Günter Mehring ist ein erfahrener Psychotherapeut. Während des Corona-Lockdowns war er professioneller Gesprächspartner am Telefon. © Christiane Hildebrand-Stubbe
Psychologischer Rat

Ahauser Psychotherapeut als Corona-Krisen-Manager am Telefon

Auch nach seinem aktiven Dienst als Psychotherapeut klingelt das Telefon von Günter Mehring (81) oft. In der Corona-Krise aber noch häufiger. Ehrenamtlich hatte er seine Hilfe angeboten.

Ziemlich zu Beginn des Corona-Lockdowns hatte Günter Mehring seine Telefonnummer öffentlich gemacht. Damit wollte er, der lange Jahre als Psychotherapeut aktiv war, einen besonderen Beitrag, professionelle Hilfestellung in der Krise, leisten. Die Idee: Am Telefon ansprechbar zu sein für Menschen, die sich in einer krisenhaften Situation befinden und sich auf die Suche nach Hilfe begeben haben. Ein Angebot, das ankam.

Die meisten Anrufer waren Frauen

„Vor allem waren es Frauen, die angerufen haben“, sagt er. Und die hatten sogar häufig ähnliche Probleme. Meist seien es Schwierigkeiten in der Familie, und/oder in der Partnerschaft gewesen. „Oft berichteten sie von unzufriedenen und sogar gewalttätigen Männern“, schildert Günter Mehring. Er habe aber auch davon gehört: „Ein Frau war sehr bedrückt darüber, dass sie bei den Kindern plötzlich eine lose Hand bekommen habe.“ Eine Frau, die ihre Kinder noch nie vorher geschlagen habe.

„Ja“, sagt Günter Mehring, „die Corona-Pandemie hat die manchmal schon latent vorhandenen Probleme verstärkt und verschärft.“ Räumliche Enge, plötzliche Berufsuntätigkeit und mangelnde Abwechslung hätten sich ausgewirkt: „Mein Gefühl ist, dass Gespanntheit und Aggressivität zugenommen haben.“

Wegweiser in Krisensituationen

Mitunter aber seien es auch einfach ganz normale Ehe- oder Beziehungsprobleme gewesen, von der sich die Anrufer Rat erhofften. Nicht nur ihnen musste Günter Mehring dann klarmachen, dass er dafür nicht zuständig sei. Ohnehin waren es ja keine Therapiegespräche am Telefon, die er geführt hat. In einer Phase, in der die Möglichkeiten, psychologische Hilfestellung zu bekommen, noch begrenzter waren als schon ohnehin, wollte der erfahrene Therapeut vor allem Zuhörer sein.

„Ich habe mich als Wegweiser verstanden, um den Menschen, die Hilfe suchten, die verschiedensten Angebote und Anlaufstellen auf den Weg zu geben, sie auf die verschiedenen Möglichkeiten aufmerksam zu machen.“ Ob Beratungsstellen, Sozialarbeiter, Soziale Dienste oder andere Einrichtungen, je nach Problemstellung, konnte er die entsprechenden Hinweise geben.

Einige brauchen eine Therapie

Bei einigen sei nämlich auch klar geworden, dass es sich „eigentlich um Therapiefälle handelt, auch schon vor Corona“. Denen habe er geraten, sich an die Kassenärztliche Vereinigung in Münster zu wenden, die die Kontakte zu allen Psychotherapeuten haben und dort um ein Erstgespräch zu bitten.

Nur in ganz wenigen Fällen habe er angeboten, bevor man in einer ganz verzweifelten Lage unüberlegte Schritte tue, sich nochmal an ihn zu wenden. „Es hat sich aber keiner gemeldet“, sagt Günter Mehring erleichtert.

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