Bahnstreik heizt Nachfrage an

Fernbusse

Der Bahnstreik hat Konsequenzen: Immer mehr Passagiere wechseln vom Zug auf den Bus, denn das Angebot an Fernbuslinien wächst, auch in der Region.

AHAUS

von Von Christiane Nitsche und Victoria Thünte

, 07.11.2014, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Noch sind es meist junge Leute, die den Fernbus nutzen. Das ändert sich aber zunehmend.

Noch sind es meist junge Leute, die den Fernbus nutzen. Das ändert sich aber zunehmend.

Auch das Legdener Busunternehmen Gödde bedient eine der Flix-Bus-Routen: Täglich geht es je einmal von Aachen über Mönchengladbach, Krefeld, Oberhausen, Recklinghausen, Münster, Bremen, Hamburg, Lübeck, Wismar bis Rostock und zurück. In fast allen Halteorten gibt es Verbindungen in weitere Ziele. Zwei Busse und drei Fahrer hat Geschäftsführer Holger Gödde seit April im Einsatz für Flix-Bus. Und: Er hat es bis dato nicht bereut. „Die Erfahrungen sind sehr positiv“, sagt er. Zunächst sei er etwas skeptisch gewesen. „Aber wenn ich die Auslastung sehe, bin ich sehr zufrieden.“

Durchschnittlich 50 bis 60 Fahrgäste habe er pro Tag im Bus. Inzwischen überlege er, noch stärker in das Fernbus-Geschäft einzusteigen – „spätestens in eineinhalb Jahren“. Enschede als Abfahrtsort hätte ihn auch interessiert. Aber vielleicht orientiere er sich dann Richtung Süddeutschland. Dass sich die Klientel im Fernbus langsam verändert, hat der 39-Jährige selbst erlebt, als er die Route gefahren ist. „Ich möchte das immer selbst kennenlernen“, sagt er. „Das ist recht interessant, man lernt ganz unterschiedliche Menschen kennen.“ Nachdem zunächst vor allem viel jüngeres Publikum das Angebot nutzte, kämen nun immer mehr ältere dazu. „Die sind vorsichtiger, aber auch immer gut zufrieden.“

Knackpunkt sei bisher gewesen, dass man die Tickets praktisch nur über das Internet buchen konnte. Das ändere sich gerade. „Es gibt immer mehr Verkaufsstellen, aber das muss natürlich auch erstmal wachsen.“ Genau wie das Liniennetz. Mit dessen Erweiterung aber sei das Fernbus-Geschäft auf jeden Fall ein Zukunftsmodell. „Für viele ist es auch angenehm, wenn sie den Koffer verladen bekommen und ohne Umsteigen und Treppenlaufen auf Bahnsteige ans Ziel kommen.“ Dass der Bahnstreik dem Fernbus-Geschäft zugute kommt, sei klar, meint Gödde. „Darüber freue ich mich natürlich“, gesteht er ein. Aber er verstehe auch den Unmut der Leute, die irgendwo stranden und nicht zur Arbeit oder in den Urlaub kommen. Das könne der Fernbus noch nicht auffangen. „Man kann nicht alle zufrieden stellen“, sagt Gödde. „Dafür ist der Markt noch zu jung.“

Seit 30. Oktober fährt ab Enschede ein Fernbus nach Berlin, bzw. nach Amsterdam. Tickets für die einfache Fahrt von Enschede nach Berlin liegen um 20 Euro. Amsterdam-Berlin und zurück kosten etwa 55 Euro. Das Fahrpreissystem sieht vor, dass frühere Bucher weniger zahlen – ähnlich wie im Flugmarkt. Verspätungen durch Staus und ähnliches werden aktuell per SMS mitgeteilt. Internetseiten bieten einen Vergleich der verschiedenen Unternehmen, Verbindungsmöglichkeiten und Ticketpreise an.

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