Die beiden Schülerinnen Mai-Linn Gunawan und Luisa Alfert (v.l.) haben viele interessante Dinge erfahren beim Azubi-Speed-Dating. © Laura Schulz-Gahmen
Azubi-Open-Air

Azubi-Open-Air am Schloss: „Ich wusste nicht, dass es so etwas gibt“

Beim Azubi-Open-Air im Schlosspark war einiges los. Sowohl potentielle Auszubildende als auch ausbildende Unternehmen haben die Chance genutzt, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Neugierige Blicke huschten hin und her, man blieb stehen, schaute sich um und überlegte, ob man jetzt oder später jemanden ansprechen soll. Man suchte Blickkontakt und sobald jemand lächelte, ergriff man die Chance und traute sich.

So war es zumindest früher, also als ich mich noch auf der Suche befand. Hört sich nach einer Partnerbörse an? Naja, das war es nicht so ganz. Hier ging es zwar auch darum, den oder die Richtige zu finden, aber um die große Liebe ging es nicht, höchstens um die Liebe zum Beruf. Am Samstag, 12. Juni, gab es ein Azubi-Open-Air im Schlosspark in Ahaus.

Erste Jobmesse nach zwei Jahren

Es war die erste richtige Jobmesse seit zwei Jahren für Unternehmen und potentielle Auszubildende. Angestoßen wurde die Messe von der Wirtschaftsförderung Ahaus. Zwischen 10 und 14 Uhr konnten Unternehmen sich vorstellen, die Berufe, die sie anbieten und neugierigen jungen Menschen erklären, was ein Industriekaufmann, Bauzeichner oder jemand im Marketing so macht.

Nicht die komplette Fläche des Schlossgartens konnte von Unternehmen für die Jobmesse gefüllt werden.
Nicht die komplette Fläche des Schlossgartens konnte von Unternehmen für die Jobmesse gefüllt werden. © Laura Schulz-Gahmen © Laura Schulz-Gahmen

Auf der anderen Seite waren da die Gesuchten: Schülerinnen und Schüler. Sie haben die Chance ergriffen und sich im Schlosspark in Ahaus viele verschiedene Berufe angesehen.

10 bis 15 gute Gespräche

Und das haben nicht wenige junge Leute gemacht. Thomas Büscher, Geschäftsführer von Elektrotechnik B und H aus Ahaus war begeistert, wie viele junge Menschen am Samstag vorbei gekommen sind, „vor allem weil die Messe recht kurzfristig auf die Beine gestellt wurde.“

Thomas Büscher von Elektrotechnik B und H mit Azubis Tim Weichert und Tochter Thea bei der Jobmesse im Schlosspark.
Thomas Büscher von Elektrotechnik B und H mit Azubis Tim Weichert und Tochter Thea bei der Jobmesse im Schlosspark. © Laura Schulz-Gahmen © Laura Schulz-Gahmen

„Wir hatten bestimmt 10 bis 15 gute Gespräche“, freut sich Thomas Büscher, als ich ihn gegen 12.45 Uhr frage, wie die Messe bisher so lief. Und was bietet das Unternehmen Elektrotechnik B und H für Ausbildungsberufe an? „Wir suchen Azubis für Elektrotechnik und Kauffrauen- und männer“, sagt er.

„Er wollte unbedingt sofort loslegen“

Aber nicht nur Gespräche sind bei der Messe herumgekommen, sondern auch positive Ergebnisse, denn: „Einer mit dem wir gesprochen haben, macht jetzt einen Ferienjob bei uns und möchte danach auch eine Ausbildung bei uns als Elektrotechniker machen“, freut sich Thomas Büscher über den Erfolg der Messe. „Er wollte unbedingt sofort loslegen“, ergänzt er noch.

Aber einen Wermutstropfen sieht Thomas Büscher dann doch: „Es ist schon etwas schade, dass nur so wenige Firmen da sind.“ Ich schaue mich um und erkenne: Ja, ein paar Lücken hätten tatsächlich noch gefüllt werden können mit weiteren Unternehmen. Denn das Gelände des Schlossgartens hätte mehr Platz geboten als offenbar benötigt wurde.

Schauen welche Berufe es überhaupt gibt

Auf dem Weg zum nächsten Stand laufen mir zwei Schülerinnen entgegen, ich frage sie, warum sie hergekommen sind. Louisa Alfert (17) aus Heek: „Wir machen nächstes Jahr unser Abitur und wollen mal schauen, was es für Berufe und duale Studiengänge gibt“, sagt sie.

Ihre Freundin Mai-Lin Gunawan (16) aus Ahaus sagt: „Ich weiß noch nicht, ob ich eine Ausbildung machen möchte, aber man kann sich ja mal umschauen.“ Louisa Alfert weiß nicht einmal, ob sie überhaupt in der Gegend bleiben möchte, aber auf die Art lerne man wenigstens, welche Berufe es überhaupt so gibt.

Schülerinnen kannten Konzept des Trainees noch nicht

Besonders interessant fanden sie den Stand vom Software Unternehmen Tobit.Labs. „Da haben uns die Mitarbeiter viel von ihren eigenen Erfahrungen erzählt“, sagt Louisa Alfert. Neu war ihr die Möglichkeit ein Trainee zu machen. „Ich wusste nicht, dass es so etwas gibt.“ Bei Tobit.Labs könne man zehn Monate in verschiedene Bereiche wie Softwareentwicklung und Marketing reinschnuppern. „Das ist so wie ein bezahltes Praktikum“, sagt die 17-Jährige aus Heek.

Einige Unternehmen waren am Samstag, 12. Juni, im Schlosspark auf der Suche nach Auszubildenden.
Einige Unternehmen waren am Samstag, 12. Juni, im Schlosspark auf der Suche nach Auszubildenden. © Laura Schulz-Gahmen © Laura Schulz-Gahmen

Wegen Corona seien viele Jobmessen ausgefallen. Es hätten zwar digitale Messen stattgefunden, „aber die haben einfach nichts gebracht“, so Mai-Lin Gunawan. Deshalb haben sich die zwei Freundinnen über die Jobmesse im Schlosspark gefreut: „Das ist echt eine coole Aktion“, sagt Louisa Alfert.. Vor allem, weil man man wieder ohne Masken mit Menschen sprechen kann. Einzelgespräche vor Ort seien einfach besser. „Da wird die Jobmesse sogar zu einem richtigen Erlebnis“, so die 17-Jährige.

Auf der Suche nach Azubis für 2021

Am Stand von der Firma Orbis Will Werkzeuge und Tools spreche ich mit Geschäftsführer Michael Graf und seinem Auszubildenden Sven Wensing (20). Der 20-Jährige macht eine Ausbildung zum Industriemechaniker bei Orbis Will. Beide sind sich einig, es lief besser als erwartet. Denn die Messe wurde erst vor zwei Wochen ins Gespräch gebracht. Dafür seien viele junge Menschen vorbei gekommen und hätten sich für Ausbildungen interessiert, allerdings viele von ihnen erst für das nächste Jahr.

Michael Graf und sein Auszubildender Sven Wensing haben viel gute Gespräche mit jungen Leuten geführt.
Michael Graf und sein Auszubildender Sven Wensing haben viel gute Gespräche mit jungen Leuten geführt. © Laura Schulz-Gahmen © Laura Schulz-Gahmen

Michael Graf sucht aber noch zwei Azubis für das aktuelle Jahr. „Wir suchen noch einen Industriemechaniker und einen Verfahrensmechaniker für Kunststofftechnik“, sagt der Geschäftsführer. Aber er ist sich sicher, durch die vielen guten Gespräche am Samstag, werden einige Bewerbungen eingehen.

Einige sind noch unentschlossen

Ich gehe weiter und frage beim Ahauser Unternehmen Terhalle Holzbau, Objektbau, Innenausbau, Fenster und Fassadeneinen den Geschäftsführer, Ludger Wittland, wie er den Erfolg der Jobmesse beurteilt. „Es läuft sehr gut. Wir haben viele interessante Gespräche geführt“, sagt er.

Viele Schülerinnen und Schüler kämen gezielt zum Unternehmen Terhalle, um sich über die Ausbildungsberufe zu informieren, andere wären aber noch unentschlossen und würden sich eher umsehen. Auch viele Eltern sind mit dabei gewesen. Beim Unternehmen Terhalle gibt es einige Ausbildungsberufe: Zimmerer/in, Dachdecker/in, Tischler/in, Industriekaufmann und -frau, Bauzeichner/in, Informatiker/in und sogar duale Studiengänge für Holzingenieur und Bauingenieur. Vielleicht gibt es in Ahaus bald ein paar Tischler oder Tischlerinnen mehr.

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
Zur Autorenseite
Laura Schulz-Gahmen

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.