2018 kam er zu einer 75-jährigen Ahauserin nach Hause. Laut Anklage konnte die Frau zu diesem Zeitpunkt wegen einer Infektion schlecht sehen und hören. „Das haben Sie ausgenutzt“, so die Vertreterin der Staatsanwaltschaft zum Angeklagten.

7000 Euro soll die Reparatur und Reinigung von zwei Teppichen kosten – das ist mehr, als die Teppiche wert sind. „Ja, das ist der Preis, der ausgemacht wurde“, so der Anwalt. „Aber er hat ja selber für die Reinigung auch 3213 Euro bezahlt.“ Der Angeklagte hat die Teppiche in eine Großwäscherei gebracht.

„Sie haben sie also eigentlich nur dorthin gefahren. Und dafür nehmen Sie dann mehr als das doppelte?“, wunderte sich die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. „Na, er musste ja auch Gewinn machen“, so der Verteidiger.

Bank-Mitarbeiter wird stutzig und rät zur Anzeige

Auf eine Barzahlung ging die 75-jährige Ahauserin bei einem zweiten Termin nicht ein. Trotzdem ging sie zu ihrer Bank, um einen Kredit zu beantragen. Der Bank-Mitarbeiter wurde bei der Summe stutzig und riet der Rentnerin, zur Polizei zu gehen.

Und so wurde der 23-Jährige wegen Wuchers angeklagt. Denn ein Sachverständiger hatte ermittelt, dass der marktübliche Preis bei nur rund 1800 Euro liegen würde.

Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen

Der Bochumer hat sein Unternehmen inzwischen wieder geschlossen. „Es besteht also keine Wiederholungsgefahr und es ist ja auch kein Schaden entstanden. Die Dame hat ja nicht bezahlt, obwohl die Arbeit getätigt wurde“, meinte der Anwalt. Der Richter hielt dagegen: „Es gab bestimmt weitere Kunden. Da steht eine Gewerbsmäßigkeit im Raum.“

Trotzdem ließen sich Richter und Staatsanwaltschaft auf eine Einstellung des Verfahrens ein. Allerdings nur, wenn der 23-Jährige innerhalb der nächsten fünf Monate 700 Euro an die Staatskasse überweist. Dass die Summe trotz Arbeitslosigkeit des Angeklagten so hoch ausfiel, begründete der Richter so: „Sie konnten ja auch die 3200 Euro für die Wäscherei bezahlen. Irgendwo wird also Geld sein.“

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