Körperverletzung: Brüderpaar aus Ahaus erhält allerletzte Verwarnung

mlzGerichtsprozess

Mehrfach rückfällig sind zwei vor Jahren bereits einschlägig straffällig gewordene Brüder aus Ahaus. Der Richter konnte für Körperverletzungen so gerade noch Bewährungsstrafen verantworten.

Ahaus

, 21.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

So gerade eben noch mit Bewährungsstrafen sind zwei Brüder aus Ahaus in einem Strafprozess vor dem Amtsgericht Ahaus davongekommen. Umso eindringlicher war der Rat des Richters: „Lernen Sie, mit Aggressionen umzugehen.“ Sollte „ab heute noch etwas in Richtung Körperverletzung“ bei den 23- und 25-Jährigen passieren, dann könne er eine Bewährung nicht mehr verantworten. Und so stehen die insgesamt acht Monate Freiheitsstrafe gegen den jüngeren und 19 Monate gegen den älteren Ahauser auf drei Jahre zur Bewährung.

Dass beide noch einmal mit einem „blauen Auge“ davongekommen waren, davon zeugt auch die lange Liste an Strafeinträgen. Gegen den 23-Jährigen stehen sechs Einträge zu Buche, gegen den 25-Jährigen gleich derer neun. Dabei wurde bereits Jugendarrest verbüßt.

Gleich drei weitere Taten wegen Körperverletzung wurden nun verhandelt. Dabei halfen dem Gericht die Aussagen der Angeklagten nur bedingt: „Wir haben hier zwei Angeklagte gesehen, die nichts zugegeben, aber auch nichts abgestritten haben.“ Schuld war vor allem übermäßiger Alkoholkonsum.

Erhebliche Palette an Vorstrafen

Im ersten Fall kam es im Juni 2019 zu einer Auseinandersetzung vor einer Diskothek an der Bahnhofstraße. Letztendlich konnten beide Angeklagte nicht mehr wirklich nachvollziehen, wie es zu körperlichen Angriffen gegen zwei Ahauser gekommen war. „Ich kann mich nur an die Hälfte erinnern“, sagte der 23-Jährige – wohl aber, dass er „einem eine verpasst“ hatte. Sein Bruder sei „gut dabei“ gewesen, was den Alkoholkonsum angehe.

Die Aussagen der Zeugen seien aber glaubwürdig gewesen und so verurteilte der Richter die Brüder wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung. Auch die Staatsanwaltschaft hatte die Anlage als „vollumfänglich bewiesen“ angesehen – ebenso wie im zweiten Anklagepunkt.

„Seien Sie froh, dass der Gürtel den Kopf nicht getroffen hat"

In diesem zweiten Fall aus dem Dezember 2019 war der Ältere der Brüder angeklagt, gegen eine 24-Jährige einen Schlag mit einem Gürtel vollzogen zu haben. Diese hatte diesen so gerade noch per Hand abwehren können, um Schlimmeres zu verhindern. „Seien Sie froh, dass der Gürtel den Kopf nicht getroffen hat. Dann hätten wir hier über ganz andere Dinge verhandeln müssen“, betonte der Richter. Auch in diesem Fall war der Beschuldigte stark alkoholisiert gewesen. Der Richter gestand dem Beschuldigten zu, dass er vorab in eine Schlägerei an der Tankstelle an der Wüllener Straße eingebunden gewesen sei, die er nicht ausgelöst hatte. Allerdings richtete sich der Hieb mit dem Gürtel gegen eine „komplett unbeteiligte Person“. Am Ende stand eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung.

Wegen vorsätzlicher Körperverletzung für eine Tat aus dem Februar 2020 musste sich zudem noch der 23-Jährige verantworten. Nach einer verbalen Auseinandersetzung auf der van-Delden-Straße kam es zu gewaltsamen Übergriffen gegen zwei 19-jährige Frauen aus Ahaus. In der Summe sah der Richter eine vorsätzliche Körperverletzung für nachgewiesen.

Hohe Rückfallgeschwindigkeit gefährdet Sozialprognose

Bei der Strafbemessung für den 25-Jährigen wurde die Strafe aus einem weiteren Verfahren, dessen Strafe dieser noch nicht komplett verbüßt hatte, noch hinzugezogen. Zudem muss der Jüngere eine Geldstrafe von 1800 Euro an die Landeskasse zahlen, der Ältere 2500 Euro.

Beiden wurde eine Gewaltberatung auferlegt. Und der Richter mahnte an, diese auch ernsthaft wahrzunehmen, da ein bereits absolviertes Anti-Gewalttraining bei beiden wohl „dringend aufgefrischt“ werden müsse. Da beide mittlerweile in Arbeit sind und die meisten der Vorstrafen schon länger zurückliegen, sollte die „noch günstige Sozialprognose“ nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.

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