Schöffengericht

Angeklagten aus U-Haft entlassen, weil Zeugin einen Motorschaden hatte

Hat das Amtsgericht Ahaus einen Vergewaltiger auf freien Fuß gesetzt? Oder saß ein Unschuldiger in U-Haft? Diese Fragen blieben am Dienstag offen. Bis Oktober ist der Angeklagte ein freier Mann.
Wenig Geschick bewies ein 35-jähriger Fahrraddieb in Dinslaken. © picture alliance / dpa

In Handschellen wurde der Angeklagte am Dienstagmorgen von zwei Justizbeamten dem Schöffengericht in Ahaus vorgeführt. Dem in Untersuchungshaft einsitzenden Mann wurde schließlich eine schwere Straftat zu Last gelegt: sexuelle Belästigung, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung.

Hauptbelastungszeugin hatte Motorschaden in Chemnitz

45 Minuten später konnte er als fast freier Mann das Gerichtsgebäude verlassen. Das mutmaßliche Opfer hatte kurz vor Beginn des Strafprozesses in Ahaus angerufen: Ihr Auto sei kaputt, erklärte die Frau dem Gerichtsdolmetscher. Sie sei nur 100 Meter weit gekommen. Ihr derzeitiger Wohnsitz: Chemnitz, fast 600 Kilometer von Ahaus entfernt.

Der Vorsitzende Richter erwog nur kurz, ob ein Taxi die Lösung sein könnte. Aber Schöffen, Staatsanwältin, Gutachterin, Zeugen und Verteidigerin wollte er nicht mehr als sechs Stunden warten lassen. „Wir müssten dann ja noch bis in die Nacht hinein verhandeln.“

Haftbefehl außer Vollzug gesetzt

Das Verhalten des mutmaßlichen Opfers, so der Richter, sei „absolut nicht zu entschuldigen“, weil sie nach eigenen Angaben bereits vor Fahrtantritt gewusst habe, dass ihr Auto defekt sei. Es war nicht das erste Mal, dass die Hauptbelastungszeugin einen Prozesstermin platzen ließen.

Nachdem die Verteidigerin zugesichert hatte, dass der aus Osteuropa stammende Angeklagte eine Arbeitsstelle und über den Arbeitgeber auch eine Unterkunft in Ahaus habe, setzte der Richter den seit dem 16. März geltenden Haftbefehl außer Vollzug. Im Oktober soll der Prozess neu beginnen. Bis dahin muss sich der Mann zwei Mal in der Woche bei der Ahauser Polizei melden.

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