291 Personen aus Ahaus und Umgebung wurden am vergangenen Samstag in der Halle des Tennisclubs Grün-Weiß Ahaus geimpft. Der Ahauser Gynäkologe Rafeeq Abu Shahrour hatte die Aktion dort zusammen mit Ehrenamtlichen des Tennisclubs organisiert. © TC Grün-Weiß Ahaus

Ahauser Gynäkologe impft an einem Tag 291 Menschen in Tennishalle

291 Menschen hat der Ahauser Gynäkologe Rafeeq Abu Shahrour am vergangenen Samstag in Ahaus gegen das Coronavirus geimpft – in einer Tennishalle. Ein glücklicher Zufall.

Für Rafeeq Abu Sharour war es selbst eine große Überraschung. Plötzlich hieß es, dass er eine Lieferung von über 270 Impfdosen des Herstellers Johnson & Johnson bekomme. „Normalerweise bekommen wir bis zu 50 Impfdosen“, sagt er. Das sei an einem Tag in der kleinen Praxis an der Forckenbeckstraße auch gut zu handhaben. Auch 60 Impfdosen könnten von morgens bis nachmittags gut verabreicht werden. Aber über 270?

Die große Menge stellte ihn und sein Team vor ein noch größeres Problem: Wie sollen so viele Leute in so kurzer Zeit in der Praxis versorgt werden? Die entscheidende Idee kam bei einer Tasse Espresso in der Pizzeria Castello an der Tennishalle des TC Grün-Weiß Ahaus.

Rafeeq Abu Shahrour hatte zusammen mit seinen Angestellten Marina Halfer (l.), Lea Semme und Anke Korten (fehlt auf dem Foto) die Aktion durchgezogen. In den Praxisräumen an der Forckenbeckstraße hätte er in so kurzer Zeit niemals so viele Impflinge versorgen können.
Rafeeq Abu Shahrour hatte zusammen mit seinen Angestellten Marina Halfer (l.), Lea Semme und Anke Korten (fehlt auf dem Foto) die Aktion durchgezogen. In den Praxisräumen an der Forckenbeckstraße hätte er in so kurzer Zeit niemals so viele Impflinge versorgen können. © Stephan Rape © Stephan Rape

„Ich hab die große Halle gesehen und gedacht, das könnte passen“, sagt Rafeeq Abu Sharour. Wenige Telefonate später stand die Aktion.

Tennisclub steht sofort mit Halle und Ehrenamtlichen bereit

„Natürlich haben wir sofort geholfen“, erklärt der Vorsitzende des Tennisclubs Christoph Börsting. Auch mit Ehrenamtlichen, die das Praxisteam am Impftag unterstützt haben. Etwa bei der Begrüßung der Impflinge, beim Catering oder bei der Organisation.

Für Rafeeq Abu Sharour ging da der eigentliche Trubel aber erst los. „Per Facebook habe ich auf die große Menge an Impfstoffen hingewiesen“, sagt er. Nur wenige Minuten später habe das Telefon nicht mehr still gestanden, bis die Anlage schließlich komplett zusammenbrach.

Viel Platz in der Tennishalle: Die Impftermine, die Rafeeq Abu Shahrour am Samstag vergeben konnte, waren binnen kürzester Zeit vergeben.
Viel Platz in der Tennishalle: Die Impftermine, die Rafeeq Abu Shahrour am Samstag vergeben konnte, waren binnen kürzester Zeit vergeben. „Die Impfbereitschaft im Münsterland ist gewaltig”, urteilt der 51-jährige Gynäkologe. © TC Grün-Weiß Ahaus © TC Grün-Weiß Ahaus

Die eigentliche Impfaktion am Samstag sei dann sehr ruhig verlaufen. „Man hat fast gar nicht gemerkt, wie viele Menschen wir da durchgeschleust haben“, erklärt der Mediziner. Das sei ihm erst am Abend beim Blick auf die Unterlagen richtig klar geworden: 291 Personen konnten sich ihre Impfdosis an diesem Tag abholen und gelten jetzt als komplett geimpft. Der Impfstoff von Johnson & Johnson kommt mit einem Impftermin aus.

Pandemie ist riesiger Kraftakt für die Ärzte

Zwar hat er auch so den Mittwoch zum Impftag erklärt und legt dort keine anderen Termine hin. Dennoch sei die Pandemie ein großer Kraftakt. Vor allem wegen der Kurzfristigkeit. Sie ist es, die er besonders kritisch sieht. „Theoretisch könnten wir ja langfristig Impftermine vergeben“, erklärt er. Doch es sei eben nur wochenweise klar, wieviel Impfstoff geliefert werde. Ein immenser Verwaltungsakt. Auch das Telefon stehe kaum noch still. Der normale Praxisalltag komme fast zum Erliegen.

Ob das digital einfacher möglich wäre – etwa wie die Ahauser Augenärztin Dr. Stefanie Schmickler es bereits mit mehreren Terminen in der Disko Next vorgemacht hat? Ihm sei das zu elektronisch, erklärt der Gynäkologe. Auch analog habe es ja gut funktioniert. „Gut, natürlich mussten wir die Dokumentation am Tag nach der Impfung noch nacharbeiten“, erklärt er. Das hätte er aber ohnehin tun müssen, weil er dafür auf eine gesicherte Verbindung zur Kassenärztlichen Vereinigung zurückgreifen müsse. Und die gebe es nur von seiner Praxis aus.

Die Impfbereitschaft im Münsterland sei jedenfalls extrem hoch. Gerade bei jüngeren Menschen. „Klar, die haben ihren Sommerurlaub im Blick“, sagt er. Viele würden sogar jeden Impfstoff nehmen, den sie kriegen könnten. „Ich würde gerne mehr impfen, aber bekomme nicht genug Nachschub“, sagt er.

So viele Schwangerschaften wie noch nie in der Praxis

Ob er noch einmal so eine Massenimpfung durchziehen möchte? Genau kann er es nicht sagen. Auch das liege ja an der Liefermenge. Erst einmal müsse sein Team und er sich aber von dem Kraftakt am Wochenende erholen.

Denn der normale Praxisalltag gehe ja weiter. Und auch abseits der Impfung gibt es in der Frauenarzt-Praxis im Moment mehr als genug zu tun. „Ich bin jetzt seit zwölf Jahren hier tätig“, sagt der 51-Jährige. So viele Schwangerschaften, wie er seit dem vergangenen September verzeichnet, habe es vorher nie gegeben. „Ob man diese Kinder einmal Corona-Babys nennen wird, weiß ich natürlich nicht“, fügt er schmunzelnd hinzu.

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Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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