Ärzte warnen vor Gefahren der Sonnenfinsternis

Keine Schutzbrillen erhältlich

Am Freitagmorgen verdunkelt sich die Sonne. Ab 9.30 Uhr wird sich der Mond zwischen Erde und Sonne schieben. Gegen 10.45 Uhr erreicht das Phänomen seinen Höhepunkt: In Ahauser Breiten wird die Sonne bis zu 80 Prozent verdeckt sein. Viele Ahauser werden dass Schauspiel aber nicht sehen können – oder riskieren eine Augenverletzung: Denn Schutzbrillen sind kaum zu bekommen.

AHAUS

, 18.03.2015, 16:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
Saif und Dominik sowie die restliche Physik-AG am Alexander-Hegius-Gymnasium bereiten ein Modell vor, um die Sonnenfinsternis in der Aula zu erklären. Auch sie haben keine Schutzbrillen mehr bekommen.

Saif und Dominik sowie die restliche Physik-AG am Alexander-Hegius-Gymnasium bereiten ein Modell vor, um die Sonnenfinsternis in der Aula zu erklären. Auch sie haben keine Schutzbrillen mehr bekommen.

Bei den Ahauser Optikern bietet sich gestern überall das gleiche Bild: Ende vergangener Woche häuften sich plötzlich die Anfragen nach den Brillen. „Wir haben noch versucht, Brillen zu bestellen“, sagt Melanie Greifeld von Apollo Optik. So kurzfristig sei eine Lieferung aber nicht mehr möglich gewesen. Über 30 Kunden hätten allein gestern Vormittag nach den Brillen gefragt. Ein Eindruck, den die anderen Optiker in der Innenstadt so bestätigen. Nur bei Fielmann wusste man vorab von der Sonnenfinsternis. Dort wurde jedoch zentral entschieden, die Brillen nicht ins Programm zu nehmen. „Weil die angebotenen Brillen nicht den geforderten Qualitätsstandard entsprochen haben“, sagt gestern eine der Augenoptikerinnen dort. Dazu habe es eine interne Mitteilung gegeben.

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Brillen ausverkauft

Rita Bohmert, Augenoptikermeisterin bei Brillenmacher Richter auf der Bahnhofstraße, sieht das Problem nicht, kann aber trotzdem nicht mehr mit Brillen dienen. „Wir hatten 100 Stück auf Lager. Die waren aber schon letzte Woche ausverkauft“, sagt sie gestern am Telefon. Sie glaubt nicht, dass Sonnenfinsternis-Fans jetzt noch irgendwo Brillen bekommen können.

Von Nachfrage überrascht

Die Ahauser haben es aber nicht nur bei den Optikern probiert: Auch bei Foto Erhardt – immerhin auch ein Geschäft, das auch optische Systeme anbietet – wurde nach den Brillen gefragt. „Wir hatten am Freitag den ersten Schüler hier, der eine Brille für die Sonnenfinsternis haben wollte“, sagt Manja Heine. Vorher habe sie gar nichts von dem kommenden Naturschauspiel gewusst. Sie sei davon komplett überrascht worden. Bis zur Sonnenfinsternis am Freitagmorgen kann sie den Ahausern aber keine großen Hoffnungen mehr machen. „Jetzt noch Brillen zu bekommen, wird sehr schwierig“, sagt sie. Vielleicht noch über das Internet, fügt sie noch hinzu.

Auch online vergriffen

Doch selbst beim Onlinehändler Amazon gibt es am Mittwoch keine Brillen mehr zu bestellen. „Kurzfristig vergriffen“, heißt es dort. Auf der Auktionsplattform Ebay gibt es noch ein paar Brillen – zu sprichwörtlich astronomischen Preisen: Bis zu 60 Euro werden dort für eine Brille verlangt, die von den Optikern auch schon einmal kostenlos abgegeben wurden.

Warnung vor Provisorien

Doch bei aller unbefriedigten Nachfrage: Unisono raten alle Fachleute davon ab, mit selbst gebastelten Schutzbrillen, Schweißschirmen, Sonnenbrillen, Fotofiltern oder ähnlichen provisorischen Lösungen in die Sonne zu blicken. „Davon würde ich komplett die Finger lassen“, sagt Dr. Stefanie Schmickler, Geschäftsführerin des Augen-Zentrums Nord-West. Durch die intensive Bündelung der Sonnenstrahlen während der partiellen Sonnenfinsternis könne es zu Verbrennungen und Narbenbildung auf der Netzhaut kommen. „Dagegen helfen nur zertifizierte Filter“, sagt sie. Besonders gefährlich: Eine schwere Schädigung des Auges fällt erst auf, wenn es schon viel zu spät ist. Mitunter erst nach mehreren Stunden.

Aus Sicht der Ahauser Augenärzte hat sie eine Hoffnung für Freitag: „Ich wünsche mir viele Wolken und im besten Fall Regen. Dann haben die Augenarzt-Notdienste am Samstag weniger zu tun“, sagt sie.

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