2009 wurde Inseco gegründet, seitdem wächst das Ahauser Unternehmen kontinuierlich. © René Roeterink
Ahauser Wirtschaft

Auch wegen Corona-Pandemie: Auftragslage bei „Inseco“ explodiert

Die Bücher beim Ahauser Walzen- und Zylinderproduzenten „Inseco“ sind voll. Das liegt auch an Corona. Denn seit Ausbruch der Pandemie hat im Bereich Kunststoff ein Umdenken stattgefunden.

Die weltweite Finanzkrise 2008 traf auch in der Region viele Unternehmen hart. Mitten in dieser Phase kehrte der Wessumer Udo Roeloffzen nach Studium und anderen Stationen in seine Heimat zurück und versuchte, bei einem Ahauser Walzen-Produzenten zu retten, was nicht mehr zu retten war. Auf die Insolvenz folgte eine Neuanfang. Gemeinsam mit einem Investor gründete er das Unternehmen „Inseco“. Heute steht es so gut da wie nie zuvor in seiner zwölfjährigen Geschichte. Tendenz: weiter steigend. Und das hat auch mit Corona zu tun.

Udo Roeloffzen hat das Unternehmen gegründet und ist seitdem Geschäftsführer.
Udo Roeloffzen hat das Unternehmen gegründet und ist seitdem Geschäftsführer. © René Roeterink © René Roeterink

Aber von Anfang an: Mit 30 Mitarbeitern, denen kurz zuvor noch die Arbeitslosigkeit gedroht hatte, wagte Udo Roeloffzen 2009 den Neustart. Die Strategie seines Unternehmens passte er in vielen Bereich an. Weg vom reinen Lieferanten für die Tiefdruckindustrie – hin zum renommierten Produzenten technischer Zylinder und Walzen für nahezu jeden Industriebereich.

Auf einer Fläche von über 7000 Quadratmetern werden im Ahauser Industriegebiet inzwischen auch Zylinder für die Druckindustrie und Präzisionszylinder für den Bereich Converting (engl. „Verarbeitung“) entwickelt und gefertigt. Inseco etablierte sich auf dem Markt und wuchs zu einem soliden, mittelständischen Unternehmen heran.

Weg geht nicht nur bergauf

Doch der Weg ging nicht immer nur bergauf. Durch die neuen Medien sind die Auflagen von Zeitschriften und Katalogen deutlich zurückgegangen. „Da viele unserer Walzen für den Druck genutzt werden, hatten wir Probleme, dieses Produkt weiter zu verkaufen“, berichtet der Geschäftsführer. Auch ein weiteres Standbein – technische Walzen zur Herstellung von Kunststoff-Verpackungen – geriet in Gefahr. „Auf dem Markt fand ein Umdenken statt. Wenn man konnte, wurde Kunststoff vermieden – aus Gründen des Umweltschutzes“, so Roeloffzen.

Doch dann kam das Coronavirus. Die Pandemie löste ein Umdenken vom Umdenken aus. „So makaber es klingt, unsere Branche profitiert von der Krise“, sagt der Inseco-Geschäftsführer. Denn plötzlich ist Kunststoff gefragter denn je. „Alles wird wieder in Plastik eingepackt. Das fängt morgens an, wenn man die neue FFP2-Maske auspackt, und setzt sich den Tag über an vielen Stellen fort. Hygiene ist das Gebot der Stunde.“ Seine Kollegin Bettina Dönnebrink fasst es so zusammen: „Aktuell geht Sicherheit vor Umweltschutz.“

Auftragslage durch Corona explodiert

Die Auftragslage bei Inseco ist seitdem explodiert. Alles wuchs so schnell, dass man kaum hinterherkam. „Wir haben eine neue Halle angebaut. Außerdem wurde ein Schweißroboter installiert, der in diesen Tagen in Betrieb genommen wird“, berichtet Roeloffzen. Auch nach Personal sucht man händeringend. „70 Mitarbeiter reichen nicht mehr aus.“ Denn ein Ende des Hochs ist nicht in Sicht. „Das ist kein Strohfeuer. Wir haben Aufträge bis in das Jahr 2023 hin. Wir müssen sogar Anfragen ablehnen.“

Die Produktionsfläche wächst und wächst. Eine weitere Halle wird gerade in Betrieb genommen. Außerdem erfolgt eine stetige Modernisierung des Maschinenparks.
Die Produktionsfläche wächst und wächst. Eine weitere Halle wird gerade in Betrieb genommen. Außerdem erfolgt eine stetige Modernisierung des Maschinenparks. © René Roeterink © René Roeterink

Besonders in Asien boomt das Geschäft. Davon profitiert Inseco indirekt. „Unsere Kunden sind deutsche Anlagenbauer, aber ihre Abnehmer sitzen in China, Vietnam oder Kambodscha“, sagt Udo Roeloffzen. Doch es ist nicht nur der Kunststoff, der seit Beginn der Corona-Pandemie immer stärker nachgefragt wird. Auch der Bereich E-Commerce, also der elektronische Handel, hat durch Covid-19 weiter an Fahrt aufgenommen. Online-Versandhäuser wie Amazon, Zalando und Co. erfreuen sich – zum Leidwesen des Einzelhandels – immer größer Beliebtheit. Die Walzen von Inseco dienen dabei für die Herstellung der Verpackung, zum Beispiel Wellpappe.

Corona-Pandemie sorgt auch für strenge Auflagen

Trotz der guten Auftragslage hat an anderer Stelle das Unternehmen, wie alle anderen auch, mit den Folgen des Coronavirus‘ zu kämpfen. „Es gibt sehr strenge Auflagen, wie die Produkte verpackt sein müssen. Außerdem wollen wir unsere Mitarbeiter natürlich so gut es geht vor Infektionen schützen“, sagt Udo Roeloffzen.

Das bedeutet konkret: Homeoffice für die Verwaltung, Masken und Abstand für die Mitarbeiter der Produktion. Außerdem gibt es zeitversetzte Schichten, um Kontakte untereinander zu reduzieren. „Generell funktioniert das ganz gut, aber natürlich ist nicht jeder begeistert, wenn er acht Stunden eine medizinische Maske tragen muss“, sagt Bettina Dönnebrink.

Der neue Schweißroboter wurde gerade in Betrieb genommen.
Der neue Schweißroboter wurde gerade in Betrieb genommen. © Inseco © Inseco

Generell blickt sie aber ebenfalls optimistisch in die Zukunft. „Wir können mit individuellen Lösungen punkten. Bei uns gibt es nichts von der Stange. Darin unterscheiden wir uns von vielen Mitbewerbern.“ Um weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben, wird an vielen Stellen investiert. Udo Roeloffzen berichtet: „Wir werden unseren Maschinenpark und die Fertigungsprozesse weiter modernisieren. Unser Ziel ist es, weiter zu wachsen.“ Unabhängig von der Corona-Pandemie. Denn die hat auch der Inseco-Geschäftsführer langsam satt.

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann

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