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Alstätte zeichnet eine hohe Lebensqualität aus und der Zusammenhalt ist enorm, das sagen etliche Teilnehmer unserer Umfrage. Ausbaufähig sind die Bereiche Wohnen und Verkehrsanbindung.

Ahaus

, 11.04.2019 / Lesedauer: 7 min

Alstätte ist da, wo Ahaus am schönsten ist. Mehr bedarf es nicht, um den Ort zu charakterisieren – wenn es nach Alstätter Teilnehmern unseres Ortsteil-Checks geht. „Das ist einfach so“, sagt Jürgen van Weyck vom Vorstand des Gewerbevereins. Nicht umsonst sei das Statement auch groß auf der Schirmschoppe am Dorfplatz zu lesen. „Egal ob bei einer Festlichkeit, einem Jubiläum oder beim Schützenfest, alle laufen daran vorbei und sehen dieses schöne Schild“, sagt der 54-Jährige. Festmachen lasse sich das unter anderem an einer fantastischen Gastronomie, an einer großen Bandbreite an Geschäften, am Zusammenhalt der Vereine und der Bevölkerung und natürlich an der unberührten Natur gleich vor der Haustür.

Etliche der von der Münsterland Zeitung im Internet abgefragten Kategorien werden von den 206 Alstättern, die an unserer Umfrage teilgenommen haben, sehr gut bewertet. Für den knapp über 5000 Einwohner zählenden Ortsteil gibt es in den Bereichen Lebensqualität, Gastronomie, Nahversorgung, Radfahren und Grünflächen die Höchstpunktzahl: 10 von 10 möglichen Punkten. 9 Punkte, eine immer noch sehr gute Bewertung, erhalten die Kinderbetreuung, die Sauberkeit und Sportangebote. Nicht ganz so gut bewerten die Alstätter unter anderem die Bereiche „Wohnen“ und „Angebote für Jugendliche“ mit jeweils 7 Punkten. Ganz unten auf der Alstätter Skala ist der Bereich Verkehrsanbindung. Hierfür geben die Umfrageteilnehmer ihrem Ort gerade einmal 5 Punkte.

Heinrich Holters ist Vorsitzender des Heimatvereins Alstätte. Der 62-Jährige weiß, was den Ahauser Ortsteil so besonders macht. „Es ist der Zusammenhalt.“ Vor allem, wenn es um Gemeinschaftsaufgaben gehe. Als Beispiel nennt Jürgen van Weyck den jüngst abgehaltenen Sandhasenlauf. Beteiligt gewesen seien der VfB Alstätte als Ausrichter, der Gewerbeverein, die Hotellerie vor Ort und der Motorradklub, der für die Streckensperrung verantwortlich gewesen sei. „Es ist schon beeindruckend, wie das alles Hand in Hand geht.“

Eigenständigkeit

Doch vor allem auf ihre Eigenständigkeit legen die Alstätter Wert. Diese Eigenständigkeit ist historisch gewachsen und hat mit der relativ isolierten Lage an der Grenze zu den Niederlanden zu tun. Was früher ein Nachteil gewesen sei, sagt, Heinrich Holters, sei heute eher ein Vorteil. „Wir sind weit genug von der Stadt und städtischen Einflüssen entfernt. Wir sind so eigenständig, dass wir uns gegen jeden Ort durchsetzen können.“

Das wurde gut bewertet:

Lebensqualität: Alstätte besitze eine fantastische Gastronomie, „hier kann man toll feiern und auf hohem Niveau essen“, sagt Heinrich Holters zum Punkt Lebensqualität. Die Geschäftswelt für die 5000 Einwohner sei vielfältig. „Optiker, Mode, Möbel. Bäcker, Metzger, drei Supermärkte (K+K, Edeka, Aldi), wir können uns sehr gut versorgen. Und wir Alstätter versuchen mit den Vereinen immer, etwas gemeinsam zu bewerkstelligen.“ Deutlich wird das zum Beispiel am Engagement des Fördervereins Freibad Alstätte. Dessen Vorsitzender Alfons ter Huurne berichtet, wie viel Zeit, Geld und Arbeit die Alstätter schon in das Freibad investiert haben. Und es lässt nicht nach: Zum 50-jährigen Bestehen des Freibades im Jahr 2021 sind weitere Großinvestitionen geplant.

Alstätte: Der Zusammenhalt ist groß, doch das Wohnen wird immer teurer

Der Sandhasenlauf in Alstätte - eine Veranstaltung, an der etliche Vereine, Gruppen und Privatpersonen beteiligt sind. © Angelika Hoof

„Alstätte hat für Groß und Klein viel zu bieten. Die wichtigsten Dinge sind schnell zu erreichen und die Gemeinschaft ist einfach unglaublich.“ Das schreibt eine Umfrageteilnehmern (zwischen 25 und 35 Jahre alt) und fasst zusammen, was Alstätte so besonders macht und dem Ortsteil in Sachen Lebensqualität 10 Punkte bringt. „Alstätte ist einfach super“, schreibt eine andere Umfrageteilnehmerin (zwischen 50 und 70 Jahre) in den Anmerkungen zu unserer Umfrage. Zwei von vielen positiven Kommentaren, die Jürgen van Weyck mit Fakten untermauert. „Vieles ist in Alstätte auf kurzem Wege zu erreichen. Und ich bin relativ schnell in der Stadt, egal ob Enschede oder Ahaus.“

Kaum Verkehrsbelastung

Beide Städte seien schnell zu erreichen, Mobilität vorausgesetzt. Der Öffentliche Personennahverkehr sei noch ausbaufähig, „aber es fahren auch schon eine ganze Menge Alstätter mit dem Rad nach Enschede oder Ahaus.“ E-Bikes und Pedelecs machen es möglich. Ansonsten sei Alstätte in Sachen Verkehrsbelastung ein ruhiger Ort, sagt Jürgen van Weyck. Das deckt sich mit dem Ergebnis unserer Umfrage. Für den Bereich Verkehrsbelastung vergeben die Alstätter 8 Punkte. Zum Vergleich: Die in der Kernstadt lebenden Ahauser bewerteten die Verkehrsbelastung in der Innenstadt mit 6 Punkten. Moniert wurde dort unter anderem die Staubildung auf der Wüllener Straße und die Lärmbelastung. „Wir haben in dieser Hinsicht einen eher ruhigen Ort“, sagt Jürgen van Weyck. „Hier stehst du nicht im Stau.“ Zudem sei die Verkehrsanbindung von Alstätte nicht schlecht. „Wir haben die B 70 vor der Haustür und sind schnell auf der B 54 und somit auf der Autobahn.“

Gastronomie: Alstätte bietet eine Vielzahl verschiedener gastronomischer Betriebe, im Ortskern wie im Außenbereich. Beispielhaft zu nennen sind der Dorfgasthof Wissing, das Hotel-Restaurant Gerwing-Wulf, der Landgasthof Haarmühle und das Hotel-Restaurant Bredeck-Bakker. „Was fast keiner weiß, Bredeck-Bakker ist auf dem Gebiet der Stadt Ahaus das größte Hotel mit über 100 Betten“, berichtet Heinrich Holters.

„Wir sind natürlich Wettbewerber und Rivalen, wissen aber auch um unsere Stärke: die Vielfalt.“
Guido Brüggemann, Gastronom

Die örtliche Kneipenszene bietet einen Mix aus Angeboten für jüngere und ältere Kneipengänger und zieht auch viele auswärtige Gäste an. Die gastronomischen Betriebe im Außenbereich werden von Fahrradtouristen aus den Nachbarorten, den Niederlanden und dem Ruhrgebiet angesteuert.

„Wir sind natürlich Wettbewerber und Rivalen, wissen aber auch um unsere Stärke: die Vielfalt“, sagt Guido Brüggemann (41) vom Landgasthof Haarmühle für seine Kollegen. Die Alstätter Wirte würden im Rahmen ihrer Möglichkeiten an gemeinsamen Zielen arbeiten, erklärt er. „Insbesondere dem Ziel, unseren Heimatort für Einwohner und Gäste attraktiv zu gestalten.“ Da ist er wieder, der Alstätter Zusammenhalt.

Holländische Einflüsse

„Dass so viel auf kleinem Raum passiert, davon profitieren wir alle“, sagt Guido Brüggemann. Doch warum sind die Alstätter eigentlich so gastfreundlich? Heinrich Holters glaubt die Antwort zu wissen: „Wir sind hier an der holländischen Grenze, der Einfluss aus dem Nachbarland ist groß. Das macht uns eben ein bisschen weltoffener und gastfreundlicher.“

Das wurde negativ bewertet:

Wohnen: Es gibt nur wenig Probleme in Alstätte, doch eines ist das Wohnen. Dieser Bereich wird in unserer Umfrage mit lediglich 7 Punkten bewertet. „Zu wenig Wohngebiete und immer weiter außerhalb“, ist eine Anmerkung einer Umfrageteilnehmerin (unter 25 Jahre alt) aus Alstätte. „Es dürfte mehr Baumöglichkeiten für junge Paare geben“, schreibt eine andere Teilnehmerin unserer Umfrage (25 bis 35 Jahre alt). „Wir fordern ein neues Wohngebiet für Alstätte“ ist die Meinung eines weiteren Teilnehmers (50 bis 70 Jahre alt) unserer Befragung.

„Alstätte ist ein attraktiver Ort zum Wohnen“, sagt Heinrich Holters und nennt ein Beispiel: Für bauwillige Alstätter mit einem Freund oder einer Freundin in Ottenstein oder Wüllen sei Alstätte ganz klar der künftige gemeinsame Wohnort. „Die Nachfrage nach Bauplätzen ist groß.“ Allerdings schlage sich diese Attraktivität in hohen Grundstückspreisen nieder, die von den jungen Leuten kaum zu bezahlen seien. Da müsse die Politik gegensteuern, fordert der Vorsitzende des Heimatvereins.

„Alstätte ist ein attraktiver Ort zum Wohnen.“
Heinrich Holters, Vorsitzender des Heimatvereins

Überteuerte Grundstücke könne sich ein Klientel leisten, das nicht unbedingt den in Alstätte viel gepriesenen Zusammenhalt im Auge habe. Andererseits sei auch eine übermäßige Ansiedlung von Mietshäusern nicht das Allheilmittel, um die Wohnungsnot zu mildern und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. „Der gesunde Mix macht es“, sagt Heinrich Holters.

Stadtplaner Walter Fleige kennt den Alstätter Wohnungsmarkt. Der Bebauungsplan Deventer Weg sei rechtskräftig, das neue Baugebiet umfasse 53 Grundstücke. „Damit kommen wir erst mal ein Stück weiter.“ Ob es mittelfristig weitere Baugebiete in Alstätte geben wird? „Erst mal nicht“, antwortet, der Stadtplaner auf diese Frage. „Manchmal wird der Bedarf auch überschätzt“, sagt Walter Fleige. „Nicht alles, was nachgefragt wird, ist auch Bedarf im städtebaulichen Sinne.“

Baugebiet Deventer Weg

In Alstätte stoße die Verwaltung in Sachen Baugebiete an die Grenzen des aktuellen Regionalplans, der bis 2025 gelte. „Mit dem Deventer Weg haben wir die größeren Neubaugebiete in Alstätte ausgeschöpft.“

Könne allerdings nachgewiesen werden, dass alle baulichen Reserven des Regionalplans – auch im Inneren der Ortslage – ausgeschöpft seien, könne mit der Bezirksregierung „auch jenseits des Regionalplans“ darüber geredet werden, wie die Behörde helfen könne. Walter Fleige: „Der Bedarf muss nachgewiesen werden. Aber so weit sind wir noch nicht.“ 2020 werde der Deventer Weg erschlossen. „Bis das Baugebiet einigermaßen vollläuft, muss sich die Bezirksregierung ohnehin Gedanken über die Fortschreibung des Regionalplans machen.“ Das Fazit des Stadtplaners: „Gefühlt gibt es immer den Eindruck, dass wir zu wenig Baugebiete haben.“

Jugendliche: Die Angebote für Jugendliche in Alstätte werden in unserer Umfrage mit 7 von 10 möglichen Punkten bewertet. Wir haben Birgit Kleinfeld vom Jugendwerk Ahaus zum Angebot in Alstätte gefragt. Dort öffne wöchentlich zwei Mal der Offene Kinder- und Jugendtreff im Annette-von-Droste-Hülshoff-Haus seine Türen für die Kinder und Jugendlichen, nennt Birgit Kleinfeld einen Punkt. Jeden Dienstag und Donnerstag würden dort viele unterschiedliche Aktionen und Projekte stattfinden, beispielsweise gemeinsame Kochnachmittage sowie Spiel- und Sportangebote. „2017 hat das Jugendwerk mit dem Offenen Treff die Jugendräume im Annette-von-Droste-Hülshoff-Haus gemeinsam mit den Jugendlichen bezogen, neu gestaltet und entsprechend der Bedürfnisse der Jugendlichen ausgestattet“, erläutert Birgit Kleinfeld.

Alstätte: Der Zusammenhalt ist groß, doch das Wohnen wird immer teurer

Zahlen und Fakten zum Ortsteil-Check in Alstätte. © Hasken

Speziell für die jüngeren Kinder von sechs bis zehn Jahren findet einmal im Monat freitags der Kindertreff statt. „Je nach Bedarf sind wir mit dem Jugendmobil in Alstätte in der aufsuchenden Jugendarbeit tätig. Sowohl einzelne Jugendliche als auch Jugendcliquen nutzen in Alstätte gerne diese weitere Anlaufstelle mit Ansprechpartner“, hat Birgit Kleinfeld festgestellt. Aufsuchende Jugendarbeit in Alstätte gibt es beispielsweise im Sommer auch im Freibad. „Wir sind mit dem Jugendmobil eben da, wo sich die Jugendlichen aufhalten.“

Verkehrsanbindung: Ganz unten auf der Rangliste unserer Umfrage liegt in Alstätte der Bereich Verkehrsanbindung. Lediglich 5 von 10 möglichen Punkten gibt es hierfür. „Der Öffentliche Personennahverkehr ist eine Katastrophe“, schreibt eine Umfrageteilnehmerin im Alter von 25 bis 35 Jahren. „Ich würde mich sehr über bessere Bus- und Bahnverbindungen freuen. Besonders über eine Busverbindung von Gronau nach Bocholt“, schreibt eine Umfrageteilnehmerin unter 25 Jahren. Letzteres ist sogar schon in der Planung und nennt sich „Baumwollexpress.“ Die neue Schnellbuslinie soll von Gronau nach Bocholt reichen – über Alstätte, Vreden, Oeding, Burlo und Rhede. Nach der Klärung der Konzessions-Fragen (die Gespräche laufen) soll die neue Buslinie in eine zweijährige Testphase gehen.

Alstätte: Der Zusammenhalt ist groß, doch das Wohnen wird immer teurer

Die Angebote für Jugendliche in Alstätte werden eher negativ bewertet. © Christian Bödding

Auch die Jugendlichen in Alstätte kritisieren oft den Nahverkehr zu den anderen Ortsteilen, berichtet Birgit Kleinfeld vom Jugendwerk. Das bestehende Angebot erschwere es den Jugendlichen, vorhandene Freizeitaktivitäten wahrzunehmen. „Ein Kinobesuch am frühen Abend oder beispielsweise ein Treffen mit Freunden ist da schon schwierig.“ In Ahaus sei im vergangenen Jahr eine Projektgruppe „Mobil zum Ziel“ gegründet worden. Es hätten bereits mehrere Projektgruppentreffen mit unterschiedlichen Akteuren stattgefunden, um einen Überblick über die Busverbindungen zu erlangen und mögliche Veränderungen anzustoßen.

Alstätte: Der Zusammenhalt ist groß, doch das Wohnen wird immer teurer

"Alstätte, am Kriegerdenkmal" ist dieses historische Bild aus dem Stadtarchiv Ahaus beschriftet. © Stadtarchiv Ahaus



Alstätte 1151 erstmals urkundlich erwähnt
  • Erste Landstraßenverbindung 1898

  • 1151: „Alstede“ wird 1151 erstmals urkundlich erwähnt und gehört zu dem Zeitpunkt dem Kirchspiel Wessum an.
  • 1879: Alstätte erhält eine Postagentur und eine Telegraphenverbindung mit Ahaus.
  • 1898: Die Gemeinde bekommt eine erste Landstraßenverbindung mit Wessum
  • 1945: Alstätte wird Ende des Zweiten Weltkrieges durch einen Bombenangriff schwer getroffen, über 50 Menschen werden getötet.
  • 1974: Alstätte wird im Zuge der kommunalen Neugliederung nach Ahaus eingemeindet. (Quelle: Heimatverein Alstätte)
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