Mit einem Jahr und sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung, einer Wertersatzzahlung von knapp 18.800 Euro und 100 Sozialstunden, verließ ein 37-jähriger Ahauser am Freitag das Amtsgericht Ahaus. © Markus Gehring
Führerschein weg

Betrunkener setzt Auto in Graben – Polizei glaubt seine Geschichte nicht

Ein Mann setzt sich betrunken hinter das Steuer und landet mit dem Wagen in einem Bach. Am nächsten Tag ruft er die Polizei an und versucht den Beamten eine Geschichte zu verkaufen.

Es gibt Fälle vor dem Amtsgericht in Ahaus, da geht es nicht um Schuld oder Unschuld, sondern um das Strafmaß. Und in solchen Fällen ist die Einsicht des Angeklagten ein ganz wesentliches Kriterium für die Strafzumessung. Das war auch am Dienstagmorgen so, als der Angeklagte frank und frei einräumte: „Ich habe ganz dämlich gehandelt.“

Die Vorwürfe gegen den Ahauser waren keine Kleinigkeit: Er soll im vergangenen Mai nicht nur alkoholisiert Auto gefahren und einen Unfall verursacht, sondern sich auch unerlaubt vom Ort des Geschehens entfernt haben. Darüber hinaus tischte er der Polizei eine falsche Geschichte über den Verbleib des Autos auf. Und das Vortäuschen einer Straftat ist ebenfalls eine Straftat.

Mit dem Audi in den Graben

Aber der Reihe nach: Der Angeklagte hatte in einer Kneipe in Ahaus gefeiert. Ursprünglich habe er geplant, mit dem Taxi nach Hause zu kommen. Doch in den frühen Morgenstunden entschied er sich dazu, mit seinem Auto zu seiner Freundin nach Holtwick zu fahren.

Unterwegs nahm das Unglück seinen Lauf: „Ich bin von der Straße abgekommen, ich war unkonzentriert.“ Letztlich landete der Audi in einem Bach. Ein herbeigerufener Bekannter half, den Wagen im Morgengrauen mit einem Traktor aus dem Gewässer zu ziehen. Das Nummernschild des Wagens warf der Maurer in einen Strauch, um seine Täterschaft zu vertuschen. Dann machte sich der junge Mann zu Fuß auf den Weg – zu seiner Mutter, nicht zu seiner Freundin.

Am Folgetag aber schwante ihm, dass es mit dem Auto Probleme geben könnte. Er meldete sich bei der Polizei, um den Wagen als gestohlen zu melden: „Ich habe aus Angst angerufen.“ Doch auf der Wache entpuppte sich seine Geschichte – auf die mehrmaligen nachfragen der Beamten – schnell als gelogen. Sie entnahmen gleich eine Blutprobe, die zu diesem Zeitpunkt noch knapp 0,9 Promille auswies.

„Qualifizierte Dummheit“

„Das ist fast schon ein Fall von qualifizierter Dummheit, das konnte nicht gutgehen“, führte selbst der Verteidiger in seinem Plädoyer aus. „So richtig gut aufgezogen war die Geschichte ja nicht“, erklärte auch der Richter. Gleichwohl konnte er keine vorsätzliche Trunkenheitsfahrt ausmachen: „Das war eine Kurzschlussreaktion und mit Sicherheit sehr, sehr fahrlässig.“ Der Angeklagte sei zur Tatzeit sehr stark alkoholisiert gewesen, wenn man das einmal durchrechne.

Letztlich verurteilte er den Ahauser, der nach eigenen Angaben berufsmäßig auf das Auto angewiesen ist, zu sechs Monaten Führerscheinentzug und einer Strafe von 40 Tagessätzen zu je 60 Euro.

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