Im Dezember 2007 stand Redaktionsleiter Bernd Schlusemann an genau diesem Zaun und blickte auf Ground Zero. © picture-alliance/ dpa
Erinnerung an 9/11

9/11: Wo mich die Nachricht vom unvorstellbaren Terror erreichte

Genau 20 Jahre ist es am Samstag, 11. September 2021 her, dass zwei Flugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Center geflogen sind. Redaktionsleiter Bernd Schlusemann erinnert sich noch genau daran, wo ihn diese Nachricht erreicht hat.

Geht es Ihnen wir mir? Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, wo ich am 11. September vor 20 Jahren war. 9/11 hat sich bei mir eingebrannt wie fast kein anderer Tag.

11. September 2001. Urlaub! Familienhotel auf Ibiza. Unsere Älteste war nicht aus dem Wasser zu bekommen. Unsere Jüngste brachte Tom, den Betreuer des Miniklubs, zur Verzweiflung. Irgendwann stand Tom am Zaun, schnappte nach Luft und ließ die Kinder toben.

Fast 3.000 Tote

  • Bei den beispiellosen Terroranschlägen in New York wurden am 11. September 2001 zwei entführte Passagiermaschinen in die Türme des World Trade Centers (WTC) in New York gelenkt.

  • Die Zahl der Todesopfer durch den Anschlag wird auf knapp 3000 geschätzt, über 6000 Menschen wurden z.T. schwer verletzt.

  • Zum Gedenken an die Opfer wird jährlich am 11. September das Tribute in Light („Ehrerbietung in Licht“) ausgerichtet. Dabei werden die Umrisse der Zwillingstürme als Lichtsäulen am Abend- und Nachthimmel nachgebildet.

Das war die Situation, als meine Frau aus unserem Appartement kam und berichtete, dass ein Turm des Word Trade Centers brennt. Ein Flugzeug sei hineingeflogen. „Wahrscheinlich ein Terroranschlag“ – ergänzte sie.

Das Unvorstellbare war geschehen

Ich wollte es nicht glauben, tippte auf einen sehr realitätsnahen Katastrophenfilm. So unvorstellbar war damals so ein Szenario für mich. Nach 9/11 weiß ich: Nichts ist mehr undenkbar.

Wir haben unsere Kinder eingesammelt und sind zum nächsten Fernseher in die Lobby des Hotels. Dort standen die Urlauber in mehreren Reihen und blickten gebannt, ja eher fassungslos auf den Bildschirm an der Wand.

Zu diesem Zeitpunkt war bereits eine weitere Maschine in den zweiten Turm der Wolkenkratzer eingeschlagen. Bilder, die man auch nach 20 Jahren noch vor Augen hat. Und: Die etwa 50 Menschen blickten schweigend auf den Monitor. Ein entsetztes „Nein“ oder ein „Das gibt es doch nicht“ waren höchstens zu hören.

Ereignisse, die an diesem Tag fast untergegangen sind

Bei der Berichterstattung über die sich in New York überschlagenden Ereignisse gingen der Flugzeugeinschlag ins Pentagon, etwa eine halbe Stunde, nachdem der zweite Turm des WTC brannte, und der Absturz einer weiteren, entführten Maschine bei Shanksvill, die auf dem Weg nach Washington war, fast unter.

Irgendwann gingen wir mit unseren Kindern zurück ins Appartement. Abendessen – da war uns nicht nach. Für die Kinder gab es etwas aus dem Kühlschrank.

In der kleinen Wohnung blieb der Fernseher bis tief in die Nacht an. Unsere älteste Tochter wollte irgendwann wissen, was denn passiert sei. Warum wir so gebannt auf den Fernseher schauten.

Wie das einer Sechsjährigen erklären?

Wie erkläre ich einer Sechsjährigen, dass die Bilder, die uns aus New York erreichten zeigen, dass dort gerade viele, im Nachhinein waren es rund 3000 Menschen, umgekommen sind? Und das so sinnlos.

Fünf Jahre später standen meine Frau und ich mit unseren Kindern an dem Zaun, der uns vom Ort des Terroranschlags trennte. Am Zaun hingen Blumen und Fotos von so vielen Opfern. Briefe von Kindern, die ihren Vater oder ihre Mutter verloren hatten, flatterten im Wind, machten die vielen Schicksale des 11. September 2001 deutlich.

Bagger machten Lärm, es wurde neu aufgebaut. Den Lärm haben wir fast nicht wahrgenommen. Er wurde ausgeblendet durch die immer noch vorhandene Fassungslosigkeit der Menschen um uns herum, die durch das Geflecht des Zauns auf Ground Zero schauten. Ein Tag, der an uns nicht spurlos vorbei gegangen ist und bis heute Eindruck hinterlässt.

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Redaktion Ahaus
Hat Spaß an lokaler Berichterstattung auf Augenhöhe des Lesers und schreibt gern über Themen, die die Menschen in der Region berühren.
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Bernd Schlusemann

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