Alfred (7) und Juliane Katz (6) wurden mit Familie im Holocaust ermordet

Alfred und Juliane Katz waren bei ihrem Tod erst sechs und sieben Jahre alt.
Alfred und Juliane Katz waren bei ihrem Tod erst sechs und sieben Jahre alt. © privat
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Heute sei an die Geschwister Juliane und Alfred Katz und deren Familie erinnert. Die beiden Kinder sind am 23. August 1942 im Alter von sechs und sieben Jahren im Konzentrationslager Auschwitz ermordet worden.

Würden sie heute noch leben, wären sie 86 beziehungsweise 87 Jahre alt. Ihre Eltern waren der Ahauser Kaufmann Ernst Katz und seine Frau Regina, geb. Gumpert. Die Familie lebte an der Bahnhofstraße 67 (in der NS-Zeit: Adolf-Hitler-Straße), wo heute fünf Stolpersteine liegen, die an die Hausbewohner erinnern. Ernst und Regina Katz hatten 1934 geheiratet.

Regina Katz geb. Gumpert
Regina Katz geb. Gumpert © privat

Regina Katz war von 1917 bis 1925 Schülerin des Mädchen-Gymnasiums Canisius-Lyzeum in Ahaus gewesen und zeitweise im Büro des Ledergroßhändlers Alfred Löwenstein tätig. Ihr Mann Ernst, der aus Bochum stammte, versuchte in der NS-Zeit als Kleinhändler und Hausierer ein wenig zum kargen Lebensunterhalt der armen Familie beizutragen.

Juliane und Alfred mussten miterleben, wie in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 ihr Vater zusammengeschlagen und das Handarbeitsgeschäft ihrer in Ahaus geachteten und bekannten Großmutter Julia Gumpert verwüstet und geplündert wurde. Julia Gumpert hatte vielen jungen Frauen in Ahaus Fertigkeiten in Handarbeit vermittelt.

Hals über Kopf flüchtete die fünfköpfige Drei-Generationen-Familie Gumpert-Katz über die Grenze nach Holland und kam zunächst in Roermond – wahrscheinlich in einem Flüchtlingslager – unter. Für einige Jahre kam die Familie in einer Wohnung in Abcoude (zwischen Utrecht und Amsterdam) unter, bis im Frühjahr 1940 die deutsche Wehrmacht in den Niederlanden einmarschierte und die jüdischen Flüchtlinge in der Falle saßen.

Tod in der Gaskammer

Die Familie Katz versuchte noch nach Südamerika auszuwandern, jedoch vergeblich. Alle wurden ins Lager Westerbork gebracht, von wo sie am 20. August 1942 ins Lager Auschwitz deportiert wurde. Während die Geschwister Alfred und Juliane und ihre 33-jährige Mutter Regina sofort nach Ankunft in die Gaskammer geschickt wurden, musste Vater Ernst noch über einen Monat Zwangsarbeit leisten, bevor er am 30. September 1942 im Alter von 42 Jahren den Strapazen erlag.

Ernst Katz
Ernst Katz © privat

Alfreds und Julianes Großmutter Julia Gumpert wurde einige Monate später von Westerbork nach Auschwitz deportiert und dort im Februar 1943 getötet. Sie wurde 66 Jahre alt.

Die Familie Gumpert-Katz ist die einzige jüdische Familie aus Ahaus, in der es keine Überlebenden gibt. Im Jahr 2006 erschien die von Schülerinnen der Anne-Frank-Realschule Ahaus erstellte Dokumentation „Auf der Suche nach Julia Gumpert und ihrer Familie – Tagebuch einer Spurensuche“.

Vor einigen Jahren brachte eine frühere Freundin der Katz-Kinder aus Abcoude/NL bei einem Besuch ein Fotoalbum der jüdischen Familie mit nach Ahaus, das viele Bilder, besonders von Alfred und Juliane Katz enthält.

AN SCHICKSALE DER VERSCHLEPPTEN AHAUSER ERINNERN

In Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv und auf Initiative des VHS-Arbeitskreises Ahauser Geschichte 1933-1945 veröffentlichen wir in loser Folge die Geschichten und Schicksale der Ahauser, die während des Holocausts aus Ahaus verschleppt wurden.

Damit wollen wir einen kleinen Teil dazu beitragen, das Andenken an diese Menschen wachzuhalten. Das WDR-Portal (stolpersteine.wdr.de) zu allen Stolpersteinen in NRW ist seit kurzem erreichbar.