Ahauser Rat verzichtet auf die Wiederwahl des Beigeordneten Georg Beckmann

mlzBeigeordneter Georg Beckmann

Georg Beckmann ist seit 2011 Beigeordneter der Stadt Ahaus. Der Rat lehnte am Mittwoch eine Wiederwahl ab. In geheimer Abstimmung votierten die Politiker dafür, das Amt auszuschreiben.

Ahaus

, 28.02.2019, 19:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ende November 2019 endet die achtjährige Amtszeit des Beigeordneten Georg Beckmann (59). Eine Wiederwahl lehnte der Rat in seiner Sitzung am Mittwochabend ab – Beckmann stand dafür zur Verfügung. Mit 34 Ja-Stimmen (bei vier Nein-Stimmen) beschlossen die Politiker in geheimer Abstimmung, die Stelle auszuschreiben. Georg Beckmann ist für den Vorstandsbereich IV, die Bauverwaltung, zuständig. „Ich äußere mich nicht dazu“, war am Donnerstag der einzige Kommentar des Beigeordneten auf den Abend.

Blick in die Historie

Auskunftsfreudiger war am Tag nach der Abstimmung der Großteil der Fraktionsvorsitzenden. „Wir sind der Meinung, dass es für eine Stadt wie Ahaus notwendig ist, diese Stelle mit einem Fachmann oder einer Fachfrau zu besetzen“, erklärte Thomas Vortkamp (CDU). Ein Blick in die Historie dieser Beigeordnetenstelle lasse die CDU zu der Überzeugung kommen, dass hier ganz besonders Fachlichkeit notwendig sei und helfe, die Entwicklung von Ahaus voranzubringen.

Die CDU habe mit Georg Beckmann immer vertrauensvoll und gerne zusammengearbeitet. Sie schätze ihn und seine unkomplizierte Art. Aber: „Wir wollen mit der Ausschreibung den Versuch machen, diesen Vorstandsbereich neu aufzustellen“, erklärte Thomas Vortkamp. Von der neuen Kraft erwartet die CDU neue Impulse für die städtebaulichen Entwicklungen in Ahaus. Ob die Stelle mit einem Juristen (Beigeordneter) oder einem Baufachmann (Technischer Beigeordneter) besetzt wird, das will die CDU nicht zu engstirnig bewerten. Das könne nicht allein an einem (Studien-)Abschluss festgemacht werden.

„Das Visionäre fehlt“

„In Ahaus muss die Zukunftsplanung in den Fokus rücken“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Dönnebrink zur Ausschreibung der Beigeordneten-Stelle. Sicherlich sei ein Abarbeiten von Projekten, wie es zurzeit geschehe, erforderlich. „Aber der Fokus muss doch auch in die Zukunft gerichtet werden“, erklärte Dönnebrink.

„Das Visionäre, das fehlt.“ So seien zum Beispiel neue Gewerbeflächen fast schon komplett vermarktet. „In der Vorausschau müsste es da schon wieder Nachschub geben.“ Ob nun ein Jurist oder ein Techniker Beigeordneter wird, dazu äußerte sich Andreas Dönnebrink ähnlich wie Thomas Vortkamp. „Es muss in Zukunft mehr Wert auf die Stadtplanung gelegt werden. Das ist mit einem Fachjuristen ebenso möglich wie mit einem Ingenieur.“ Die Hauptsache sei, dass Ahaus vorangebracht werde.

Ahauser Rat verzichtet auf die Wiederwahl des Beigeordneten Georg Beckmann

2011 trat Georg Beckmann (l.) das Amt des Beigeordneten in Ahaus an. Der damalige Bürgermeister Felix Büter beglückwünschte ihn nach erfolgter Wahl mit einem Blumenstrauß. © Stefan Grothues

Ähnlich kurz wie Georg Beckmann äußerte sich am Donnerstag Hermann Josef Haveloh, Fraktionsvorsitzender der WGW (Wüllen unser Dorf): „Wir werden zum jetzigen Zeitpunkt keinen Kommentar dazu abgeben.“ Der UWG-Fraktionsvorsitzende Felix Ruwe fand es erst einmal gut, dass sich Bürgermeisterin Karola Voß nach der Abstimmung vor ihre Mitarbeiter gestellt habe. „Sie hat gesagt, dass der gesamte Vorstand gut arbeitet.“ Die Mehrheit des Rates habe entschieden, dass es in der Bauverwaltung frischen Wind geben solle, „der wahrscheinlich nötig ist“, sagte Felix Ruwe.

Das Abstimmungsergebnis sei eine klare Entscheidung. „Das muss man akzeptieren.“ Dass ein Beigeordneter als Wahlbeamter nicht wieder gewählt werde, damit müsse ein Amtsinhaber immer rechnen, erklärte Ruwe. Manches sei im Bereich der Bauverwaltung in den vergangenen Jahren nicht gelungen. Mit Blick auf die Bauverwaltung sprach sich Felix Ruwe dafür aus, die Stelle diesmal mit einem Bauexperten zu besetzen. „Einen Juristen haben wir im Verwaltungsvorstand ja mit dem Ersten Beigeordneten Hans-Georg Althoff.“

Stillstand im Baubereich

Nach dem Weggang des Amtsvorgängers Michael Tacke sei im Baubereich in Ahaus Stillstand eingetreten, erklärte Klaus Löhring, Grünen-Fraktionsvorsitzender.

„Uns war schon damals als Oppositionsfraktion nicht klar, warum die Technische Stelle mit einem Juristen besetzt wird.“ Die Grünen hätten mehr und mehr den Eindruck gewonnen, dass sich der Beigeordnete das Heft des Handelns von den Fachbereichsleitern habe aus der Hand nehmen lassen. Der oder die künftige Beigeordnete solle den Städtebau in den Fokus nehmen, nannte der Fraktionsvorsitzende ein Thema, das auch seine Kollegen ansprachen. Auch die Verkehrsplanung müsse verstärkt angegangen werden.

Klaus Löhring wünscht sich einen Bauexperten als Beigeordneten. „Es darf auch gerne ein Generationenwechsel stattfinden.“ Beigeordneter könne ruhig ein deutlich jüngerer Mensch zwischen 35 und 40 Jahren werden, „ohne jetzt altersdiskriminierend zu sein“; sagte Löhring. Eine Stellungnahme von Reinhard Horst, dem FDP-Fraktionsvorsitzenden, war am Donnerstag nicht zu erhalten.

Ausschreibung

Zurückhaltend äußerte sich die Stadtverwaltung. Aus dem Büro der Bürgermeisterin kam auf Anfrage folgende Mail-Antwort: „Die Bürgermeisterin wird sich an die Fraktionen des Rates wenden, um zu klären, wie die Voraussetzungen und Anforderungen seitens der Politik für die Ausschreibung sind.“ Dies werde bis zur nächsten Ratssitzung geklärt. Anschließend soll dann eine Ausschreibung erfolgen.

Der Jurist Georg Beckmann trat sein Amt in Ahaus (Besoldungsgruppe A 16) im Dezember 2011 an. Er folgte damals auf Michael Tacke, der als Dezernent nach Salzgitter gewechselt war. Zuvor war Georg Beckmann von 1999 bis 2009 Bürgermeister der Gemeinde Südlohn. 2009 trat er als Bürgermeisterkandidat der CDU in Rheine an. Dort unterlag er aber deutlich der SPD-Amtsinhaberin.
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