Ahauserin (34) handelt sich für notorisches Schwarzfahren eine Bewährungsstrafe ein

mlzAmtsgericht Ahaus

Weil Sie zwei Mal ohne Ticket Bahn gefahren ist und nicht zum ersten Mal beim Schwarzfahren erwischt worden war, verließ eine Ahauserin den Gerichtssaal am Dienstag mit einer saftigen Strafe.

von Christin Lesker

Ahaus

, 16.01.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine unruhige Atmosphäre herrscht im Gerichtssaal. Weil die angeklagte Ahauserin gebürtig aus Serbien kommt, ist parallel zu den Ausführungen des Richters und der Zeugen stets die Übersetzung der Dolmetscherin zu hören. Zusätzlich tobt die dreijährige Tochter der Angeklagten während der gesamten Verhandlung durch den Gerichtssaal. Der Richter lässt sich aber nicht aus der Ruhe bringen.

2019 war die 34-Jährige Ahauserin einmal mit der Bahn von Coesfeld nach Ahaus und einmal von Ahaus nach Dülmen gefahren. In beiden Fällen wurde sie –innerhalb eines Monats – ohne ein gültiges Ticket erwischt. Die Ahauserin beteuert vor Gericht, ab April des Jahres bei ihrer Schwester in Oberhausen gewohnt zu haben und deshalb nicht mit der Bahn gefahren zu sein.

Einer der geladenen Zeugen, ein Freund des Vaters der Angeklagten, kann zwar den Aufenthalt in Oberhausen bestätigen, weil er die Ahauserin selbst dorthin gebracht hat. Allerdings könne er damit nicht ausschließen, dass sie in der Zwischenzeit mit der Bahn nach Ahaus gefahren sei.

Eindeutig indentifiziert

Als weitere Zeugen sind beide Zugbegleiter geladen, die die Frau an den zwei verschiedenen Tagen beim Schwarzfahren erwischt haben. Beide können sich nicht explizit an den Vorfall erinnern. Allerdings haben die Zugbegleiter bei den Kontrollen im Frühjahr 2019 das Lichtbild der Frau auf ihren Ausweispapieren mit ihrem Gesicht verglichen und sind ohne Zweifel zu dem Schluss gekommen, dass es sich um die selbe Frau handelt. Die Angeklagte hingegen behauptet, ihr Ausweis sei ihr zeitweise abhanden gekommen, sodass auch jemand anderes ihn verwendet haben könnte.

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Der Richter macht deutlich, dass er das „schlicht für gelogen" hält. Zwar handele es sich in diesem Fall nur um einen geringen Schaden von 10,20 Euro, aber weil von der Angeklagten bereits vier Verurteilungen mit Geldstrafen in zwölf Taten vorliegen, ist sich der Richter sicher: „Die Angeklagte ist eine Intensivtäterin und Geldstrafen interessieren sie nicht mehr."

Vier Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung

Aus diesem Grund verhängt der Richter eine Gesamtfreiheitsstrafe von vier Monaten auf Bewährung und 80 Sozialstunden, die vom Bewährungshelfer angewiesen werden. Die Bewährungszeit beläuft sich dabei auf drei Jahre. Verstößt die Angeklagte gegen die Auflagen oder fährt sie erneut ohne Ticket, wird sie die Strafe im Gefängnis absitzen müssen.

Zum Schluss gibt der Richter der Ahauserin einen Rat: „Tun sie mir einen Gefallen und lassen ihre Tochter beim nächsten Mal zu Hause. Das wäre für alle Beteiligten besser."

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