"Basis denkt ökumenisch"

Positive Bilanz

Am Sterbebett ihrer Mutter musste die junge Katholikin versprechen, dass sie niemals ihren Freund heiraten werde. Weil der evangelisch war. Carola Beike erzählt diese Erfahrung einer Bekannten im Ökumenekreis. Es klingt wie eine Geschichte aus vergangenen Jahrhunderten – und liegt doch erst wenige Jahrzehnte zurück.

AHAUS

, 04.06.2014, 18:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Vor den Kirchtürmen der katholischen Marienkirche (l.) und der evangelischen Christuskirche: Mechthild Jeschar, Pfarrrer Heinrich Plaßmann, Johanna Schmitz, Pfarrer Olaf Goos, Carola Beike, Christine Thesing und Simone Erdweg (v.l.).

Vor den Kirchtürmen der katholischen Marienkirche (l.) und der evangelischen Christuskirche: Mechthild Jeschar, Pfarrrer Heinrich Plaßmann, Johanna Schmitz, Pfarrer Olaf Goos, Carola Beike, Christine Thesing und Simone Erdweg (v.l.).

Das Leitwort lautet: „Mit Christus Brücken bauen…“ 29 000 Ahauser sind katholisch, 4000 evangelisch. Doch die Konfession spielt heute im Zusammenleben kaum noch eine Rolle mehr. „Die Basis denkt ökumenisch“, sagt Mechthild Jeschar, die als Katholikin mit einem Protestanten verheiratet ist. „Wir leben eher die Gemeinsamkeiten als das Trennende. Wir sind eine Gemeinschaft“, sagt Jeschar. Und das gelte in Ahaus noch mehr als anderswo. Hier gebe es keine Probleme, wenn katholische und evangelische Christen wechselseitig die Abendmahlfeiern und Messen der anderen Konfession mitfeiern.

„Wir nutzen die Spielräume vor Ort“, sagt Pfarrer Heinrich Plaßmann. Und er verweist auf das praktizierte Miteinander: Bibelkreis, Schöpfungstag, gemischtkonfessionelle Kirchenchöre, ökumenische Flüchtlingshilfe und die gemeinsame Spendenaktion für das Tor zum jüdischen Friedhof. Pfarrer Olaf Goos, der noch nicht so lange in Ahaus ist, bestätigt das gute Klima zwischen den Konfessionen: „Ich bin von den katholischen Brüdern und Schwestern mit offenen Armen empfangen worden. Sie tragen die Ökumene im Herzen.“ Das Verhältnis ist so entspannt, dass die Pfarrer auch freimütig auf die Frage antworten, worum sie die andere Konfession beneiden.

„Um den Stellenwert des Wortes Gottes. Im Umgang mit der Bibelkultur, da können wir von der evangelischen Kirche lernen“, sagt Pfarrer Plaßmann. Und Pfarrer Goos, der auch bei festlichen Anlässen einen schwarzen Talar trägt, räumt ein: „Bei der Garderobe haben die katholischen Priester mehr zu bieten. Überhaupt: Liturgie, Rituale, Symbolik – da haben die Katholiken einen ganz anderen Schatz als wir.“ Den Katholikinnen im Ökumenekreis fallen noch weitere Vorteile der evangelischen Kirche ein: die demokratischere Verfassung, die Offenheit, die Frauenordination. Auf jeden Fall, so sagt Carola Beike, erweitere die Ökumene den Horizont. „Das ist ein echtes Abenteuer, sich gemeinsam auf den Weg zu machen.

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