Etwa die Hälfte der Nahverkehrszüge, die durch Ahaus fahren, sollen am Mittwoch und Donnerstag ausfallen. Die Streiks der Lokführergewerkschaft GDL sollen noch bis Freitagnacht 2 Uhr dauern. © Stephan Rape
Bahnhof Ahaus

Bahnkunden in Ahaus haben viel Verständnis für Streiks der Lokführer

Die Bahn streikt. Am Mittwoch und Donnerstag fährt bestenfalls die Hälfte der Züge von Ahaus. Auch wenn das zu Problemen führt, haben viele Fahrgäste in Ahaus für die Streiks Verständnis.

Die schmale Laufschrift am Ahauser Bahnhof ist am Mittwochmorgen das Einzige, was auf den Streik der Lokführergewerkschaft GDL hinweist. Bundesweit fallen ungezählte Nah- und Fernverkehrszüge aus.

Für Ahaus heißt das, dass schon planmäßig die Hälfte der Züge nach Gronau oder Dortmund ausfällt. Was noch spontan an Verspätungen oder Zugausfällen dazu kommt, ist zu Beginn des Streiks natürlich noch nicht absehbar.

Die Vredenerin Hedwig Denno und ihre Freundin Liane Hethke aus Hessen machen sich am Mittwochmorgen trotz des angekündigten Streiks mit der Bahn auf die Reise. Einerseits, weil sie keine andere Wahl haben.

Hedwig Denno (r.) und Liane Hethke haben sich am Mittwochmorgen per Bahn von Ahaus auf den Weg nach Hessen gemacht. Für die Streiks haben die beiden Freundinnen Verständnis.
Hedwig Denno (r.) und Liane Hethke haben sich am Mittwochmorgen per Bahn von Ahaus auf den Weg nach Hessen gemacht. Für die Streiks haben die beiden Freundinnen Verständnis. © Stephan Rape © Stephan Rape

Andererseits, weil sie sich vorab informiert haben. „Ich habe in den Bahn-Navigator gesehen und glaube, dass das schon funktionieren wird“, sagt Hedwig Denno. Bis nach Witzenhausen in Hessen wollen sie fahren.

Vredenerin hat viel Verständnis für Streiks der Lokführer

Rund fünf Stunden dauert die Fahrt normalerweise. Wie lang die beiden Frauen an diesem Tag brauchen werden, können sie am Morgen noch nicht sagen. Hedwig Denno hat dabei viel Verständnis für den Streik: „Mein Sohn arbeitet bei der Bahn“, sagt sie.

Bei den Streiks gehe es ja um viel mehr als nur die geringe Lohnerhöhung: „Über die wird immer berichtet. Aber es geht ja um eine ganze Reihe von Punkten, die die Bahn aus den Arbeitsverträgen streichen möchte“, sagt die Vredenerin. Sei es bei der Altersvorsorge, den Arbeitszeiten oder den Urlaubsansprüchen.

Premiere als Bahnkundin – mitten im Streik

So gelassen Hedwig Denno den Streik auch hinnimmt, ihre Freundin ist doch noch etwas aufgeregt: „Ich fahre sonst nie mit der Bahn“, sagt sie lachend. Allein deswegen sei sie unsicher, ob alle Anschlüsse klappen würden und ob sie sich zurecht finde.

Und dann komme eben noch die Unwägbarkeit durch den Streik hinzu. Ihre Freundin beruhigt sie. Das sei alles überhaupt kein Problem. Das Geschimpfe über die Bahn gehe ihr eher auf die Nerven.

Per Laufschrift werden Reisende am Ahauser Bahnhof auf den GDL-Streik hingewiesen.
Per Laufschrift werden Reisende am Ahauser Bahnhof auf den GDL-Streik hingewiesen. © Stephan Rape © Stephan Rape

Auch andere Fahrgäste nehmen den Streik am Mittwochmorgen gelassen hin. Namentlich nennen lassen wollen sie sich auf Nachfrage nicht. Aber egal, ob ihre Fahrt zur Arbeit, zur Uni oder in die Freizeit führt, sie nehmen den Streik so hin.

„Ich kann ja doch nichts daran ändern“, sagt ein jüngerer Mann, als er am frühen Morgen den Zug besteigt. Eine Frau kommt kurz vor der Abfahrt noch zum Zug gerannt. „Fährt der ganz normal?“, ruft sie der Zugbegleiterin zu. Auf der Internetseite der Bahn würde das zumindest so stehen. Die Zugbegleiterin nickt. Dieser Zug fährt geplant normal bis zu seiner Endhaltestelle in Dortmund.

Pendler können auf Busse und private Pkw ausweichen

Ob die Berufspendler, die sonst von Ahaus starten, allerdings auf den Bus oder den privaten Pkw ausweichen, bleibt am Mittwochmorgen unklar. Auf dem Parkplatz am Bahnhof sind jedenfalls mehr Plätze frei als üblich. Am Busbahnhof – wenige Schritte vom Bahnhof entfernt – ist es morgens ebenfalls ruhig.

Das mag auch an den fehlenden Schülerinnen und Schülern liegen: Denn der große Vorteil dieses Streiks – wenn man es denn so nennen möchte: Noch sind Sommerferien. Die vielen Schülerinnen und Schüler, die per Zug zur Schule nach Ahaus und wieder zurück fahren, sind aktuell nicht betroffen.

Das Display am Ahauser Bahnhof ist seit einiger Zeit zerstört. Genaue und aktuelle Fahrplaninformationen gibt es in Ahaus nur per Internet.
Das Display am Ahauser Bahnhof ist seit einiger Zeit zerstört. Genaue und aktuelle Fahrplaninformationen gibt es in Ahaus nur per Internet. © Stephan Rape © Stephan Rape

Wie angekündigt, soll der Streik der Lokführer noch bis Freitagmorgen, 2 Uhr, dauern. Danach soll sich der Verkehr möglichst schnell wieder an den normalen Fahrplan angleichen. Wie lange das tatsächlich dauert, ist im Moment noch nicht klar.

Den aktuellen Abfahrtsplan veröffentlicht die Bahn hier.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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