Bahnkunden können in Ahaus keine Fahrkarten kaufen

Agentur und Automat fehlen

Soviel vorweg: Gerda Kasper fährt seit vielen Jahren gerne und oft mit der Deutschen Bahn, um Freunde und Verwandte in Bochum, Warburg oder anderswo zu besuchen. Und sie ist eigentlich eine zufriedene Kundin. Doch seit einigen Wochen hat sie ein Problem mit der Bahn, das nicht nur sie allein betrifft: In ganz Ahaus gibt es keine Fahrkarten mehr zu kaufen.

AHAUS

, 17.06.2014, 18:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
Reisende am Ahauser Bahnhof

Reisende am Ahauser Bahnhof

Die nächsten mit Menschen besetzen Fahrkartenverkaufsstellen sind in Coesfeld, Gronau oder Stadtlohn. Die Fahrtkosten dorthin würden die Rabatte wieder auffressen. Gerda Kasper ist nicht die einzige Ahauserin, die die Bahnagentur in der Stadt vermisst. Das bestätigt zum Beispiel Waltraud Rickert, die ein Reisebüro in der Nachbarschaft der geschlossenen Agentur betreibt – allerdings ohne Bahnkartenverkauf. Seit die Agentur geschlossen ist, kommen nach Rickerts Angaben „ganz häufig“ Ahauser in ihr Reisebüro, um eine Zugfahrkarte zu kaufen. „Das sind vor allem ältere Menschen, die nicht im Internet ein Ticket kaufen möchten, aber nicht nur ältere.“ Diese Kunden muss Waltraud Rickert aber enttäuschen: „Wir verkaufen keine Bahnfahrkarten und wollen auch in Zukunft nicht Bahnagentur werden.“ Warum nicht? „Das ist sehr aufwändig. Da müsste ich eine Mitarbeiterin fast ganz für abstellen. Und am Ende lohnt es sich kaum.“

In der Tat sei die Honorierung durch die Bahn sehr gering, bestätigt Petra Südhoff, Inhaberin des Reisebüros Westmünsterland in Stadtlohn, das gleichzeitig DB-Agentur ist – die nächstgelegene für Ahauser. Südhoff sieht den Fahrkartenverkauf vor allem als Service für ihre Kunden. Allerdings nicht als kostenlosen Service. Pauschal wird für eine Fahrkarte eine „Vermittlungsentgelt“ von fünf Euro fällig, für Gruppenfahrtkarten zehn Euro. Dafür erhalte der Kunde auch eine Beratung zu den Tarifen und möglichen Vergünstigungen. „Die Nachfrage ist da“, sagt Petra Südhoff, wir verkaufen täglich Bahnkarten für Fahrten deutschlandweit, von Hamburg bis München oder auch ins Ausland. Häufig kommen auch Nachfragen für Clubtouren.“ Seitdem Agenturen in Borken und Ahaus geschlossen wurden, sei die Nachfrage sogar noch gestiegen. Auskünfte und Verkauf gibt es aber nur für Kunden, die persönlich ins Reisebüro kommen, nicht telefonisch.

Besteht die Aussicht auf die Eröffnung einer neuen Agentur in Ahaus? Die Deutsche Bahn hätte nichts dagegen. „Sollte es einen Interessenten für die Zulassung als DB-Agentur geben, werden wir eine entsprechende Lizenz vergeben“, erklärte gestern ein Bahnsprecher auf Anfrage der Münsterland Zeitung. Allerdings: Aktiv bemühen will sich die Bahn nicht. Sie verweist lediglich auf ihre Internetseite www.db-agenturservice.de. „Hier kann auch ein Bewerbungsformular abgerufen werden“, so der Bahnsprecher. Die Chancen sind also gering. Schließlich ist der Betrieb einer Agentur nach Angaben von Reisebüros wenig oder gar nicht lukrativ.

Und was ist mit dem Fahrkartenautomaten am Ahauser Bahnhof. Wird er nach der derzeit laufenden Bahnhofsmodernisierung wieder aufgebaut? Hierzu gibt es ein klares Nein von der Bahn: Der Zweckverband Westfalen-Lippe habe bei der Vergabe der Strecke bewusst darauf verzichtet. Der Bahnsprecher sagt: „Nachdem im Sommer 2012 in allen Zügen Automaten installiert waren, wurde der Automat am Bahnhof nach einer Übergangszeit im Februar 2014 abgebaut. Ein Wiederaufbau ist nicht vorgesehen.“

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