Ahauser Supermärkte und Kantinen wollen weniger Essen wegwerfen

mlzLebensmittelabfall

Elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen im Jahr auf den Müll. In Ahaus gehen die Menschen bewusster mit Essen um – oder spenden es. Bei der Weitergabe gibt es allerdings Hürden.

von Alex Piccin, Malena Stöhler

Ahaus

, 21.02.2019, 19:59 Uhr / Lesedauer: 3 min

Entsorgte Lebensmittel kommen in vielen Haushalten vor. Mal in größerem Stil, mal aber auch gar nicht. Es sei alles Planungssache, glauben die Ahauser. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) möchte die Lebensmittelabfälle in Deutschlands Supermärkten und Haushalten verringern. Das Kabinett hat eine entsprechende Strategie beschlossen. Das Ziel ist, bis 2030 diese Menge zu halbieren. Daraus könnten gemeinnützige Institutionen Vorteile ziehen, glaubt der Leiter der Ahauser SkF-Tafel Johannes Luegering.

„Wir profitieren jetzt schon von den Supermärkten und würden dies wohl noch mehr tun, wenn sie wie in Frankreich zu einer Partnerschaft mit Hilfsorganisationen verpflichtet wären“, sagt er. Dann sei es möglich, mehr als die derzeit etwa 130 Kunden und 380 Köpfe zu bedienen. Vier Mal pro Woche fahren Ehrenamtler der Tafel die Supermärkte ab und befüllen die Transporter mit dem, was die Märkte ihnen unentgeltlich zur Verfügung stellen.

Dabei gebe es je nach Firmenphilosophie Unterschiede, sagt Luegering: „Manche geben auch Obst und Gemüse ab, andere nur fest verpackte Lebensmittel.“ Unterstützung erfährt die Tafel auch vom St.-Marien-Krankenhaus. Die rund 850 Essensportionen pro Tag werden zwar „minutiös vorgeplant“, wie Dirk Terbahl vom Klinikum Westmünsterland erläutert: „Alles, was ungeöffnet und einwandfrei ist, geht an die Tafel. Das was übrig bleibt, wird vernichtet, das ist vom Gesetzgeber so vorgesehen.“

Ressourcenschonend wirtschaften und spenden

Die Discounter Aldi und Lidl sind darauf bedacht, die Menge nicht mehr verkaufbarer Lebensmittel gering zu halten und kooperieren mit den Tafeln. Für den Verbraucher bieten sie im Markt Waren, die kurz vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) stehen, zu einem vergünstigten Preis an. Das was übrig ist, wird anderweitig verwendet, wie Isabel Lehmann von der Lidl-Pressestelle darlegt: „Lebensmittel, die beschädigt oder verdorben und daher nicht mehr verkaufsfähig sind und nicht mehr gespendet werden können, werden zur Herstellung von Bio-Methan in Biogasanlagen transportiert.“

Eine Kurz-Umfrage der Münsterland Zeitung ergab, dass die Ahauser sehr bewusst ihre Besorgungen machen und darauf achten, die Bio-Tonne nicht zu sehr zu füttern. “Ich gehe jeden Tag frisch einkaufen, deshalb muss ich auch immer nur ganz wenig wegwerfen“, sagt zum Beispiel Hanni Schwind auf Nachfrage unserer Redaktion. Und genauso wie Hanni Schwind gehen viele Ahauser vor. Sie scheuen zum Teil nicht den täglichen Weg in den Verbrauchermarkt und kaufen eher weniger auf Vorrat. Die „Gefahr“ des MHD spukt nämlich in den Köpfen.

Ahauser Supermärkte und Kantinen wollen weniger Essen wegwerfen

Tanja Mauritz versucht, nicht viel Essen wegzuschmeißen. © Malena Stöhler

Doch wenn es um Milchprodukte geht, nehmen es die befragten Ahauser nicht so genau mit dem MHD. „Mit dem Joghurt sind wir nicht so pingelig. Den essen wir auch wohl noch, wenn der eine Woche abgelaufen ist. Man sieht ja, ob der noch gut ist“, sagt Tanja Mauritz. Ein Großteil der Befragten friert oftmals das gekochte Essen oder Brot ein. Tanja Mauritz gibt aber lachend zu: „Wenn ein ganz bisschen vom Essen übrig geblieben ist, bekommt das auch manchmal unser Hund.“

Hürden für die Weiterverwendung

Was der Privatmann darf, ist dem Landwirt untersagt. So dürfen Lebensmittelreste beispielsweise nicht an Mastschweine verfüttert werden. Es gibt auch andere Gesetze, die eine Weiterverwertung übrig gebliebener Speisen verbietet, wie Tobias Reers, Kantinenchef bei der Berufsbildungsstätte (BBS), betont: „Das was übrig ist, darf ich nicht an das Personal oder an Bedürftige verschenken. Die zehn Liter Suppe von heute beispielsweise müssen entsorgt werden.“ Ähnlich verhält es sich bei Buffets nach großen Feierlichkeiten. Reers wünscht sich, dass diese Regelungen gelockert werden, um der Verschwendung Einhalt zu gebieten.

Kosten für die übrig geblieben Lebensmittel kommen oben drauf: Der Lebensmittelentsorger holt für 20 Euro einmal die Woche eine 80-Liter-Tonne ab, die „bei uns locker ausreicht“, so Reers. Die Metzgerei Beckers kümmert sich unter anderem um das Essen in der Mensa des AHG oder das Essen für Kindergärten. Um eine Überproduktion und damit Abfall zu vermeiden, werden dort die Mahlzeiten nach tagesaktueller Bestellung zubereitet, heißt es dort auf Anfrage.

Abfall im Vorfeld vermeiden

Gekocht im etwas größeren Stil wird auch in den Senioren- und Pflegeheimen. Das St.-Friedrich-Heim bereitet für das eigene Haus sowie das Heinrich-Albertz-Haus und Holthues Hoff rund 150 Mahlzeiten zu. Sie nutzen das sogenannte Cook-and-Chill-Prinzip, ein Zubereitungs- und Schnellkühlungsverfahren, nachdem die Mahlzeiten kurz vor Gebrauch wieder auf Verzehrtemperatur gebracht werden. Somit fallen weniger Lebensmittelabfälle an.

„Es kommt nur eine ganz geringe Menge an Essensresten zurück“, sagt Alfred Bohmert vom St.-Friedrich-Heim.

Im Senioren- und Pflegezentrum St. Marien kochen die sechs Wohngruppen selbst und meist mit frischen Zutaten. Durchschnittlich 30 Liter Abfall kommen dabei am Tag zusammen, bestehend zum Beispiel aus Kartoffelschalen, selten aus Essensresten. „Das Verzehrbare wird eigentlich nie weggeworfen“, unterstreicht Marion Wensing, die den Einkauf einmal die Woche organisiert.

Eine vorausschauende Planung oder täglich – dann aber nur die benötigten Mengen – einzukaufen scheinen die effektivsten Maßnahmen zu sein, um die Menge an Lebensmittelabfällen gering zu halten. Eine simple, aber gute Strategie haben die Ahauser gegen vergessene Lebensmittel im Kühl- oder Vorratsschrank parat: Sie platzieren das frisch Eingekaufte hinten in den jeweiligen Fächern und holen die älteren Sachen nach vorne.

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