Bei der Zwischenlagerung von Atommüll in Ahaus soll es schnell gehen

mlzBrennelemente-Zwischenlager Ahaus

Wenn ein Atommüll-Endlager auf eine Million Jahre ausgelegt sei, für welchen Zeitraum sei dann ein Zwischenlager konzipiert? Eine von vielen Fragen bei einer Podiumsdiskussion in Ahaus.

Ahaus

, 27.02.2019, 18:57 Uhr / Lesedauer: 3 min

Etliche Fragen wurden beantwortet, viele blieben offen bei der Podiumsdiskussion, der schon eine Frage vorangestellt war: Wie lange noch? Im Fürstensaal des Schlosses ging es am Dienstagabend um die Brennelemente-Zwischenlagerung in Ahaus. Gut 250 Gäste hieß Gastgeber und VHS-Direktor Dr. Nikolaus Schneider zur „bestbesuchten Veranstaltung der politischen Erwachsenenbildung in den vergangenen zehn Jahren“ willkommen.

Auf dem Podium saßen Staatssekretär Jochen Flasbarth aus dem Bundesumweltministerium, Dr. Monika Müller aus dem Nationalen Begleitgremium zur Endlagersuche, Wilhelm Graf, der Technische Geschäftsführer der BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung, und Hartmut Liebermann, der als Vertreter der Bürgerinitiative (BI) „Kein Atommüll in Ahaus“ den längsten und lautesten Vorstellungsapplaus bekam. Den Abend moderierte Journalist Jürgen Döschner.

Bei der Zwischenlagerung von Atommüll in Ahaus soll es schnell gehen

Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium © Christian Bödding

„Welche Fehler, die in Ahaus gemacht worden sind, wollen Sie bei der Endlagersuche vermeiden?“ ging die erste Frage von Jürgen Döschner an Monika Müller. Die Studienleiterin der Evangelischen Akademie Loccum sprach davon, die Öffentlichkeit an einer unabhängigen Endlagersuche zu beteiligen. Staatssekretär Jochen Flasbarth beichtete von seinem kuriosen Lebensweg. In jungen Jahren bei einer Bürgerinitiative aktiv und später Präsident des Naturschutzbundes Deutschland, müsse er heute auch mit eigenen Widersprüchen leben.

„Wir haben uns eine falsche Energieversorgung über ein paar Jahrzehnte geleistet. Die Hinterlassenschaften sind brachial.“ Die Endlager-Frage sei in weiten Teilen ungelöst. „Die Leute haben riesengroßes Misstrauen in das Handeln des Staates.“

Um das Thema Endlager ging es auch bei der Frage nach der Definition von Zeiträumen. Wenn „Endlager“ eine Million Jahre umfasse, wie definiere er dann „Zwischenlager“, fragte Döschner den Staatssekretär. Der antwortete ausweichend mit „aus dem Beginn der Endlagerung“. Monika Müller sagte später: „‘Zwischen‘, das ist sehr viel länger, als ursprünglich gedacht war.“

„Störungsfreier Betrieb“

Wilhelm Graf erwähnte den sicheren und störungsfreien Betrieb, der im Zwischenlager in Ahaus seit einem Vierteljahrhundert gewährleistet werde. Unfreiwillige Lacher bekam er für sein Statement, dass das Zwischenlager dem neuesten Stand von Wissenschaft und Technik entspreche, was man an der Mauer sehen könne, die derzeit rund um das Lager entstehe. Ernste Gesichter gab es für Grafs Aussage, dass das Zwischenlager in Ahaus – obwohl derzeit nur zu zehn Prozent genutzt – keinesfalls überdimensioniert sei. „Die Ahauser Flächen sind Bestandteil einer Gesamtkonzeption. Die restlichen 90 Prozent werden auch noch gefüllt bis zur Inbetriebnahme eines Endlagers.“

Bei der Zwischenlagerung von Atommüll in Ahaus soll es schnell gehen

Hartmut Liebermann, Sprecher der Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" © Christian Bödding

BI-Sprecher Hartmut Liebermann antwortete auf die Frage nach seinen größten Befürchtungen, dass es kurzfristig zu Atommüll-Transporten aus Jülich und Garching kommen könne und dass absehbar sei, dass es bis zum Auslaufen der Genehmigung des Zwischenlagers im Jahr 2036 noch kein Endlager gebe. „Es bedarf wohl einer Zwischenlösung bis ins nächste Jahrhundert.“

Jochen Flasbarth mühte sich in Richtung Hartmut Liebermann, „tief erschüttertes Vertrauen“ wieder herzustellen. Der Zeitplan sei einzuhalten und 2031 der Standort des Endlagers zu benennen. „Ich werde alles dafür tun, dass die Zwischenlager so kurz wie möglich benötigt werden“, sagte Flasbarth.

Neue Genehmigung

Auf eine konkrete Jahreszahl wollte sich Wilhelm Graf nicht festlegen. Die BGZ als Zwischenlager-Betreiber beschäftige sich schon heute damit, eine Genehmigung für die Verlängerung der Lagerung zu bekommen. „Das braucht mehrere Jahre Vorlauf.“ Dass der Faktor Zeit eine enorme Rolle spielt, wurde in der Diskussion immer wieder deutlich. Sei es bei der Bürgerbeteiligung, sei es bis zum Zeitpunkt der Einlagerung des Atommülls in ein Endlager. „Wir müssen den Atommüll in den Zwischenlagern länger lagern als geplant“, machte Monika Müller deutlich. „Für uns haben Sicherheit und Gründlichkeit höhere Priorität, als das Zeitfenster einzuhalten.“

Bei der Zwischenlagerung von Atommüll in Ahaus soll es schnell gehen

Das Publikum im Fürstensaal des Schlosses © Christian Bödding

Angerissen wurden auch die jüngsten Entwicklungen am Forschungszentrum Jülich (wir berichteten). In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass das Forschungszentrum ein Grundstück für den Bau einer erdbebensicheren Lagerhalle für Atommüll zurückgezogen hat. Hartmut Liebermann sprach von einem „heimtückischen Vorgehen“. Das Forschungszentrum wolle seiner atompolitischen Verantwortung nicht nachkommen. „Dabei handelt es sich um eine Einrichtung von Bund und Land. Das ist einer der Gründe, warum wir in die Politik kein Vertrauen mehr haben, Herr Flasbarth.“

Drei Optionen

Der Staatssekretär erinnerte an die drei Optionen, die für die Lagerung des Jülicher Atommülls in Betracht kämen: ein Transport in die USA, ein Verbleib in einer neuen Halle in Jülich oder die Einlagerung in Ahaus. „Wenn Ahaus der schnellste Weg ist, bin ich dafür, dass er nach Ahaus geht.“ Die Bundesregierung halte offiziell alle drei Optionen offen. Wobei Jochen Flasbarth einschränkte: „Ich weiß nicht, wie Niedersachsen und die dortigen Hafenstandorte reagieren, wenn ein Transport per Schiff in die USA präferiert werden sollte.“ Und nicht zu vergessen: Der Neubau einer Halle in Jülich werde erst einmal Jahre an Planungen benötigen.

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