Hat derzeit jede Menge zu tun: Mark Stromann, Besitzer des Herrenausstatters Profil Menswear an der Marktstraße. © Nils Dietrich
Einzelhandel

„Alle haben zu knapsen“: Wie Corona und der kühle Sommer den Bekleidungsgeschäften zusetzen

Kühl und nass: Der Sommer macht seinem Namen in diesem Jahr kaum Ehre. Harte Zeiten also für die von Corona gebeutelten Bekleidungsgeschäfte der Stadt. Die hegen nun Hoffnung.

Die Menschen sitzen vor den Cafés, shoppen, schlendern durch die Fußgängerzone: Das Zentrum von Ahaus ist am Mittwochnachmittag gut besucht. Viele nutzen offenbar das sich bessernde Wetter, um einkaufen zu gehen. Vor allem die Bekleidungsgeschäfte locken mit teils saftigen Rabatten. Bis zu 50 Prozent Nachlass versprechen die bunten Plakate auf der Marktstraße.

Hoffen auf den Sommer-Schlussspurt

„Wir hoffen, die Sommerware nun abverkaufen zu können wegen der warmen Tage, die jetzt anstehen“, sagt Ines Rehring, Filialleiterin bei Cede Trendline. Der Laden ist gut besucht, die Filialleiterin hat zwischen zwei Beratungsgesprächen nur kurz Zeit für ein Gespräch.

Zahlreiche Bekleidungsgeschäfte in der Innenstadt locken mit teils deutlichen Rabatten.
Zahlreiche Bekleidungsgeschäfte in der Innenstadt locken mit teils deutlichen Rabatten. © Nils Dietrich © Nils Dietrich

Ihre Hoffnung ist nicht unbegründet, wenn man dem Wetterbericht Glauben schenken darf: Bis zum Wochenende soll der Sommer zurückkehren – und der hat sich bislang eher rar gemacht. Jetzt könnten sich also noch Schnäppchenjäger an den anstehenden heißen Tagen zu günstigen Konditionen mit aktueller Mode eindecken. „Es gibt überall gute Angebote derzeit“, wirbt Ines Rehring. Im stationären Einzelhandel, versteht sich. „Das lohnt sich!“

Corona und schlechtes Wetter – die Kombination verspricht nicht gerade gute Umsätze in der Modebranche, könnte man meinen. Die Rechnung ist etwas komplizierter, meint Ines Rehring: „Der Sommeranfang verlief schleppend. Mit den rückläufigen Corona-Infektionen besserte sich das aber.“ Über den Corona-Berg sei die Branche aber nicht: „Alle haben zu knapsen. Die Zahlen von früher sind noch längst nicht wieder erreicht.“

Für gute Kleidung fehlten die Anlässe

Ein paar Meter weiter bei Profil Menswear hat Besitzer Mark Stromann eigentlich gar keine Zeit für ein Interview. „Bei uns brennt der Baum“, sagt der Chef, ganz in Eile. Aber woher kommt der plötzliche Bedarf an Mode für den eleganten Herrn? Auch hier zeige die Pandemie ihre Auswirkungen, erklärt der Einzelhändler: „Es gibt jetzt relativ viele Anlässe, die nachgeholt werden. Da wollen die Leute standesgemäß gut angezogen sein.“

Das leuchtet ein, schließlich ist von der Hochzeit bis zur Abschlussfeier ist in den letzten eineinhalb Jahren das ein oder andere Event ausgefallen. Erst mit den weiteren Lockerungen wurden auch wieder Feierlichkeiten in einem größeren Kreis möglich. Das lässt Mark Stromann auf eine Aufholjagd nach der langen Durststrecke hoffen: „Corona hat bei uns eine Riesen-Rolle gespielt. Das ist hoffentlich nun vorbei, wir gucken nach vorne.“ Der Jahresbeginn sei eine Katstrophe gewesen.

Mit einem blauen Auge davongekommen

An der Marienkirche fällt das vorläufige Jahres-Fazit deutlich positiver aus. Von der Sommerware hat Petra Steingrube-Rittmann nicht mehr viel übrig. Eine kleine Ecke im Erdgeschoss reicht für die Reste der Sommer-Saison, das war es. „Das ist recht übersichtlich. Sehr schön“, freut sich die Geschäftsführerin des Modehauses.

Mit Schlussverlauf und großzügigen Rabatten lockt sie dementsprechend nicht – warum auch? „Wir hatten ein paar warme Wochenenden, da haben wir gut abverkauft“, berichtet sie. Seit Mitte Juli hat sie bereits auf die Herbst-Winter-Kollektion umgestellt – und auch die wird, wie am Mittwochnachmittag zu sehen ist, gut nachgefragt.

Damit setzt sich aus Sicht von Petra Steingrube-Rittmann nurmehr der positive Jahresverlauf fort. Schon die Wiedereröffnung nach dem Lockdown war vielversprechend: „Das Geschäft ist wieder gut angelaufen, wir waren wirklich gut zufrieden.“

Und diese positive Entwicklung habe sich im weiteren Jahresverlauf fortgesetzt. Nicht zuletzt funktioniere Ahaus als Einkaufsstadt: „Wir können wir uns echt nicht beschweren, wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.“

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