Ahauser verkauft Messwein im großen Stil: „Jeder Pfarrer hat seine Vorlieben.“

mlzMesswein-Vertrieb

Kurt Kreuzer (80) aus Ahaus hat einen ungewöhnlichen Beruf. Er vertreibt Messwein in NRW. Im Gespräch erklärte er unter anderem, warum heute fast nur noch Weißwein verwendet wird.

Ahaus

, 24.01.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kurt Kreuzer ist 80 Jahre alt. Das letzte Vierteljahrhundert hat der gebürtige Münsteraner mit seiner Frau in Ahaus verbracht. Die 40.000-Einwohner-Stadt nennt er mittlerweile seine „neue Heimat“. Hier spielt er Tennis, engagiert sich im Schützenverein und zieht im Dezember als Nikolaus von Haus zu Haus. Trotz seines Alters steht er auch beruflich noch voll im Saft: Kurt Kreuzer vertreibt Messwein – vom Münsterland bis zum Niederrhein. Insgesamt beliefert Kurt Kreuzer 150 katholische Gemeinden und Institutionen.

Der 80-Jährige erinnert sich noch genau, wie er zu diesem ungewöhnlichen Beruf kam: „Mein Uhren-Geschäft in Münster hab ich vor 25 Jahren aufgegeben. Ein Bekannter von mir ist Messwein-Lieferant und suchte jemanden für den Vertrieb. Das klang für mich sehr interessant.“ Auch, weil er selbst ein Weinliebhaber ist. „Das habe ich von meiner Mutter, deren Wurzeln im Rheinland liegen“, sagt der Ahauser und lacht.

Kurt Kreuzer blüht in neuem Beruf auf

In seinem neuen Beruf blüht er schnell auf. Der Kontakt zu den Menschen liegt ihm, seine Dienstfahrten in den Süden NRWs verknüpft er auch heute noch häufig mit einer ausgiebigen Fahrradtour. Im Laufe der Jahre ist er zu einem Fachmann in diesem Gebiet gereif. Kurt Kreuzer klärt: „Die Herstellung von Messwein erfolgt nach sehr strengen Vorschriften. Er muss naturrein sein, aus Weintrauben gewonnen werden und darf nicht mit anderen Substanzen vermischt werden. Der Zusatz von Zucker ist zum Beispiel untersagt.“

Diese Kriterien haben sich bis heute nicht verändert, andere Dinge hingegen schon. „Früher wurde in den Heiligen Messen aus naheliegenden Gründen Rotwein genutzt, weil er schließlich das Blut Christi symbolisieren soll. Mittlerweile gibt es im Gottesdienst aber fast nur noch Weißwein“, erklärt der 80-Jährige. Die Gründe sind praktischer Natur.

Fast nur noch Weißwein bei Gottesdiensten

„Auf dem weißen Stoff, mit dem der Pfarrer den Rand des Kelches abwischt, hinterließ der Rotwein viele hartnäckige Flecken. Da lag es nahe, auf Weißwein zu wechseln.“ Ausnahmen bestätigen die Regel. Zwar ist im Kloster Gerleve in Billerbeck der Hauswein ebenfalls weiß, allerdings werden zu jeder Bestellung auch einige Flaschen Rotwein geordert. „So hat jeder seine Vorlieben“, erklärt Kurz Kreuzer.

Zu seinen Kunden gehört auch die katholische Probsteipfarrei St. Peter. Dort ist der ehemalige Ahauser Pfarrer Jürgen Quante tätig. „Wir treffen uns einmal im Jahr und er spricht immer gut über seine ehemalige Gemeinde. Für ihn war damals klar, dass er den Ahauser Messwein auch mit nach Recklinghausen nehmen möchte: einen halbtrockenen Riesling aus Rheinhessen“, sagt Kreuzer.

Großkunden aus Münster und Kevelaer

Zu seinen größten Kunden gehört der Münsteraner Dom und die Marienbasilika in Kevelaer. Im Wallfahrtsort haben die Verantwortlichen eine ganz besondere Vorliebe: frazösischen Likörwein. „Sie würden ihn am liebsten in Fässern bestellen, weil sie circa zehn Messen pro Tag haben. Allerdings haben wir maximal Ein-Liter-Flaschen“, schildert der Ahauser und lacht erneut.

In der Ahauser Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt ist es nicht die Weinsorte, die hervorsticht ist. Hier bestellt Küster Gregor Frankmölle immer die ganz kleinen Flaschen. „Er hat mir erklärt, dass die Pfarrer viele Gottesdienste außerhalb der Marienkirche leiten. Da ist eine kleine Flasche praktisch für den Transport“, so Kreuzer.

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Auch nach 25 Jahren ist bei dem Ahauser die Freude an seinem Beruf ungebrochen: „Solange ich noch fit bin, bleibe ich am Ball.“ Und das, obwohl das Geschäft nicht unbedingt einfacher wird, wie Kurt Kreuzer erklärt: „Durch die vielen Fusionen gibt es weniger Messen. Außerdem wurden durch eine Reform vor ein paar Jahren die Bedingungen für den Messwein-Verkauf gelockert. Seitdem darf jeder Wein in der Messe genutzt werden, der den eben erwähnten Kriterien entspricht. Außerdem war Messwein früher nur für Geistliche bestimmt. Heute kann ihn jeder kaufen.“

Info:

Auch Kurt Kreuzer bietet mittlerweile seinen Wein zum Verkauf an. Von jeder verkauften Flasche fließt aktuell ein Teil an die Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt. Die Spende soll für die neue Orgel genutzt werden. Kontakt per E-Mail über kreuzerkurt@t-online.de.
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