Klaus Hilgemann sieht vor allem an dieser Kreuzung am Ortseingang Wüllen großes Unfallpotential – insbesondere auf der Rechtsabbiegerspur. © Markus Gehring
Verkehr

Aus Angst vor Unfällen: Ahauser wünscht sich „holländische“ Ampelschaltung

Wenn Autofahrer und Radfahrer zeitgleich Grün haben, kommt es leichter zu Unfällen. Das sagt zumindest der Ahauser Klaus Hilgemann. Im Blick hat er dabei vor allem zwei größere Kreuzungen.

Ampelschaltungen an Ahauser Kreuzungen sind seit Jahrzehnten ein Dauerthema in der Bevölkerung. Meist geht es dabei um (unnötig) lange Wartezeiten für Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger. Lieblings-Auf­re­ger der Ahauser­: die Ampel am Bahnübergang Hindenburgallee/Parallelstraße.

Klaus Hilgemann bereiten andere Kreuzungen in Ahaus mehr Sorgen. Nicht wegen Wartezeiten, sondern wegen potenzieller Unfälle. Der 60-Jährige, der früher als Außendienstler beruflich bis zu 50.000 Kilometer pro Jahr mit dem Auto unterwegs war, sagt: „Wir riskieren schwere Unfälle, wenn wir an den Ampelanlagen Wüllener Straße/Adenauerring und Stadtlohner Straße/Düwing Dyk nichts unternehmen.“

„Als Autofahrer hat man keine Chance“

Der Ahauser ist mittlerweile in Altersteilzeit, fährt aber nebenbei noch Medikamente aus. Gerade in den frühen Morgenstunden, wenn es noch dunkel ist, beobachte er bei seiner Arbeit an den benannten Kreuzungen sehr gefährliche Situationen. „Als Rechtsabbieger kann ich noch so gut in die Spiegel schauen. Aber wenn da ein Radfahrer von hinten angeschossen kommt, der ebenfalls Grün hat und auf sein Vorfahrtsrecht besteht, hat man als Autofahrer keine Chance.“

Damit riskiere man nicht nur die Verletzung eines Menschen, sondern auch die posttraumatische Belastung des Pkw- oder Lkw-Fahrers. „Ich erinnere mich noch gut an den schweren Unfall im Jahr 2006. Seitdem ist zu wenig passiert“, behauptet Hilgemann. Damals erfasste ein Lastwagen des Bauhofs einen zwölfjährigen Schüler und verletzte ihn tödlich.

Vorschlag: separate Grünphase für Radfahrer und Fußgänger

Der Vorschlag des Ahausers: eine separate Grünphase für Radfahrer und Fußgänger. „Wenn die Autos stehen, kann es nicht krachen“, sagt der 60-Jährige. Dieses Ampel-Modell ist in den benachbarten Niederlanden weit verbreitet. Auch nach Deutschland ist es mittlerweile herübergeschwappt.

Zum Beispiel wurde in Vreden die Kreuzung Ottensteiner Straße/B70 schon im Jahr 2005 nach dem niederländischen Vorbild geschaltet. Seitdem ist es dort zum Beispiel auch möglich, als Radfahrer die Kreuzung im wörtlichen Sinne zu überqueren. Vorteil: So spart man sich eine Ampelschaltung.

Stadt Ahaus reagiert zurückhaltend

Die Stadt Ahaus kennt Klaus Hilgemanns Überlegungen bereits seit anderthalb Jahren. In einem Antwortschreiben erklärte ihm der damalige Fachbereichsleiter des Ordnungsamtes, dass für die besagten Kreuzungen zwar der Landesbetrieb Straßen.NRW zuständig sei, man seinen Vorschlag aber in das neue „Radwegekonzept“ aufnehmen werde.

Der Fachbereichsleiter äußerte sich aber generell skeptisch, weil er lange Warteschlangen an den vielbefahrenen Straßen befürchte. Der 60-jährige Ahauser hielt schon damals dagegen: „Wenn ich als Autofahrer nicht rechts abbiegen kann, weil ich auf Fußgänger und Radfahrer warten muss, halte ich ebenfalls den Verkehr auf und sorge für Rückstau.“

Und wie schätzt die Verwaltung die Lage heute ein? Auf Nachfrage erklärt die Pressestelle der Stadt Ahaus schriftlich: „Das Radwegekonzept für die Stadt Ahaus ist aktuell in Arbeit.“ Unter den „wesentlichen Verbesserungsvorschlägen“ wird als erster Punkt genannt: „Eigene Ampelphasenschaltung mit Diagonalquerung (holländische Schaltung) des Knotenpunktes für Radfahrer und Fußgänger.“ Klaus Hilgemanns Anregung ist offenbar nicht unter den Tisch gefallen.

Großer Aufwand bei Anpassung der Ampelschaltung

Große Hoffnung auf baldige Änderung macht die Stadt Ahaus ihm allerdings auch nicht. Wie schon in der Vergangenheit betont die Pressestelle den Aufwand, der mit einer Anpassung von Ampelschaltungen einhergeht. „Eine Änderung des komplexen Schaltnetzes mit seinen vielfachen Auswirkungen kann nur im Rahmen einer generellen Verkehrsplanung, wie zum Beispiel im Rahmen des Radwegekonzepts der Stadt Ahaus, unter Beachtung aller Verkehrsbelange verwirklicht werden“, heißt es in der Antwort.

Klaus Hilgemanns weiterer Vorschlag, die niederländische Ampelschaltung zunächst an einer kleineren Kreuzung auszuprobieren, scheint hingegen realistischer. Denn die Stadt schreibt auch: „An anderer Stelle in Ahaus steht das Konzept durchaus zur Debatte.“

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann

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