Aus der Not geborene „Männer-WG“ auf Zeit

Im Haus Abraham

Ein unscheinbares Haus mitten in Ahaus (Kreuzstraße). Hier leben zur Zeit sieben Männer mit der Ordensschwester Bernhildis zusammen. Ihr Ziel: Wieder eigenständig auf dem Wohnungsmarkt Fuß fassen. Kein leichtes Unterfangen – die Männer haben mit vielen Vorurteilen zu kämpfen.

AHAUS

von Von Kai Lübbers

, 08.05.2013, 17:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jörg Hundt wohnt seit drei Jahren und zwei Monaten in der Einrichtung des Vereins „Haus für Männer in Not“ – Haus Abraham. Vor zehn Jahren zog er nach Ahaus, gebürtig kommt er aus Schwerin. Er hat schon in Salzgitter, Gronau, Graes und Helmstedt gelebt. „Irgendwann bin ich hierher gekommen, es ging nicht mehr weiter“, sagt der 45-Jährige. Seine letzte Anlaufstelle war das Haus Abraham. Dort bekam er unbürokratische Hilfe. Jeder Bewohner, der vorübergehend in das Haus einzieht, wird zuerst bei Pfarrer Heinrich Plaßmann vorstellig. „Es gibt eigentlich keine Kriterien, um Leute abzulehnen. Unser Haus bietet aber nur sechs Menschen Platz“, erklärt er. Für Notunterbringungen steht ein weiterer Schlafplatz zur Verfügung. „Gerade zur Weihnachtszeit haben wir vermehrt Anfragen. Und auch in der Karwoche hätten wir eigentlich zehn Zimmer mehr vermitteln können“, sagt Schwester Bernhildis. Sie wohnt seit September 2007 im Haus Abraham, in einer kleinen, eigenständigen Wohnung im Obergeschoss. 132 Menschen mit ganz unterschiedlichen Schicksalen hat sie in dieser Zeit kommen und gehen sehen. „Manchmal findet man morgens nur noch den Zimmerschlüssel, einen kleinen Zettel, und der Bewohner ist weg“, erzählt sie. Andere „Mieter“ halten noch Jahre nach dem Auszug Kontakt zu der Schwester des Franziskanerordens. Der Tagesablauf in der „Männer-WG“ ist genau durchorganisiert. Morgens um neun Uhr gibt es Frühstück, für Schüler und Erwerbstätige schon um sieben Uhr. Um zwölf Uhr wird zu Mittag gegessen, um 18 Uhr das Abendbrot eingenommen. „Spätestens da haben alle zu erscheinen, damit wir gemeinsam essen können“, sagt die Schwester. Im Moment leben Menschen im Alter von 20 bis 52 Jahren in der Einrichtung. „In den letzten Jahren haben wir verstärkt jüngere Menschen aus zerrütteten Verhältnissen im Alter von 17 bis 23 Jahren aufgenommen. Aber das ist kein Problem – dadurch bleibt man jung“, so die 78-Jährige.

Das größte Problem für die Hausbewohner ist die Wohnungssuche. „Oft knallen die Vermieter schon den Hörer auf, wenn ich meinen Namen nenne oder sage, ich komme aus dem Haus Abraham“, merkt Jörg Hundt an. Kleine Wohnungen, die mit dem Hartz-IV-Satz finanzierbar seien, gäbe es in Ahaus kaum, sagt der Bewohner. 390 Euro zahlt er für sein Zimmer im Haus Abraham – einen richtigen Mietvertrag gibt es nicht. „Alle Nebenkosten, der morgendliche Weckdienst und die Verpflegung gehören dazu“, erklärt Hundt. Sein größter Wunsch aber bleibt: Bald wieder in seinen eigenen vier Wänden zu leben.

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