Am Amazonas wartet Arbeit

Ahaus Mit 68 den Ruhestand in der münsterländischen Heimat genießen? Pater Bento Letschert denkt immer wieder mal darüber nach. "Aber die sibirischen Verhältnisse in Ahaus sind ja kaum auszuhalten. Und außerdem habe ich in Brasilien eine neue Aufgabe zu erfüllen."

21.01.2008, 17:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

<p>Pater Bento kehrt nach Brasilien zurück. Grothues</p>

<p>Pater Bento kehrt nach Brasilien zurück. Grothues</p>

Und so weilt Pater Bento derzeit nur zum Gesundheits-check in seiner Geburtsstadt Ahaus - erstmals seit langer Zeit im Winter. Der ist zwar äußerst milde, aber Pater Bento ist nach 48 Jahren Äquatornähe eben anderes gewohnt. "Wenn es am Amazonas nachts abkühlt, dann ist es auch in der kalten Jahreszeit noch mindestens 25 Grad warm."

Pater Bento hat gerade erst in der brasilianischen Stadt Belem eine neue Aufgabe übernommen. "Ich versorge von dort aus die Missionare, die bei den Tirios leben mit Nachschub: Lebensmittel, die bei den Indianern nicht angebaut werden, Ersatzteile für den Generator und, und, und ...". Wie wichtig diese Versorgung ist, weiß Pater Bento aus eigener Erfahrung.

Er selbst hat 25 Jahre bei den Indianern gelebt und ihnen als Priester das Christentum nahe gebracht. Aber Pater Bento weiß: "Ich habe nicht nur die Menschen dort verändert, sie haben auch mich verändert. Wir können sehr viel von den Indianern lernen."

"Gott war schon da"

Ihre Einfachheit, ihre Fähigkeit zu teilen, ihr Umgang mit Konflikten seien urchristliche Tugenden, die sie längst vor den Missionaren kannten. "Gott", so Bento Letschert, "war viel früher als die Missionare dort." Er und seine Franziskanerbrüder hätten daher immer größten Wert auf den Erhalt der indianischen Lebensweise gelegt und Riten, Tänze und Feste in den christlichen Rahmen übernommen. "Wer den Indianern ihre Identität nimmt, verurteilt sie zum Untergang." Holzwirtschaft, Goldsucher, Straßenbau und moderne Land- und Viehwirtschaft engen den Lebensraum der Tirios weiter ein. Andererseits, so Pater Bento, wachse auch in Brasilien der Respekt vor der indianischen Kultur.

In Kürze reist Pater Bento wieder nach Belem. Und er freut sich nicht nur auf die tropischen Temperaturen. "In Deutschland ist nicht nur das Klima etwas kühler, sondern auch der Umgang der Menschen miteinander. Brasilianer sind freier und offener." Andererseits freut sich Pater Bento, immer wieder auf die Familie und seine Freunde in seiner Heimatstadt "in Klein-Sibirien." Für 2009 hat der brasilianische Münsterländer einen erneuten Besuch geplant: Zur Feier seines Goldenen Ordensjubiläums." gro

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