Atommüll soll bis 2057 im Zwischenlager bleiben

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Der Zwischenlager-Betreiber will schwach- und mittelradioaktiven Atommüll bis 2057 in Ahaus lagern. Entsprechende Pläne liegen jetzt aus. Eine Bürgerinitative kündigt Widerstand an.

Ahaus

, 12.01.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bis 2020 darf das Brennelemente-Zwischenlager Ahaus schwach- und mittelradioaktiven Atommüll lagern. Diese Frist soll bis zum Ende des Jahres 2057 verlängert werden. Entsprechende Antragsunterlagen des Betreibers liegen jetzt bei der Bezirksregierung Münster und der Stadt Ahaus öffentlich aus. Die Betriebserlaubnis für das gesamte Zwischenlager, einschließlich der Einlagerung hochradioaktiver Brennelemente, endet bislang im Jahr 2036.

„Bedrohliche Entwicklungen“

Die Bürgerinitiative (BI) „Kein Atommüll in Ahaus“ sieht im neuen Jahr bedrohliche Entwicklungen auf Ahaus zukommen. Dazu zählt laut BI nicht nur das Genehmigungsverfahren zur Verlängerung der Lagerdauer, dazu rechnet die BI auch geplante Castor-Transporte aus dem Forschungsreaktor FRM II in Garching bei München sowie Castor-Transporte aus dem stillgelegten Versuchsreaktor AVR in Jülich.

„Sollten alle diese Vorhaben realisiert werden, bekäme das Zwischenlager Ahaus eine komplett neue Dimension“, erklärte BI-Sprecher Felix Ruwe am Freitag auf Anfrage. Sowohl, was das eingelagerte Material angehe, als auch, was die zeitliche Dimension betreffe. Die Bürgerinitiative befürchtet eine schleichende Umwandlung des Zwischenlagers in ein Endlos-Lager. „Mit den extrem verlängerten Fristen droht Ahaus außerdem Sammelstelle für jeglichen Atommüll aus Deutschland zu werden“, sagte Felix Ruwe. Bei dem schwach- und mittelradioaktiven Atommüll handelt es sich um Reststoffe mit geringer Wärmeentwicklung wie Putzlappen, Metallschrott und ausgebaute Teile aus kerntechnischen Anlagen.

Der Hallenteil, in dem die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle im Ahauser Brennelemente-Zwischenlager gelagert werden.

Der Hallenteil, in dem die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle im Ahauser Brennelemente-Zwischenlager gelagert werden. © dpa

Über die Pläne des Widerstands will die Bürgerinitiative in der kommenden Woche näher informieren: beim BI-Stammtisch am Montag, 14. Januar, um 20 Uhr in der Gaststätte Am Schulzenbusch, Hof zum Ahaus 3, sowie einen Tag später in einem Pressegespräch. Eines ist für die Bürgerinitiative aber schon heute klar. Sollte die beantragte Genehmigung erteilt werden, will sie dagegen klagen.

Die Pläne des Zwischenlager-Betreibers (BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung), die Lagerfrist bis 2057 zu verlängern, seien „eine Unverschämtheit“, sagte Felix Ruwe im Gespräch mit unserer Redaktion. „Das dokumentiert die vollständige Hilflosigkeit in diesem Atommüllentsorgungsgeschäft“ und deute darauf hin, dass die Inbetriebnahme des geplanten Endlagers für diese Abfälle – Schacht Konrad – wohl noch Jahrzehnte auf sich warten lasse.

Schacht Konrad

Derzeit wird für Schacht Konrad in Salzgitter von einer Fertigstellung und Inbetriebnahme im Jahr 2027 ausgegangen. Der Abschlussbericht der Kommission zur Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe nennt als Datum „möglichst ab Anfang des nächsten Jahrzehnts“. Ursprünglich sollte in Schacht Konrad Atommüll ab 2013 eingelagert werden. Felix Ruwe: „Der Fertigstellungstermin wurde schon vier Mal verschoben.“

Die Bürgerinitiative befürchtet weiterhin, dass eine bis 2057 genehmigte Einlagerung von schwach- und mittelradioaktiven Stoffen als „Türöffner“ für die nur bis 2036 genehmigte Einlagerung von hochradioaktiven Brennelementen genutzt wird. Diese Befürchtung hatte die Bezirksregierung Münster schon im vergangenen Jahr zerstreut. Eine Zustimmung zur Einlagerung bedeute keinerlei Verpflichtung, das Zwischenlager über die derzeit laufende Genehmigung hinaus weiter zu genehmigen.

Unterschiedliche Befristungen

Auf Anfrage ging am Freitag BGZ-Sprecher Burghard Rosen ins Detail: Die unterschiedlichen Befristungen, das Jahr 2036 für die Aufbewahrung von Brennelementen und das Jahr 2057 für die Zwischenlagerung schwachradioaktiver Abfälle, würden sich in den eigenständigen Rechtsgebieten Atomgesetz und Strahlenschutzgesetz begründen. „Beide bestehen im Zwischenlager unabhängig voneinander.“ Die durch die Bezirksregierung zu erteilende Genehmigung sei völlig unabhängig von der Genehmigung zur Lagerung hochradioaktiver Brennelemente.

Burghard Rosen erläuterte, dass sich die beantragte Zwischenlagerung in Ahaus am Einlagerungszeitraum des Endlagers Konrad von 30 Jahren orientiere. Das Endlager Konrad soll im Jahr 2027 fertiggestellt sein. Darauf 30 Jahre gerechnet, ergebe die beantragte Zwischenlagerung von schwachradioaktiven Abfällen bis längstens 2057.

Entscheidung Ende 2019

Die Bezirksregierung Münster geht davon aus, über den aktuellen Antrag bis Ende dieses Jahres entscheiden zu können. „Wir streben an, diesen Termin zu halten“, sagte Sigrun Rittrich, Sprecherin der Bezirksregierung Münster. Nach der Öffentlichkeitsbeteiligung, die bis zum 6. März läuft, ist Mitte 2019 ein Erörterungstermin geplant.

Die Bürgerinitiative bereitet derweil einen Sammeleinspruch gegen die Pläne des Zwischenlager-Betreibers vor. Felix Ruwe: „Diesem Einspruch können sich die Menschen in Ahaus und Umgebung anschließen und damit bekunden, gegen die Verlängerung der Einlagerung zu sein.“

Die Planunterlagen liegen bis Mittwoch, 6. März, zur Einsichtnahme in der Stadtverwaltung Ahaus, Fachbereich Bauordnung, Rathausplatz 1, Zimmer 135 bis 139, von montags bis donnerstags zwischen 9 und 12.30 Uhr und 14.30 bis 16.30 Uhr öffentlich aus. Die Unterlagen sind auch online bis einschließlich 6. März einzusehen. Einwendungen gegen das Vorhaben sind innerhalb der Auslegungsfrist bei der Bezirksregierung und bei der Stadt Ahaus möglich.
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