Asiatisches Lokal in Ahaus versucht nach Brand und Corona den Neustart

mlzDoppelte Krise

Erst zerstörte ein Brand den Alltag von Familie Nguyen, dann kam Corona. Wann in den „Goldenen Drachen“ die Normalität zurückkehrt, ist ungewiss. Essen zum Mitnehmen soll ein Einstieg sein.

Ahaus

, 20.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zurzeit ist es nur ein handgeschriebener kleiner Zettel an der Tür des „Goldenen Drachen“, der den Gästen erklärt, warum die Tür des asiatischen Lokals geschlossen ist. Trotz der aktuellen Lockerungen des Corona-Lockdowns. Nach wie vor sind die Schäden, die das Feuer Anfang März angerichtet hat, nicht behoben. Ab Juni aber wollen sich die Wirtsleute Huong und Hai Nguyen zurückmelden: mit Gerichten zum Abholen.

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Rückblende: Am 4. März dieses Jahres war zuerst im benachbarten Sonnenstudio ein Feuer ausgebrochen. Das vietnamesische Ehepaar Nguyen, das über ihrer Gaststätte wohnt, hatte damals den Brand bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Der erste Eindruck vom Schaden, der sich nach dem Löscheinsatz der Wehr abzeichnete: Das Sonnenstudio sowie der hintere Teil der Gaststätte inklusive Toiletten sind nicht mehr nutzbar. Und neben Ruß und Löschwasser legte sich auch ein beißender Geruch von Verbranntem und Verkohlten über die gesamte Fläche der beiden Ladenlokale.

Sanierung dauert noch Monate

Selbst heute, fast drei Monate später, ist das immer noch wahrnehmbar. Durch eine Bauwand, die den hinteren Bereich abtrennt, dringt das laute Geräusch eines Sandstrahlers. Dort sind die Räume von Sonnenstudio und Lokal komplett entkernt und werden aufwändig saniert. Seit Anfang Mai laufen die Arbeiten und sollen auch noch längere Zeit dauern. „Wir rechnen mit vier bis fünf Monaten“, sagt Thanh Hai Nguyen. Weil es noch zahlreiche Untersuchungen der Brandstelle gab, hätten sie erst auch erst sehr spät begonnen.

Inzwischen steht aber die Brandursache eindeutig fest: „Es war ein technischer Defekt“, sagt Frank Rentmeister, Sprecher der Kreispolizeibehörde Borken. Das hätten die Untersuchungen und auch Zeugenaussagen bestätigt. Ein Zeuge hatte Qualm an einer Sonnenbank bemerkt. Die Höhe des Schadens schätzt die Polizei im sechsstelligen Bereich.

Für Hai Nguyen und seine Frau wie auch für die drei Kinder ist es „die schlimmste Zeit unseres Lebens“. Nicht nur finanziell hat es sie schwer getroffen. Zwar haben sie Corona-Soforthilfe bekommen, und auch von der Versicherung hat es schon Geld gegeben, die große Angst vor der Zukunft aber bleibt. Und der unfreiwillige Rückzug ins Privatleben fällt der ganzen Familie schwer. Aus Angst vor Ansteckung verlassen sie seit dem Auftauchen von Covid-19 die eigenen vier Wände kaum.

Essen zum Mitnehmen ab Juni

Auch für Sohn Falko sind Fernsehen und das Internet oft die einzige Abwechslung. Das Netz nutzt der 15-jährige Schüler des AHG auch für schulische Aufgaben und als Kontaktquelle. Ansonsten aber sei er nur zwei-, dreimal draußen gewesen, erzählt er: „Ich habe mich an die Kontaktsperre meiner Eltern gehalten.“ Für seine Mutter ist es besonders hart: „Ich möchte so gerne arbeiten, vermisse meine Kunden.“

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Um da einfach am Ball zu bleiben, will man ab Juni Essen zum Mitnehmen anbieten. Der vordere Bereich und die Küche sind weiter nutzbar. Zwar sind die Schüsseln im Büfett-Rondell schon seit langem leer, stapeln sich die Stühle der Gasträume, aber hier kann dennoch gewirtschaftet werden. Für die Nguyens ein ganz wichtiger Schritt: „Die größte Angst, die wir haben, ist, dass die Kunden uns vergessen“, sagt Huong Nguyen.

Da der „Goldene Drache“ aber sich vor allem mit seinem Büfett einen Namen gemacht hat, was mit den geltenden Hygienregeln nicht mehr vereinbar ist, kann man nur diese abgespeckte Version anbieten und auf die Treue der Gäste hoffen.

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