Ahauser Autohändler hofft auf E-Auto-Boom: Strohfeuer oder echte Hilfe?

mlzKonjunkturpaket

Mit „Wumms“ möchte Finanzminister Olaf Scholz aus der Krise kommen. Auch die Autobranche soll vom Konjunkturpaket profitieren. In Ahaus freut man sich über „ein positives Signal“.

Ahaus

, 19.06.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Mittwochmorgen geht es verhalten zu im Verkaufsbereich bei BMW Boomers in Ahaus an der Wüllener Straße. Nur ein paar Kunden mit Mundschutz schlendern durch die Halle und werfen einen Blick auf die neusten Modelle. Jens Feldkamp, der bei Boomers für das Marketing zuständig ist, bestätigt den subjektiven Eindruck: „Im Moment ist es noch sehr ruhig.“

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Noch. Denn wie in der gesamten Branche ruhen auch beim BMW-Händler die Hoffnungen auf dem in der vergangenen Woche verabschiedeten Konjunkturpaket. Um den Bereich der Elektromobilität zu fördern, hat die Bundesregierung zum Beispiel beschlossen, den staatlichen Umweltbonus von bisher maximal 3000 Euro auf 6000 Euro zu erhöhen. Mit „Wumms“ aus der Krise, wie es es Finanzminister Olaf Scholz angekündigt hat. „Wir sind froh über dieses positives Signal aus der Politik“, sagt Feldkamp.

Förderung von Verbrennungsmotoren gestrichen

Dass die lange diskutierte Förderung für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren letztlich aus umweltpolitischen Gründen gestrichen wurde, akzeptiert man beim Ahauser Autohändler ohne zu murren. „Es ist zunächst einmal wichtig, dass die Branche insgesamt vorankommt. Der Bereich Elektromobilität ist für uns nicht neu. Wir sind mit unseren Autos auf diesem Markt gut vertreten“, so Feldkamp.

Auch Plug-in-Hybride werden durch das Konjunkturpaket gefördert.

Auch Plug-in-Hybride werden durch das Konjunkturpaket gefördert. © Johannes Schmittmann

Mit Prognosen, wie stark die Nachfrage durch das Konjunkturpaket steigen könnte, hält er sich aber noch zurück – aus einem einfachen Grund. „Alles, was wir bisher wissen, haben wir fast ausschließlich aus den Medien. Auf offiziellem Wege hat uns noch nichts erreicht. Die Branche wartet gespannt auf etwas Spruchreifes.“

Maximale Förderung beträgt 9000 Euro

Klar scheint aktuell, dass nur rein batterie-elektrisch angetriebene Autos mit einem Listenpreis bis 40.000 Euro die maximale Förderung von 9.000 Euro erhalten. 3.000 Euro zahlt davon wie bisher der Hersteller, 6.000 Euro zahlt der Staat. Bei sogenannten Plug-in-Hybriden beträgt die maximale Förderung 6750 Euro.

„Wenn man sich überlegt, dass zum Beispiel der elektrische Minicooper SE einen Listenpreis von 32.500 Euro hat, ist die Ersparnis von knapp 10.000 Euro am Ende schon eine Ansage“, erklärt Jens Feldkamp. Lieferprobleme, wie sie andere Hersteller derzeit haben, gebe es aktuell nicht.

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Ein zusätzlicher Anreiz – der auch die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren trifft – ist der gesenkte Mehrwertsteuersatz ab dem 1. Juli. „Wir hoffen, dass die Nachfrage nach den schwierigen Monaten insgesamt steigt“, so Feldkamp. Die Sorge einiger Experten, dass es sich bei den Maßnahmen nur um ein Strohfeuer handelt, teilt er nicht.

„Keine klassische Abwrackprämie“

„Es handelt sich dabei ja um keine klassische Abwrackprämie wie nach der Finanzkrise 2009. Außerdem waren bei uns als BMW-Händler die Schwankungen auch nicht so stark wie im Kleinwagen-Segment. Dort hat man zunächst stark profitiert, später ist die Nachfrage aber genauso drastisch eingebrochen. Bei uns waren die Differenzen geringer“, berichtet Feldkamp.

Sehr positiv sieht er die Pläne der Bundesregierung, gleichzeitig das Netz der Ladesäulen in Deutschland auszubauen. Laut neusten Berichten plant Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), rund 500 Millionen Euro für den Aufbau privater Ladesäulen zu investieren. Der Boomers-Marketing-Chef sagt: „Das ist das richtige Zeichen. Wenn wir Elektromobilität fördern wollen, müssen die Fahrzeuge auch flächendeckend geladen werden können. Nur so wird daraus ein zukunftsfähiges Paket.“ Nun heißt es aber erst einmal warten auf Nachrichten von offizieller Stelle.

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