Anti-Atom-Bewegung macht für den 9. März mobil

mlzDemo in Ahaus

Bundesweit rufen Umweltinitiativen zu einer Teilnahme an der Anti-Atom-Demo in Ahaus am 9. März auf. Die Veranstalter feilen noch am Ablauf der Veranstaltung.

Ahaus

, 06.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Plakate und Flyer sind gedruckt, eine eigene Homepage gibt es auch schon: Die Vorbereitungen der Bürgerinitiative (BI) „Kein Atommüll in Ahaus“ für die Demonstration am Samstag, 9. März, laufen auf Hochtouren.

Die BI hat sich das Datum ausgesucht, um ihren Protest auf die Straße zu tragen, bevor die ersten Castoren aus Garching oder Jülich nach Ahaus rollen. Zudem wollen die BI-Mitglieder an den Jahrestag des Unfalls von Fukushima am 11. März 2011 erinnern.

Bundesweiter Aufruf

Bundesweit rufen Anti-Atom-Initiativen zu einer Teilnahme an der Atommüll-Demo in Ahaus auf. Dazu zählen unter anderem der Naturschutzbund NRW, der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und das Umwelt-Institut München. „Die überörtliche Vernetzung läuft über Telefonkonferenzen“, erklärt am Dienstag Udo Buchholz. Der Gronauer ist BBU-Vorstandsmitglied. Mit wie vielen Demonstrationsteilnehmern am 9. März in Ahaus zu rechnen ist, darüber will Udo Buchholz nicht mutmaßen. „Die voraussichtliche Teilnehmerzahl lässt sich derzeit schwer schätzen. Aber es wird sicher etwas Größeres werden.“

„Schwer zu kalkulieren“

Noch näher dran am Geschehen ist Felix Ruwe, Sprecher der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“. Doch auch er bleibt – angesprochen auf die voraussichtliche Teilnehmerzahl – im Ungefähren: „Das ist aktuell schwer zu kalkulieren.“ Im Moment seien etliche Verbände und Organisationen dabei, für eine Teilnahme zu werben. Klar sei, dass die Bürgerinitiative auch mit Teilnehmern über Nordrhein-Westfalen hinaus rechne.

Der geplante Ablauf der Veranstaltung sieht momentan so aus: Auftakt der Veranstaltung ist am 9. März um 12 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz in Ahaus. Es folgen „Redebeiträge“ und „Musik“, so ist der Homepage zu entnehmen. Wer zu der Menge sprechen wird, „darum geht es heute Abend auch in der Telefonkonferenz“, erklärt Felix Ruwe am Dienstagmittag im Gespräch mit unserer Redaktion. Vorgesehen seien auf jeden Fall ein oder zwei Redner aus den Reihen der Ahauser Bürgerinitiative. Die Frage, wen er denn als flammenden Redner der Anti-Atom-Bewegung gerne am Mikro sehen würde, beantwortet Felix Ruwe so: „Es gibt viele gute Leute. Ich bin sicher, dass da schon die richtigen Worte gesagt werden.“

Demonstrationszug

Vom Bahnhofsvorplatz soll sich der Demonstrationszug zum Rathaus bewegen. Dort ist eine Abschlusskundgebung geplant, ebenfalls mit Redebeiträgen und Musik sowie der „Volxküche“. Welchen Weg die Demo einschlagen wird, um zum Rathaus zu gelangen, darüber tüftelt die Bürgerinitiative noch. „Klar ist, dass es sich zunächst am Bahnhof knubbeln wird“, sagt Felix Ruwe. „Aber ein Demonstrationszug durch die komplette Innenstadt würde das Geschäftsleben an einem Samstagmorgen schon stark stören. Wir werden ja stark aus Ahaus heraus unterstützt. Wir wollen die Leute gerne mitnehmen, aber nicht benachteiligen.“

Nach der Abschlusskundgebung soll es gemeinsam – mit Bussen, Autos und Fahrrädern – zum Brennelemente-Zwischenlager gehen. „Es gibt ja immer noch Menschen, die den Ahauser Schandfleck (gemeint ist das Zwischenlager) noch nicht gesehen haben“, sagt Felix Ruwe. Unterstützt wird die Demo am Zwischenlager eventuell von einer größeren Abordnung an Landwirten mit ihren Traktoren.

Blick auf Bayern

Die BI tut alles, dass es am 9. März beim friedlichen Protest bleibt. Doch ganz verhindern lassen sich Ausschreitungen wohl nicht, sollten gewaltbereite Demonstranten mitmischen (wollen). „Sie können es nicht verhindern, dass solche Leute nach Ahaus kommen“, sagt Felix Ruwe. Das ließe sich nur vermeiden, wenn kluge Politik gemacht würde. „Wenn man die Atommüll-Transporte nicht stattfinden lassen würde“, verdeutlicht Felix Ruwe und verweist auf den Koalitionsvertrag von Freien Wählern und CSU in Bayern. „Bayern ist aus der Endlagersuche de facto ausgestiegen. Warum sollen wir akzeptieren, dass der Atommüll aus Bayern nach NRW abgeschoben wird?“ Kein anderes Bundesland habe so viel Atomstrom – und damit auch Atommüll – produziert.

Zulassung für Castor-Behälter

Nahrung für den Atomprotest am 9. März gab es Ende vergangener Woche in einer Pressemitteilung der Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ). Die BGZ, Betreiber des Zwischenlagers in Ahaus, teilte mit, dass das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) die verkehrsrechtliche Zulassung für den Transport- und Lagerbehälter Castor MTR 3 erteilt habe. Der Behälter soll für den Transport und die Lagerung abgebrannter Brennelemente aus dem Forschungsreaktor FRM II der Technischen Universität Garching in München genutzt werden. Die Brennelemente sollen im Zwischenlager Ahaus aufbewahrt werden. Voraussetzung für die Aufbewahrung dieses Behältertyps im Zwischenlager Ahaus sind aber noch weitere atomrechtliche Genehmigungen. Mit der Lagergenehmigung rechnen die Verantwortlichen im Laufe dieses Jahres, ebenso mit der ersten Beladung eines MTR 3 mit Brennelementen aus dem Forschungsreaktor.

Kontakt zur Polizei

Doch erst einmal steht die Demo Anfang März auf der Agenda. Nicht nur bei der Bürgerinitiative, sondern auch beim Zwischenlager-Betreiber BGZ und der Kreispolizeibehörde. BGZ-Sprecher Burghard Rosen erklärt am Dienstag, dass dem Unternehmen der Termin zur Demo selbstverständlich bekannt sei. Dabei gelte: „Wir stehen in regelmäßigem Kontakt zur Polizei, unabhängig von einzelnen Demonstrationen.“ Das wurde zum Beispiel im August vergangenen Jahres ersichtlich, als ein größeres Polizeiaufgebot am Zwischenlager eine „turnusmäßige Übung unter Sicherheitsaspekten“ durchführte. Burghard Rosen: „Bei angekündigten Demos gibt es dann natürlich noch engere Kontakte mit der Polizei.“

Polizei eingebunden

Für die Kreispolizeibehörde ist es noch zu früh, um mit Blick auf den 9. März über einzelne Maßnahmen zu reden. „Das eigentliche Gespräch mit den Veranstaltern der Demo steht noch aus“, sagt Polizeisprecher Frank Rentmeister am Dienstag. Die Aufgabe der Polizei reiche von der Begleitung des Demonstrationszuges über verkehrslenkende und verkehrssichernde Maßnahmen bis hin zur Vermeidung von Straftaten. „Wir werden uns natürlich vorbereiten.“

Auf dieser Internetseite gibt es Informationen zur „Ahaus Demo“ am 9. März, zum Ablauf und zum Hintergrund: www.atommuell-protest.de
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