Ein Herz für Tiere: Kirsten Remmers-Boruzki mit Holiday. © Oliver Kleine
Gnadenhof in Alstätte

Auf der Flucht vorm Metzger: Das Asyl für einsame Esel und Ferkel

Pferde und andere Tiere, denen der Gang zum Schlachter oder ein ungewisses Schicksal droht, finden am Pferdehof Ahaus ein Zuhause. Doch die Corona-Krise macht den Tierfreunden zu schaffen.

Der Himmel über Alstätte ist grau in grau, der Lehmboden am Paddock vom Regen der letzten Tage matschig. Die Wiesen ähneln einer Seenlandschaft. Doch nur auf den ersten Blick ist es hier ungastlich. Holiday kommt fröhlich angetrabt, als Kirsten Remmers-Boruzki den Auslauf betritt. Die Welsh-Mountain-Stute weiß, jetzt darf sie auf die Wiese. Sohn Sindbad wartet schon.

Während der Filius sich den ganzen Tag über das Gras hermacht, ist für Holiday der Weidegang auf eine Stunde begrenzt. Der Grund: Die Stute leidet an einer Stoffwechsel-Erkrankung.

Ganter Theo und seine Gefährtinnen Goldi und Gundi haben am Pferdehof Ahaus ein Zuhause gefunden. © Oliver Kleine © Oliver Kleine

Die Gründe, warum die Tiere nach Alstätte kommen, sind vielfältig: „Wenn der Besitzer stirbt. Oder die Kinder sind groß geworden und niemand will die Ponys haben“, erklärt Kirsten Remmers-Boruzki.

Der Verein hat unzähligen Tieren, die niemand mehr haben wollte, in den zehn Jahren seines Bestehens eine neue Heimat gegeben. Der Gnadenhof existiert sogar schon deutlich länger. Die 51-Jährige und ihre Adoptiv-Eltern haben ihn bis zu deren Tod privat unterhalten.

„Man kann zwar nicht die Welt retten, aber es ist jedes Mal ein schönes Gefühl, ein Tier aufzunehmen und ihm ein glückliches, zufriedenes Leben bieten zu können“, sagt die Zahntechnikerin. Es ist eine bunte Truppe am Beßlinghook. Der Pferdehof Ahaus bietet nämlich nicht nur Pferden ein Zuhause. Neben den beiden Ponys und drei Großpferden kümmern sich die Aktiven zurzeit um zwei Schafe, drei Gänse, zwei Kangal-Hunde und 20 Hühner. In all den Jahren haben die unterschiedlichsten Tiere hier eine glückliche Zeit verbracht.

Die Rettung von Karlsson, dem Tombola-Gewinn

Die ungewöhnlichste Rettung erfuhr wohl Karlsson. Das Ferkel war einst der Hauptgewinn einer Tombola an einer Schule. „Die Schülerin, die das Ferkel gewann – ausgerechnet die Tochter des Metzgers – wollte es nicht schlachten lassen. So kam Karlsson zu uns und hatte hier schöne Jahre.“

Ein Esel gehörte auch schon zu den Bewohnern. Der hatte sich praktisch selbst dort einquartiert. Er büxte immer wieder von seiner Weide aus und gesellte sich zu den Gnadenhof-Pferden. „Wie brachten ihn zurück und ein paar Tage später war er wieder da“, so die zweite Vorsitzende des Tierschutz-Vereins. Bis man sich entschied, ihn dauerhaft aufzunehmen. „Er hatte vorher mit einem Pony zusammengestanden. Als das nicht mehr da war, fühlte er sich einsam.“

Familie: Die Welsh-Mountain-Ponys Holiday und Sindbad sind Mutter und Sohn. © Oliver Kleine © Oliver Kleine

Sommerfest musste ausfallen

Fördermitglieder, Tierpatenschaften , Geld- und Sachspenden halten den Hof und seine Tiere am Leben. Denn Futter und die Pacht für die Weiden müssen bezahlt werden. Dazu kommen die Kosten für den Hufschmied, den Tierarzt.

Doch die Corona-Krise macht den zehn Aktiven des Vereins zu schaffen. „Bei unserem Sommerfest haben wir jedes Jahr viele Spenden für unsere Arbeit gesammelt. Das Fest ist wegen Corona nun das zweite Mal in Folge ausgefallen. Und die Spenden fehlen uns jetzt.“

Aber es gebe auch spontane Spender. Der Landwirt, der 50 Ballen Heu vorbeigebracht hat. Die Arztpraxis, die Spenden gesammelt und davon eine Autoladung Futter gekauft hat. Die beiden Frauen, die mit einem Gutschein für den Landhandel kamen. „Darüber freuen wir uns sehr. Das hält uns über Wasser“, sagt Kirsten Remmers-Boruzki.

Tierpaten und Helfer gesucht

Sie hofft, dass sich Spender oder Tierpaten finden, die dem Verein über die schwierige Zeit helfen. Eine Tierpatenschaft ist schon ab fünf Euro im Monat möglich. Futter-Spenden sind ebenso willkommen wie Helfer, die mit anpacken.

Auch (Hobby)-Handwerker wären eine große Unterstützung. „Die Zäune beispielsweise sind uralt. Das ist ganz schön viel Arbeit hier. Und wir sind alle berufstätig.“

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