Bestsellerautor Manfred Lütz eröffnet Kleinen Universitätstag

AHAUS Vorlesung statt Unterricht: Der siebte Kleine Universitätstag hat das Alexander-Hegius-Gymnasium wieder für einen Tag in eine Hochschule verwandelt.

20.03.2009, 16:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Gott ist unvergleichbar", säuselt der Fromme. "Gott ist eine Illusion", wettert der Atheist. "Mit Gott ist es so wie mit einer Sahnetorte", sagt Manfred Lütz am Donnerstagabend bei der Eröffnung des Kleinen-Universitätstages. "Torte?" Das Publikum in der voll besetzten Aula blickt verwundert zur Bühne hoch. Lütz schmunzelt und die Zuhörer - mehr Erwachsene als Jugendliche - werden wenig später laut lachen, wie so oft während des eineinhalbstündigen Vortrages: So macht Uni Spaß.

Wer meint, eine wissenschaftlich fundierte Abhandlung über die existenzielle Frage nach den Werten, der Wahrheit und dem Glück müsse bierernst daher kommen, kennt den Facharzt für Nervenheilkunde und Psychiatrie nicht, der zugleich Diplomtheologe und Bestsellerautor ist.

Existiert sie oder nicht?

Den jüngster Erfolgstitel hat die rheinische Frohnatur aufgeschlagen vor sich liegen: "Gott. Eine kleine Geschichte über den Größten".

Zurück zur Sahnetorte: Lütz leckt sich über die Lippen. "Ich kann mir diese Torte ganz intensiv wünschen, mich danach sehen. Das heißt aber noch nicht, dass diese Torte hier und jetzt wirklich existiert." Pause. "Das heißt das aber auch nicht, dass sie nicht exisitiert." "Zum Glück", schiebt Lütz hinterher. Der Chefarzt macht keinen Hehl daraus, dass er an die Existenz des Höchsten glaubt - aber mit viel Verständnis für alle, denen es anders geht.

"Wer hat nicht gerne mal sturmfreie Bude", fragt Lütz insbesondere in die Richtung der jüngeren Zuhörer. Da sei es doch nur verständlich, auch einmal dieses lästige Über-Ich loszuwerden, das immer auf moralisch einwandfreies Verhalten achte. Dabei hätten meistens die mehr Spaß, die über die Stränge schlügen.

Warum nicht rauben?

Und doch: "Würden Sie eine Bank ausrauben, wenn sie einen totsicheren Plan hätten? Es nicht zu tun, wäre doch unvernünftig oder?" Wieder eine Pause. In der ersten Reihe sitzen die Sponsoren des Uni-Tages von der Sparkasse Westmünsterland. Sie atmen auf, als der Redner selbst die Antwort gibt: "Immanuel Kant wäre anderer Meinung - und ich auch." Schließlich sei die Würde des Menschen durch seine innere Moralität begründet. Das ist sie wieder - die Ausgangsfrage nach den Werten. "Eine Debatte, die völlig in der Luft hängt, wenn man nicht nach Gott fragt", so Lütz.

Am Ende seines an belesenen Verweisen armen Vortrags greift Lütz doch in die Zitaten-Kiste - Max Horkheimer: "Warum soll ich gut sein, wenn es keinen Gott gibt?" Wenn aber Gott existiere, führt Lütz weiter aus, sei Atheismus ein fataler Irrtum - und die Vorfreude auf Sahnetorte berechtigt... sy-

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