Beerdigungen in Corona-Zeiten: Nahe sein und doch auf Abstand bleiben

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Die Einschränkungen durch das Coronavirus machen das Abschiednehmen nicht leichter. Wir haben mit Pfarrer Stefan Jürgens darüber gesprochen, wie Angehörige damit umgehen sollten.

Ahaus

, 03.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beerdigungen in Zeiten von Corona: Die strengen Corona-Regeln machen das Abschiednehmen für die Angehörigen nicht leichter. In der Trauer allein sein, auf Distanz bleiben zu müssen, kein Händedruck, keine Umarmung.

Herzlichkeit und Empathie

Den Menschen nahe sein und doch auf Abstand bleiben – das muss derzeit auch Pfarrer Stefan Jürgens von der Pfarrei St. Mariä Himmelfahrt in Ahaus. Gelingt das? „Ich meine, das geht ganz gut“, erklärt er. „Herzlichkeit und Empathie sind nicht vom Händedruck abhängig.“

Pfarrer Stefan Jürgens

Pfarrer Stefan Jürgens © Christof Haverkamp

Beerdigungen dürfen aktuell nur im Kreis der engsten Angehörigen (Ehegatte/Lebenspartner sowie Eltern und Kinder) unter freiem Himmel stattfinden.

Erlaubt ist den Geistlichen, die engsten Angehörigen zum Trauergespräch zu besuchen. „Ich muss dabei aber auf ausreichend Abstand achten“, erklärt Pfarrer Jürgens. Die Trauerfeier dürfe nur im kleinsten Kreis stattfinden, „am besten draußen“. Das klassisch-katholische Requiem, also die Messfeier anlässlich einer Beerdigung, gebe es derzeit nicht – könne aber später nachgeholt werden.

Etwa 200 Beerdigungen jährlich

Die katholischen Pfarreien Ahaus und Alstätte-Ottenstein haben zusammen etwa 19.700 Mitglieder. Rein rechnerisch ergeben sich daraus bei normaler Bevölkerungsentwicklung 197 Beerdigungen pro Jahr, das sind zwischen drei und vier Beerdigungen in der Woche. Diese Beerdigungen prägen im ländlichen Bereich auch das soziale Leben.

Die Corona-Maßregeln führen zu schmerzhaften Einschnitten, zum Beispiel, wenn langjährige Weggefährten aus Vereinen an der Beisetzung nicht teilnehmen dürfen. „Das ist sehr schmerzhaft, aber derzeit nicht zu ändern“, sagt Pfarrer Jürgens.

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Sein Vorschlag: „Vielleicht können langjährige Weggefährten zur Beerdigungszeit zu Hause eine Kerze anzünden und beten. Und dann später am Sechswochen- oder Jahresamt teilnehmen.“

Trauernden Angehörigen einen angemessenen Abschied ermöglichen, das ist derzeit gar nicht so einfach. „Dabei sind einfach Menschlichkeit und Kreativität angesagt“, erklärt der Ahauser Pfarrer.

Die Beschränkungen bei der Trauerfeier müsse man schlichtweg annehmen, also akzeptieren. Das führt zu Situationen, dass Familienmitglieder weit auseinander stehen und nur Blickkontakt haben.

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„Aber ansonsten gilt: Möglichst gute Kommunikation mit Freunden und Verwandten, sich auf keinen Fall zurückziehen, wenn man trauert.“ Still zu leiden sei verständlich, aber es trübe auf Dauer die Hoffnung. „Gespräche sind ja auch telefonisch möglich. Ich rate trauernden Angehörigen immer, viel im Gespräch zu sein.“

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