Bäume in Not: Stadt Ahaus setzt auf Bewässerungsringe

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Geht das Baumsterben in diesem Sommer aufgrund lang anhaltender Trockenheit weiter? Bündnis 90/Die Grünen fordern, alte Bäume im Stadtgebiet mit sogenannten Wassersäcken zu bewässern.

Ahaus

, 22.06.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Theo Schwarte macht sich große Sorgen um den alten Baumbestand in Ahaus. Die Trockenheit habe den Bäumen – vor allem Buchen – zugesetzt. „In den Kronen erkennt man bereits wieder die Schäden“, sagt der Ahauser, der sich vehement für Umwelt- und Naturschutz einsetzt. Ob der Regen der vergangenen Tage die Wurzeln der Baumriesen erreicht, ist fraglich.

Bewässerungsmethoden

Schwarte verweist auf Bewässerungsmethoden in anderen Städten. In Steinfurt zum Beispiel würden alte Bäume mit sogenannten Wassersäcken bewässert. In Ahaus sei dies noch nicht der Fall.

Das Thema haben auch Bündnis 90/Die Grünen in einem Antrag zur nächsten Ratssitzung am 24. Juni aufgegriffen. Sie fordern, Wassersäcke für Stadtbäume „anzuschaffen, aufzustellen und zu bewirtschaften“.

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In vielen Städten würden Wassersäcke eingesetzt. „Sie sorgen dafür, dass Gießwasser nicht unkontrolliert abläuft, sondern tatsächlich die Baumwurzeln versorgt werden und nicht das umliegende Erdreich. Sie werden um die Bäume gelegt und mit einem Reißverschluss geschlossen. Das Wasser sickert nach und nach in den Boden“, heißt es in dem Antrag der Grünen zur Ratssitzung.

Paul Janning vom Fachbereich Tiefbau und Entsorgung der Stadtverwaltung berichtet, dass der Regen der vergangenen Tage dem Boden und den Bäumen gut getan habe. Das Bewässern alter Bäume sei aber nicht üblich, erklärt Janning im Gespräch mit unserer Redaktion.

Eine Aufnahme aus Steinfurt, dort werden alte Bäume mit Wassersäcken bewässert. Die Stadt Ahaus hält das nicht für praktikabel.

Eine Aufnahme aus Steinfurt, dort werden alte Bäume mit Wassersäcken bewässert. Die Stadt Ahaus hält das nicht für praktikabel. © Theo Schwarte

Das teilt auch die Pressestelle der Stadt mit: „Alte Bäume werden nicht bewässert, da eine Bewässerung aufgrund des sehr weit gefächerten Wurzelwerks ohne Weiteres nicht möglich ist.“

Normalerweise würden sich Bäume über das Grundwasser versorgen, erklärt Paul Janning. „Aber bei zwei trockenen Sommern hintereinander erreichen Buchen als Flachwurzler das Grundwasser nicht mehr.“

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Dazu die Pressestelle der Stadt: „Bewässert werden grundsätzlich die Neuanpflanzungen im ersten und zweiten Jahr. Bei sehr starker Trockenheit werden auch die drei- und vierjährigen Anpflanzungen bewässert.“ Im Stadtgebiet Ahaus würden die Bäume seit dem 1. April dieses Jahres wieder mit Wasser versorgt.

Stadt befürchtet Vandalismus

„Wassersäcke werden aufgrund von Vandalismus in Ahaus nicht eingesetzt. Bei Neuanpflanzungen würden Bewässerungsringe eingebaut, teilt die Pressestelle mit. „Die Kollegen vom Baubetriebshof bewässern jeweils mit 300 Liter pro Baum und Wässerungsgang“, erläutert Paul Janning. „Man rechnet mit sechs Quadratmeter Bewässerungsfläche pro Baum, das sind dann 50 Liter pro Quadratmeter für eine tiefgründige Bewässerung.“

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Den Einsatz von Wassersäcken – wie von den Grünen gefordert – hält Paul Janning nicht für praktikabel. „Die Wassersäcke könnten mit einem Messer aufgeschlitzt werden. Wir nutzen größere Kunststoffringe, die um die Baume gelegt werden. Diese lässt man mit Wasser volllaufen, das kann dann in Ruhe in den Boden einziehen.“

Die Pflege der Hecken an der Fuistingstraße ist noch Aufgabe der Firma, die die Hecken gepflanzt hat, erklärt die Stadt.

Die Pflege der Hecken an der Fuistingstraße ist noch Aufgabe der Firma, die die Hecken gepflanzt hat, erklärt die Stadt. © Markus Gehring

Dass entlang der Fuistingstraße die neu gepflanzten Hecken wohl mangels Wasser schon wieder recht braun sind, das hat die Stadt im Blick – allerdings nicht ständig. „Wir können nicht jeden Tag prüfen, ob die Hecken bewässert wurden“, sagt Paul Janning.

Heckenpflege an der Fuistingstraße

Die Heckenpflege sei noch Aufgabe der Firma, die die Hecke gepflanzt habe. Gleichwohl würde es sich beim Heckenstandort Fuistingstraße sicherlich um einen „Extremstandort im gepflasterten Bereich handeln“, sagt Paul Janning und meint den Bereich zwischen Fahrbahn und Geh- und Radweg. „Was nicht anwächst, wird nachgepflanzt.“

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